Staatsanwaltschaft scheitert in der Revisionsverhandlung

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TRIER. Am heutigen Montag fand die Revisionsverhandlung im Fall H. statt, der Anfang 2013 wegen begangener schwerer räuberischer Erpressung, in einer Filiale der Deutsche Bank, zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt wurde. Die Staatsanwaltschaft hatte Revision eingelegt, weil die von ihr geforderte Sicherungsverwahrung durch die große Strafkammer des Landgerichts Trier abgelehnt worden war. Dass die Vertreter der Anklage damit ein Eigentor schießen würden, hätte wohl niemand gedacht.

Bereits vor dem Banküberfall hatte H. ein prall gefülltes Strafregister vorzuweisen. Insgesamt enthielt es satte neunzehn Eintragungen, unter anderem wegen Diebstahls, Förderung der Prostitution und Körperverletzung. Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Trierer geriet schon im Alter von 16 Jahren auf die schiefe Bahn. „Alles begann mit dem Alkohol“, so der 56-Jährige. Zunächst beging er kleinere Diebstähle. In den 70er Jahren etablierte er sich in der Rotlicht-Szene und arbeitete fortan als Türsteher in Bordellen. Durch immer größer werdende Alkoholprobleme wurde er mehrfach straffällig, um seine Sucht finanzieren zu können. In den Gerichten war er Dauergast.

Ende 2011 endete seine bisher letzte Haftzeit. Auch diese Strafe hatte er wegen Diebstahls mit der Einweisung ins Gefängnis büßen müssen. Er hatte das Casino „Spieloase“ überfallen und im Broadway-Filmtheater 100 Euro erbeutet. Die Bedienung des Casinos konnte den mental nicht verkraften und litt noch längere Zeit an spontan auftretenden Panikattacken, sowie Problemen, ohne Licht einzuschlafen.

Bereits im Gefängnis schmiedete H. Pläne, was anstellen würde, wenn seine Haftzeit vorbei sei. Er plante, den illegalen Pfad zu verlassen und einer ehrbaren Arbeit nachzugehen. „Die einzige Möglichkeit, so dachte ich mir, wäre eine Selbstständigkeit. Mit meinem Strafregister will mich doch keiner“, schlussfolgerte der Angeklagte. Er wollte sich einen LKW kaufen und als Schrotthändler arbeiten. Diese Idee teilte er dann auch gleich seinem Sachbearbeiter bei der Agentur für Arbeit mit. Dort stieß die Idee nicht auf Gegenliebe. Vielmehr er aufgefordert, zunächst einmal seine Arbeitsfähigkeit nachzuweisen. Dazu sollte er drei bis vier Monate als Spülhelfer arbeiten, was er ablehnte. Die Idee der Selbstständigkeit wurde begraben und H. verfiel schnell in alte Muster. Der Alkohol gewann erneut die Oberhand und die nächste Straftat, mit der er seine offenen Rechnungen in zig Trierer Kneipen begleichen und neuen „Stoff“ kaufen wollte, war so nur noch eine Frage der Zeit.

Der Drang nach Alkohol kontrollierte ihn kurze Zeit später vollkommen. Sein ganzer Tag war darauf ausgerichtet, möglichst viel Bier und Whiskey zu konsumieren. „An manchen Tagen trank ich 60 bis 80 Stubbis pro Tag“, erklärte H. Auch am Vorabend des Banküberfalls, sowie am Tattag selbst hatte er Alkohol getrunken. Die Tat, die nicht geplant, sondern eher spontan durchgeführt wurde, ereignete sich wie folgt: H. kaufte sich Sonnenbrille und Mütze und betrat die Bankfiliale in der Hosenstraße. Er sah sofort einen freien Schalter und begab sich dorthin. Er forderte den Bankkaufmann auf, ihm 10.000 € zu überreichen und verlieh seiner Forderung durch das Zeigen der Schreckschusspistole Nachdruck. Als er das Geld erhielt, steckte er es sich in Hosen- und Jackentaschen und verließ zügig die Bank. Draußen angekommen lief er in die Trier-Galerie, um sich dort seiner Klamotten zu entledigen. Er kaufte in einem Sportgeschäft eine neue Hose und ein Oberteil und zog sich direkt um. Einige Tagen später wurde er von der Polizei festgenommen.

Am 10.April 2013 wurde das Urteil gefällt. Die große Strafkammer des Landgerichts Trier mit der Vorsitzenden Richterin Petra Schmitz verurteilte H. zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren. Die Staatsanwaltschaft forderte zudem Sicherungsverwahrung – ein Antrag, dem das Gericht jedoch nicht gefolgt war. Aus diesem Grund hatten die Vertreter der Anklage Berufung eingelegt. Über diesen Antrag wurde heute vor der großen Strafkammer mit dem Vorsitzenden Richter Armin Hardt verhandelt. Die Ernüchterung der Staatsanwaltschaft dürfte groß sein, da ihrem Antrag weiterhin nicht entsprochen wurde und zusätzlich die Haftstrafe um ein Jahr auf sieben Jahre verkürzt wurde. Ausschlaggebender Grund dafür war das forensisch-psychiatrische Gutachten von Frau Dr. Anette Korte. Aus diesem ging hervor, dass H. an einer Alkoholabhängigkeit leidet, die bereits zu Funktionsschäden, wie einer Fettleber, geführt hat. Zusätzlich diagnostizierte die Ärztin eine gemischte Persönlichkeitsstörung mit einer starken dissozialen und narzisstischen Färbung. Sie kam zu dem Schluss, dass durch die Suchtproblematik weitere Straftaten zu erwarten sind und demnach eine Therapie anzuordnen ist. Dieser Empfehlung kam das Gericht nach und Hardt sprach das folgende Urteil: „Der Angeklagte wird wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt und in eine Entziehungsanstalt verlegt.“ (tw)

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