Sascha Beitzel – konsequent und kompetent

    0

    TRIER. Basketball war schon immer „sein Ding“, schließlich spielte der gebürtige Traben-Trarbacher selbst jahrelang für den TV Kröv und den SFG Bernkastel-Kues. Dass Sascha Beitzel aber einige Jahre nach seiner aktiven Zeit eine Führungsposition beim Bundesligisten TBB Trier einnehmen würde, stand nicht in seinem Lebensplan.

    „Bis 2006 war ich nur Zuschauer“, erzählt er, manchmal mit seiner Lebensgefährtin Birgit, die Basketball übrigens damals „zum Gähnen“ fand. Das hat sich geändert, „gründlich“, wie Sascha Beitzel sagt. Die ganze Familie interessiert sich längst für den rasanten Sport mit dem orangenen Ball. Auch die Kinder Florian (16) und Kim (13). Nur Sammy nicht, der Hund der Patchwork-Family, der der Rasse „Dönerhund“ angehört, „weil von allem was drin ist.“

    Anzeige

    Sparkasse Trier

    Der Begriff „Funktionär“ ist, ob zurecht oder nicht, mit einem negativen Image belegt. Deshalb würde man Sascha Beitzel mit dieser Bezeichnung auch nicht gerecht. Nennen wir ihn einfach Chef. Und das ist er, wenn man sich im Kreis der TBB umhört, im besten Sinn des Wortes.

    Schiedsrichter sind dann gut, wenn nicht auffällt, dass sie da sind – sagt man. Nun, ganz so dezent soll und kann der Vorstand eines Bundesligisten nicht sein, aber ein Lautsprecher ist Beitzel sicher nicht, das ist nicht sein Führungsstil. Eher zählt er schon zu den Leisen unter den Clubchefs im Lande. Dass dies kein Nachteil ist, hat der Unternehmer in den letzten Jahren bewiesen. Ein geeigneterer Vertreter für die Philosophie des Vereins, auf Kontinuität zu setzen, hätte sich kaum finden lassen. Was er bei der TBB praktiziert, ist auch die Denk- und Handlungsweise des 41-Jährigen in seiner Firma.

    Seit 1998 gibt es das IT-Haus in Föhren, „ein Systemhaus, ein IT-Lösungsanbieter“, wie Beitzel sagt, ein Unternehmen das nicht nur vor Ort direkt für den Kunden da ist, sondern deutschlandweit auch im Versandgeschäft tätig ist. Vier junge Männer haben die Firma seinerzeit gegründet, „vier von uns sind noch immer da und als Geschäftsführer tätig.“ Wie effektiv diese Kontinuität ist, zeigt die Entwicklung. Aus dem Gründer-Quartett ist inzwischen ein veritables, mehrfach mit Preisen ausgezeichnetes Unternehmen geworden, das 230 Mitarbeiter beschäftigt und allein in diesem Jahr 23 Azubis eingestellt hat. Eine stolze Bilanz.

    Auf einem guten Weg ist Beitzel als administrativer Chef der TBB, auch mit den Basketballern. Die administrative Laufbahn begann in der Saison 2008/09 mit einem Strategie-Workshop, den der Mann mit den zum Zopf gebundenen Haaren als „Geburtsstunde der heutigen TBB“ bezeichnet. Damals wurden die Pflöcke eingeschlagen, die die heutige sportliche Philosophie widerspiegeln und sich demzufolge auch auf die Finanzen auswirken. „Es war klar, dass wir einen eigenen Weg gehen müssen, wenn wir in dieser Liga, die in den letzten Jahren immer weiter aufgerüstet hat, unseren Platz behalten wollen“, sagt Beitzel. Es ist der Weg, der inzwischen in der gesamten Basketball-Landschaft Deutschlands mit hohem Respekt als „Trierer Weg“ bezeichnet wird.

    „Der Schlüssel war und ist die Personalie Henrik Rödl“, so Beitzel, der nicht vergessen hat, wie die Entwicklung von der Idee bis zur Verwirklichung ablief und wie lange es gedauert hat. „Fest steht, ohne James Marsh hätten wir das sicher nicht hinbekommen.“ Nach der ersten Kontaktaufnahme seien viele Details zu klären gewesen, es habe viele Gespräche und Besuche gegeben. „Es war gut, dass wir hartnäckig waren und es uns gelungen ist, Henrik zu überzeugen.“ Das war vor der Saison 2010/11. Vielleicht würde es die TBB gar nicht mehr geben, hätte man damals die Umwandlung zur AG nicht vollzogen und gleichzeitig Rödl verpflichtet. Denn der 150-fache Nationalspieler ist nicht nur längst zur Galionsfigur des Basketballs nicht nur in Trier sondern der ganzen Region geworden. „Ohne ihn, seine Identifikation mit unserem Konzept, seine akribische Arbeit, sein Netzwerk hätten wir es nicht geschafft, in den letzten Jahren konkurrenzfähige Mannschaften aufs Feld zu schicken.“

    Alles bestens also? „Keineswegs“, sagt Beitzel. Die BBL mit ihrem Geschäftsführer Jan Pommer hat ehrgeizige Ziele. „Wir wollen bis zum Jahr 2020 die Nummer Eins in Europa werden“, hat Pommer verkündet. Was das für einen Club wie die TBB bedeutet, weiß Beitzel ganz genau. „Jeder Verein muss in allen Bereichen 10 Prozent mehr geben. Wir, die wir ohnehin nicht zur ‚Upper Class‘ gehören, 20 Prozent. Mit anderen Worten: Wir müssen uns gegenüber dem Rest um das Doppelte steigern.“ Damit es auch für jeden unmissverständlich wird, drückt sich der „Mann der leisen Töne“ kräftiger aus, als üblich: „Wir werden unser gutes Netzwerk weiter ausbauen müssen, viele helfende Hände benötigen und jeder muss sich den Arsch aufreißen.“ Weil die lange Trierer Bundesligageschichte – seit 1990 ist die TBB ununterbrochen in der Beletage des deutschen Basketballs – sonst ganz schnell zu Ende sein kann.

    Unter Beitzels administrativer und Rödls sportlicher Führung hangelt man sich nicht mehr von Saison zu Saison, es wird perspektivischer gedacht und gehandelt. Die Jugendarbeit ist ausgebaut und der Trainerstab erweitert worden, um das Fundament zu verbreitern und stabilisieren, „auf das ein Verein wie wir, der keine Großindustrie im Rücken hat, bauen muss.“ Mit dem Regionalligisten DJK/MJC Trier wurde eine SG mit der Amateurabteilung der TBB gebildet. Mittelfristiges Ziel ist es, ein PRO-B-Team in Trier zu etablieren um noch mehr Talente zu binden und sie besser fördern zu können. „Für nur 7 Euro im Monat kann man Mitglied beim Treveri Basketball e.V. werden und damit die Zukunft des Basketballs in Trier mitgestalten“, wirbt Beitzel auch gleich um Unterstützung im kleinen Rahmen. Im  TBB e.V. dagegen sind alle Amateur- und Jugendteams unter einem Dach. „Administrativ sind wir gut aufgestellt“, sagt der TBB-Chef, „als Vereinsmitglied im Treveri Baskletball e.V. kann man seine Ideen aktiv einbringen. Wir freuen uns darauf.“

    Unabhängig von den bisherigen Resultaten in der Vorbereitung, die nicht aussagekräftig sind, da mit Jermaine Anderson, Andreas Seiferth und Vitalis Chikoko drei gesetzte Spieler fehlten, ist Beitzel, wie auch viele objektive Beobachter der Überzeugung, dass Rödl und sein erster Assistent Thomas Päch in Absprache mit der Clubführung ein gutes Team zusammengestellt haben. „Wir werden immer damit leben müssen, dass wir einen oder zwei Spieler vielleicht nur für ein Jahr halten können, bestenfalls zwei, wie bei Nate Linhart. Aber gerade Nate ist ein tolles Beispiel, für die Fähigkeiten unserer Trainer und die Möglichkeiten, die sich durch die weltweiten Kontakte ergeben. Nate daddelte in Österreich rum, den hatte keiner auf dem Schirm – außer uns.“ Ähnlich könnte die Situation in der kommenden Saison mit Trevon Hughes werden. „Wir werden Spieler, die zur absoluten Spitze der Liga gehören, nie langfristig an uns binden können“, sagt Beitzel, „aber wir haben uns inzwischen einen Namen als Ausbildungsverein gemacht. Das ist mehr wert, als mancher glauben mag. Weil dieser Ruf, den wir uns erarbeitet haben, uns erst ermöglicht, Spieler dieser Qualität überhaupt verpflichten zu können.“

    Die Vorfreude auf die neue Saison, die am 3. Oktober mit dem Heimspiel gegen RASTA Vechta beginnt, ist auch bei Beitzel groß. Viele nennen, nach dem IT-Fachmann befragt, als herausragende Charakter-Eigenschaft seine Sozialkompetenz. Und dazu passt, dass er vor dieser Saison besonders an die Spieler des Kaders denkt, die sich noch keine großen Meriten erworben haben: „Ich drücke besonders Stefan Schmidt, Andreas Wenzl und Luka Buntic die Daumen. Ich wünsche mir, dass sie die Entwicklung nehmen, die uns alle am Ende sagen lässt: „Das Projekt war ein Erfolg.“

    Eine Prognose für die Saison zu stellen, ist immer schwierig. Auch wenn die TBB sicher ein stärkeres Team hat, als im Vorjahr, so hilft das allein wenig, denn das trifft wohl auf die gesamte Liga zu – was die Pommersche These unterstützt. „Wenn alles super läuft, wir keine Verletzungsprobleme haben, dann können wir uns im Dunstkreis der Play-off-Plätze bewegen“, sagt Beitzel, „aber dann muss schon alles passen.“ Da er nicht nur Macher, sondern auch Fan ist, träumt auch er davon, mal wieder eine „Best-of-Serie“ zu spielen. „Wir bleiben aber auf dem Boden. Auch wenn wir im vergangenen Jahr die Top 8 verfehlt haben, haben wir doch eine Leistung geboten, mit der wir uns viel Respekt in der Liga und Anerkennung bei unseren Fans verschafft haben.“ (wir)

    Jetzt lokalo liken und alle aktuellen News rund um Trier und die Region, inklusive Luxemburg, sofort sehen und KOSTENLOS lesen

    HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

    Please enter your comment!
    Please enter your name here

    Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.