Der Trierer Weihnachtsmarkt muss verkleinert werden

Der Trierer Weihnachtsmarkt muss verkleinert werden

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TRIER. Vor rund drei Wochen trafen sich die Anlieger des Weihnachtsmarkts, Wirtschaftsdezernent Thomas Egger, Vertreter der Stadt und der Berufsfeuerwehr Trier zu einem Informationsgespräch (lokalo berichtete). Thema: Der Flucht- und Rettungswegeplan rund um den Weihnachtsmarkt.

Die Hauptdarsteller, nämlich Vertreter der AG Trierer Weihnachtsmarkt, seit Jahren einzig und allein die Oscar Bruch OHG, waren nicht anwesend. „Wir sitzen mit der Familie Bruch am Verhandlungstisch“, sagt Egger. Der Hintergrund der Verhandlungen mit dem Ausrichter des Weihnachtsmarkts und den Gesprächen mit den Geschäftsleuten, die rund um den Hauptmarkt, die Sternstraße und den Domfreihof angesiedelt sind, ist der Flucht- und Rettungswegeplan, der in der bisher praktizierten Form nicht mehr durchsetzbar und auch nicht mehr akzeptabel ist und daher nicht mehr angewandt werden kann.

„Wir müssen gewährleisten, dass überall mindestens sechs Metern als Durchfahrtsbreite gewährleistet ist“, sagt Andreas Kichartz, bei der Trierer Berufsfeuerwehr Abteilungsleiter des Ressorts „Vorbeugender Gefahrenschutz“. So steht es in der Satzung der Stadt Trier. Diese Forderung wird bisher unbestritten nicht erfüllt. An manchen Stellen, hier ist insbesondere das Nadelöhr an der Ecke „Steipe/Weihnachtsmarkt“ zu nennen, sind nicht einmal vier Meter Platz. „Es geht kein Weg daran vorbei, Engpässe dieser Art darf es nicht mehr geben.“ Auf die Frage, ob es sich nun bei den neuen Bestimmungen um eine „Kann“- oder „Muss-Regelung“ handelt, antwortet Egger mit „eigentlich Muss.“ Auf die weitere Nachfrage, ob eine Ablehnung der Firma Bruch zu der Planung zu der unvermeidlichen zwangsweisen Verkleinerung der von ihr vermarkteten Fläche führen wird, kommt vor dem „Ja“ erneut das einschränkende Wort „eigentlich“.

Die Feuerwehr, außerdem noch vertreten durch Jörg Raskopp, der derselben Abteilung angehört wie Kirchartz, lässt keinen Zweifel daran, dass sie ihre Forderungen umgesetzt haben will. „Das neue Sicherheitskonzept ist verbindlich und lässt uns auch gar keine andere Wahl. Nach der Katastrophe bei der „Love Parade“ in Duisburg im Jahr 2010 ist man sensibler geworden. Wir bestehen auf sechs Meter breiten Flucht- und Rettungswegen. Schließlich ist die Umsetzung ja auch im Sinne aller Anwohner und Besucher des Weihnachtsmarkts.“ Warum das Tiefbauamt, namentlich in Person von Alfred Krugmann, in letzter Instanz entscheiden will und nicht die zuständigen Fachleute von der Feuerwehr, wie die Begrenzung des Weihnachtsmarkts letztendlich aussehen soll, erschließt sich nicht. Matthias Sonnen, einer der Anlieger, stellt in der Versammlung genau diese Frage: „Warum lassen sie das nicht die Feuerwehr entscheiden? Das sind doch die Fachleute und letztendlich, die, die mit der Regelung klar kommen müssen.“ Dann wird wieder auf die Familie Bruch hingewiesen, mit der man ja schließlich in Gesprächen sei. Eine seltsame Ablauffolge. Warum der Betreiber des Weihnachtsmarkts nicht mit am Tisch sitzt, wird eben damit begründet, dass die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen seien. Wirklich schlüssig ist das nicht.

Egger hat die Rolle eines Mediators inne, was bei der Zusammensetzung der Informations-/Diskussionsrunde auch angemessen ist. Bei Krugmann entsteht der Eindruck, er vertrete die Interessen der Firma Bruch, Dirk Bettendorf vom Ordnungsamt sagt wenig, ist aber eindeutig auf Seiten der Feuerwehr. Die wiederum macht auch klar, dass es auch keine Genehmigungen mehr für Stände caritativer Organisationen im Bereich von Fluchtwegen geben wird. Raskopp: „Wir wollen den Raum nicht leer fegen. Natürlich können sich Personen dort aufhalten, aber es dürfen keine Stände aufgestellt werden.“

Dann entzündet sich die Diskussion an Werbeschildern, die vor Geschäften aufgestellt werden, um Passanten auf Sonderverkäufe oder Produkte im Allgemeinen aufmerksam zu machen. Eine endgültige Lösung findet sich an diesem Abend nicht. Die Vorschläge reichen von „ich habe das Schild doch in Nullkommanichts entfernt“ (Juwelier Frère) bis zur „Schulung der Angestellten, was beim Ertönen der Sirenen zu tun ist.“ In der Tat kann die Wegnahme dieser Schilder kein großes Problem sein, schwer sind sie nicht.

Ein weiterer Vorschlag kommt von einem Anlieger, der sogar mit seinem Rechtsbeistand erschienen ist. Rechtsanwalt Dr. Werner Linden schlägt vor, den Weihnachtsmarkt zu entzerren – mit einem mehrfach positiven Effekt. „Warum soll man die Fläche nicht in Richtung Porta Nigra und Stockplatz erweitern?“, fragt er, „es würden mehr Gewerbetreibende davon profitieren, wenn man die Fläche vergrößert. Und die Räume zwischen den Ständen großzügiger zu gestalten würde sicher nicht zu geringeren Umsätzen auf dem Markt selbst führen.“ (wir)

Zum Kommentar von Willi Rausch

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LESERMEINUNGEN

  1. Wie viel des Geldes, das die Stadt Trier weniger hat wegen der Ausrichtung des Marktes durch Familie Bruch, geht wohl an den treuen Interessenvertreter im Tiefbauamt?
    Weniger als 1 Prozent dürfte grob geschätzt wohl schon ausreichend sein…

  2. Es muß keine enthemmte Raver-Menge sein, um eine Panik aufkommen zu lassen.
    Das geht auf einem „beschaulichen“ Weihnachtsmarkt ebenso schnell.
    Trier liegt aber nicht in einem Ballungsraum mit massiven Ressourcen an Rettungsdiensten und Feuerwehren.
    Doch egal, ob es im „Fall der Fälle“ nur ein Opfer oder gleich einen Massenanfall davon gibt: Ich bekomme den Endruck, daß hier Provinzfürsten absichtlich mit dem Feuer spielen, damit ihre Stadt auch einmal in die Medien kommt.

  3. Eine Drehleiter ist mit Stützen 4,5 Meter breit. Hinzu keine Lauffläche für die Feuerwehrleute und um Schläuche auslegen zu können. Da sind 75 cm auf jeder Seite eigentlich nicht viel. Die Forderung der Feuerwehr ist also berechtigt.

    Ich frage mich, warum Herr Krugmann sich gerade hier so stark einsetzt. ist doch sein Engagement bei dem ihm zugetragenen Aufgaben der Kontrolle der Plakate, Straßenmusik und der Schneeräumpflicht auch nicht so stark ausgeprägt.
    Wieso brauchen wir auch eigentlich einen Marktveranstalter vom Rhein, der eh nur Polnisch sprechendes Personal einsetzt?
    Die Familie Bruch bekommt es doch noch nicht mal hin, Produkte aus Trier zu verkaufen. Die Wurst z.B. kommt aus dem Großmarkt und aus Morbach. Und der Kanister-Glühwein…
    Das sollten doch die Trierer Geschäftsleute und Gastronomen viel besser hinbekommen.

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