… und die Arena Trier bebt

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TRIER. Die Arena rief und (fast) alle kamen. Das galt bei der „Night of Music“ anlässlich des 10-jährigen Geburtstags der Trierer Veranstaltungshalle sowohl für die Künstler der Region als auch für die Zuschauer. Rund 4000 waren gekommen, um bei dem Benefizkonzert, das unter dem Motto „Pop meets classic“ stand, dabei zu sein.

Um es vorwegzunehmen – es war ein unvergesslicher Abend. Von einem gut aufgelegten Dieter Lintz durchs Programm geführt, liefen die Künstler zur Hochform auf. Der gesamte Abend bot ein außerordentlich hohes Niveau, von marginalen kurzzeitigen Schwächen abgesehen. Fast alle Musikrichtungen waren vertreten und demzufolge auch für alle Zuschauer, die aus jeder Altersgruppe kamen, etwas dabei.

Die erste Hälfte des Konzerts war geprägt von einigen Swingdarbietungen, Opernarien und sanfte Soul-Stücken. Einer der Höhepunkte der ersten Stunde war Steff Becker mit seiner Version des Tom-Waits-Hits „Waltzing Matilda“. Wer den Künstler noch nicht kannte, wird seine Reibeisenstimme nach diesem Abend mit Sicherheit nicht mehr vergessen. Das Kontrastprogramm dazu lieferte Thomas Kiessling mit „Nessun Dorma“ aus der Puccini-Oper Turandot. Außerdem noch mit von der Partie in diesem ersten Teil die omnipräsente Shirley Winter, die ihre gesamte musikalische Bandbreite darbot und für Gänsehaut-Feeling sorgte. Stark auch Daniel Bukowski, besonders mit „Georgia on my mind“. Für Beifallsstürme sorgte Werner Hertz mit dem Elvis-Presley-Klassiker „In the Ghetto“. Mit der Pause verabschiedete sich die Big Band „Art of Music“ unter der Leitung von Christian Botzet, eine Formation von Amateuren, die die meisten Profi-Bands in den Schatten stellen würde.

Im zweiten Teil ging es rasanter, rockiger, fetziger zu. Jetzt wurden die Interpreten vom Philharmonischen Orchester der Stadt Trier begleitet, das von Victor Puhl, dem Generalmusikdirektor des Trierer Theaters dirigiert wurde. Nach einer Ouvertüre folgte ein Block mit Filmmusik. Mit dabei Sandra Klinkhammer mit „Skyfall“ aus dem gleichnamigen James-Bond-Film un Oliver Rohles mit einem weiteren Bond-Titelsong („Live and let die“). Abgerundet wurde dieser Block mit einem Medley des Orchesters mit Filmmusik aus u. a. Starwars, Indiana Jones, Harry Potter und E.T., der Außerirdische.

Stimmung kurz vorm Siedpunkt

Und weiter ging’s in immer schnellerem Takt und härteren Rhythmen. Unterbrochen von einer Reminiszenz an Sebastian Matz, dem ursprünglichen Leiter der Arena-Night, der im Sommer verstarb. Mehrere Interpreten bildeten einen Chor und sangen zu seinem Andenken „Weitergehn“. Es folgte eine musikalische Erinnerung von Meike Anlauff und Thomas Schwab an Judith Esser, die ebenfalls in diesem Jahr verstorben ist. Ihr war der Song „In diesem Moment“ gewidmet, beiden galt die von Steff Becker interpretierte Freddy-Mercury-Hymne „The show must go on.“

Bevor die Arena richtig zum Kochen gebracht wurde, standen auch immer wieder Opernarien auf dem Programm, die die Qualität der Sänger des Trierer Theaters eindrucksvoll unter Beweis stellten. Auf der Bühne standen: Tenor Svetislav Stojanovic, Mezzo-Sopranistin Kristina Stanek, Sopranistin Joana Caspar und Bariton Amadeu Tasca. Anschließend rissen Michael Ophelders und Julia Reidenbach das Publikum mit einigen Sequenzen der „Rocky Horror Picture Show“ von den Sitzen. Weiter ging es mit „Aquarius“ aus dem Musical „Hair“ und einer Hommage des Orchesters an den Tango, bevor der „Meister“ zur Audienz bat. Guildo Horn hatte es sich nicht nehmen lassen, für zwei Gesangsnummern (Tornero in einem tollen Arrangement von Dirk Klinkhammer und Matthias Raue) und „17 Jahr blondes Haar“ seiner Heimatstadt seine Referenz zu erweisen. Und wie! Mit seiner für ihn typischen Performance sorgte er für Lachsalven. Leider fiel sein Auftritt kurz aus – Vater Horn musste babysitten.

Finale Furioso

Das mitreißende Finale kündigte sich an. Der „Opener“ kam von Julia Reidenbach mit einem ebenfalls von Klinkhammer und Raue arrangierten Hit von „Credence Clearwater Revival“: „Proud Mary“. Es ging atemlos weiter: Chity Somapala, die Rockröhre aus Sri Lanka, kam mit dem Klassiker von Led Zeppelin auf die Bühne: „Stairway to heaven“. Der letzte Solist des Abends war Joe Cocker. Pardon, er war es nicht. Wer die Augen geschlossen hatte, hätte aber wetten können, dass er es ist. Marko Schiefer, Wahl-Berliner aus Trier, sang die Hymne der Woodstock-Generation „With a little help from my friends“ mit einer solchen Inbrunst und Stimmgewalt, imitierte Cocker dazu noch in Mimik und Gestik, dass er ein perfektes Double abgab.

Der Rest war nur noch Feiern und Danken. Gefeiert wurde mit einer Session auf der Bühne und den John-Lennon-Hits „Imagine“ und „Hey Jude“. Gedankt wurde allen Künstlern, die für den guten Zweck, das Projekt „Meine Hilfe zählt“ ohne Gage aufgetreten waren, dem Publikum, das inkl. der Ehrengäste Eintritt gezahlt hatte und vielen Besuchern, die für mehr als 10 000 Euro Tombola-Lose gekauft hatten.

So gab es an diesem Abend nur Gewinner. Die Künstler, die zu Recht gefeiert wurden, das Publikum das bestens unterhalten worden war, die Organisatoren und Macher, die für einen perfekten Ablauf gesorgt hatten und nicht zuletzt das Projekt „Meine Hilfe zählt“, dem eine stattliche Summe zufließen wird. Laura Dolfen

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