War der Eifelpark der Auslöser der Nürburgring-Turbulenzen?

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NÜRBURG. Der Nürburgring, die wohl berühmteste Rennstrecke der Welt, wurde 1927 eröffnet. Die Nordschleife, in Motorsportkreisen nur „Grüne Hölle“ genannt, war nach dem schweren Unfall von Niki Lauda (1976) als Formel-1-Strecke aus Sicherheitsgründen nicht mehr haltbar. Zug um Zug wurde aus der Rennstrecke 2009 eingeweihtes riesiges Freizeitzentrum, für das 480 Millionen Beihilfen geflossen sind. 2012 beantragte die Nürburgring GmbH Insolvenz, weil 330 Millionen Kredite nicht mehr bedient werden konnten. Noch immer hat sich kein Investor oder gar ein Konsortium gefunden.

 

Die „Seifenblase Nürburgring“ implodierte nicht, sie explodierte. Der Geschäftsführer des Eifelparks Gondorf, Bernd Capellen, fühlte sich ungerecht behandelt. Bei staatlichen Beihilfen und insbesondere bei den Konditionen für Kredite fühlte er sich benachteiligt und beschwerte sich in Brüssel – mit Erfolg. Seine Eingaben führten wahrscheinlich zur genaueren Prüfung der EU und damit zum Aufdecken des Subventionsskandals um die Nürburgring GmbH. Der Eifelpark Gondorf befindet sich seit 2012 ebenfalls im Insolvenzverfahren.

Ungeachtet der Gefahr, als der Mann in die Geschichte einzugehen, der die Eifel möglicherweise der Formel 1 beraubt hat, löste er die Lawine aus. In der Tat wurden Vorgaben und Bestimmungen nicht eingehalten, zu großzügig ausgelegt oder schlicht umgangen. Steuergelder sind verschwendet worden. Doch dem normalen Formel-1-Fan ist der komplexe Hintergrund egal. „Es werden so viele Steuergelder für Quatsch verbraten, da kommt es auf den Nürburgring auch nicht mehr an. Ich will dort meine Formel 1 sehen“, sagt Michael M. aus Prüm.

Die Insolvenz des Nürburgrings ist ein unangenehmes Thema – meine Recherchen gleichen der Gartenarbeit im Spätsommer. Unter jedem Stein, den man umdreht, kriechen ein paar Asseln hervor, verstecken sich unter dem nächsten, wo sich das Spiel wiederholt. Fakt ist: Das Insolvenzverfahren ist nun im Gange, das Gesamtvolumen ist nicht genau definiert, kolportiert werden Summen in der Größenordnung von bis zu 150 Millionen Euro. 2013 sollte das Insolvenzverfahren eigentlich abgeschlossen werden, um der zu erwartenden Rückforderung der EU-Beihilfen zu entgehen. Was der Steuerzahler letztendlich berappen muss, weiß derzeit noch niemand genau zu sagen.

Wer verdient an einer Insolvenz?

Das Geschäft mit der Pleite ist seit den 60er Jahren ein boomendes Geschäft, wie die folgende Grafik zeigt:

Die Gebühr für den Insolvenzverwalter richtet sich nach klaren gesetzlich festgelegten Bedingungen. Neben „angemessenen Sonderkosten“ für Gutachten, Versteigerungsgebühren, Auslagen etc. ist der Löwenanteil dessen, was der Insolvenzverwalter verdient, in der „Insolvenzrechtlichen Vergütungsverordnung“ (InsVV) in § 2 geregelt.

Die Vergütung staffelt sich in verschiedenen Prozentanteilen die sich summieren. Bei einer Insolvenzmasse von 150 Mio. Euro verdient demnach der gerichtlich bestellte Verwalter folgende Sätze (Beispielrechnung):

Die „Insolvenzrechtliche Vergütungsverordnung“

§ 2 Regelsätze

Der Insolvenzverwalter erhält in der Regel

Summe bis  25.000 € Insolvenzmasse: 40 % Vergütung (10.000 €)

Summe bis  50.000 € Insolvenzmasse: 25 % Vergütung (6.250 €)

Summe bis  250.000 € Insolvenzmasse: 7 % Vergütung (14.000 €)

Summe bis  500.000 € Insolvenzmasse: 3 % Vergütung (7.500 €)

Summe bis  25.000.000 € Insolvenzmasse: 2 % Vergütung (490.000 €)

Summe bis 50.000.000 € Insolvenzmasse: 1 % Vergütung (250.000 €)

Summe bis 150.000.000 € Insolvenzmasse 0,5 % Vergütung (500.000 €)  

Gesamtvergütung: 1.277.750 €

Diese Kosten entstehen nach Aussage des Pressesprechers Nuvoloni aber nicht, weil es sich bei dem hier anliegenden Insolvenzverfahren um eines in Eigenverwaltung handele, was bedeute, dass die Gebühren für einen Insolvenzverwalter entfallen. Der Kritik, in diesem Verfahren „den Bock zum Gärtner“ zu machen, steht die Kostenersparnis gegenüber, was wahrscheinlich auch das zuständige Gericht zur Zustimmung in diesem Fall bewegt haben dürfte. Doch so signifikant dürften nach Einschätzung von Experten die Einsparungen dann auch wieder nicht sein, denn auch die Gebühr für den Sachwalter ist in der gleichen Gebührenordnung geregelt. Nun ist diese Gebühr auf den ersten Blick ein „fettes Sümmchen“, bedenken muss man allerdings, dass auch der Sachwalter große Verantwortung zu tragen hat und über seine eigene Arbeit hinaus auch meist ein Team von Fachleuten und Juristen hinter sich stehen hat. Was der Sachwalter nun genau verdient, dazu hat sich Nuvoloni nicht äußern wollen (siehe nachfolgendes Interview).

Auf Nachfrage von lokalo stellt der Insolvenzexperte der Creditreform Trier, Guido Joswig, in dem vorliegenden Verfahren indes in Frage, ob die zur Vergütungsberechnung relevante Basissumme tatsächlich in dieser Größenordnung anzusiedeln ist: „In Paragraf 1 der Insolvenzverwaltervergütungsverordnung (InsVV), die auch Basis der Berechnung der Vergütung des so genannten Sachwalters ist, ist die Berechnungsgrundlage dargelegt. Dort sind u.a. Abzüge geregelt, insbesondere für so genannte Aus-/Absonderungsrechte oder Gegenforderungen, die die zur Vergütungsberechnung relevante Teilungsmasse vermindern.“ Danach dürfte sich nach Einschätzung des Creditreform-Experten der Betrag wohl nicht unwesentlich reduzieren.

Scheichs melden kein Interesse an

Als der Nürburgring zum Verkauf angeboten wurde, befürchteten viele Motorsportfans, ein millionenschwerer Investor könne die Rennstrecke kaufen und privat nutzen, ohne die Öffentlichkeit teilhaben zu lassen. Das hat sich nicht bestätigt. Genauso wenig wie die Vermutung Formel-1-Chef Bernie Ecclestone könne Interesse haben. Werner S. Bitburg (Formel-1-Fan und privater Tourenwagen-Rennstall Betreiber) „Absoluter Quatsch. Die Formel 1 verdient an den Rennen, den Werbeverträgen, dem Merchandising und den Übertragungsrechten. Eintrittsgelder sind da das kleinste Stück vom Kuchen. Das wäre das gleiche als würde zum Beispiel ‚Paramount Pictures‘ ein Kino kaufen um dort seine Filme zu zeigen.“

Als Favorit unter den möglichen Käufern wird der ADAC gehandelt. Der Automobilclub hat die entsprechende Branchennähe, das nötige Geld und das nötige Image. Die spannende Frage lautet: Für welche Summe nun schlussendlich die legendäre Rennstrecke über den Tresen geht bleibt abzuwarten. Wegen der Formel 1 ist übrigens keine Eile geboten. Die fährt 2014 ohnehin turnusgemäß auf dem Hockenheimring. Harry Froehlich

3 KOMMENTARE

  1. Welchen Sinn hat es denn, die verschiedenen Regelsätze der Vergütung aufzuaddieren? So entsteht der Eindruck, dass der Insolvenzverwalter noch mehr verdient als in Wirklichkeit

  2. @ Ich: Der Sinn der Auflistung der Regelsätze liegt darin, dass die aufgeführten Beträge tatsächlich addiert werden. Sollte es sich also, wie hier angenommen, um eine Gesamtsumme von 150 Millionen Euro handeln, die als Insolvenzmasse festgesetzt wird, dann stehen dem Insolvenzverwalter nach der Gebührenordnung 1.277.750 ¤ zu.
    Willi Rausch, lokalo-Chefredakteur

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