Deutliches Zeichen gegen Rechts

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TRIER. Ungefähr 300 Meter in vier Stunden: Mit ihrer Marscheffizienz konnten die NPD-Demonstranten um Safet Babic am Samstag nicht zufrieden sein. Aufgehalten wurden die ungefähr 30 Rechtsextremisten von rund 150 Teilnehmern des Bündnisses „Buntes Trier“, das es sich mit der Aktion „Trier stellt sich quer“ zum Ziel gemacht hatte, den NPD-Marsch vom Hauptbahnhof zum Simeonstiftplatz zu unterbinden.

Bereits um 14 Uhr, eine Stunde vor dem geplanten Eintreffen der NPD-Aktivisten, startete die Aktion „Trier stellt sich quer“. Thomas Zuche, Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft Frieden Trier und des Arbeitskreises „Trier im Nationalsozialismus“, betonte in seiner Rede, dass es auch noch heute nationalsozialistisches Gedankengut in den Köpfen Vieler gebe und dass sich selbst Schüler, die für das Stolperstein-Projekt sammeln, fremdenfeindlichen Äußerungen ausgesetzt sehen. „Die NPD tut so, als ob sie den Volkswillen forciert, sie ist blond und blauäugig bis in ihre Gesinnung und wird dabei angeführt von ihrem Vorzeigearier Safet Babic“, spottete Zuche über die Partei und ihren rheinland-pfälzischen Vize-Vorsitzenden. Dem Tenor der drei Redebeiträge stimmten auch die Besucher der Kundgebung zu: „Es ist peinlich für Deutschland, dass es eine Partei wie die NPD immer noch gibt“, so Matthias aus Trier.

Um kurz nach 15 Uhr zeigten sich erste NPD-Demonstranten in dem für sie auf dem Bahnhofsplatz abgesperrten Areal, zogen sich allerdings relativ bald in die Kneipe „Münchhausen“ zurück. Spott über die „deutsche Pünktlichkeit“ wurde von allen Seiten laut. Während sich die NPD-Aktivisten offenbar einen Umtrunk genehmigten, organisierten Gegendemonstranten eine Sitzblockade der Theodor-Heuß-Allee, die später noch näher an den Bahnhof heranrücken sollte.

Gegen 15.45 Uhr, also mit 45 Minuten Verspätung, gaben die teilweise aus dem Saarland, der Eifel und der Pfalz angereisten 30 NPD-Demonstranten erste Lebenszeichen von sich. Sie pöbelten Reporter an, die sich einen Überblick der Lage verschaffen wollten, an („Wat bist du da am Zählen, hä?!“) und schossen zur Einschüchterung Fotos von ihnen. Ein Redner zählte provokativ diverse verfassungswidrige Symbole und andere Verbote auf. Die bekam allerdings kaum einer der Anwesenden mit, da nicht nur die Soundanlage auf dem Fahrzeug der NPD – sinnigerweise übrigens ein Modell einer südkoreanischen Marke – ausfiel sondern auch zahlreiche Gegendemonstranten die Ansprache mit Pfiffen und Sprechchören übertönten. Einzig die NPD-Demonstranten, die sich auf Bannern beispielsweise gegen den Euro und für den Volkswillen aussprachen und von denen einige die verfassungswidrigen Symbole, die sie entweder auf der Kleidung oder als Tattoos auf der Haut trugen, mit Tape überklebt hatten, konnten den Inhalt der Rede verfolgen.

Bereits beim Verlassen des Bahnhofsplatzes gab es erste kleinere Rangeleien zwischen NPD-Aktivisten (unter anderem Mitglieder der Gruppierungen „Sturmdivision Saar“, „Kameradschaft Pfalzsturm“), Gegendemonstranten und der Polizei, die die gesamte Veranstaltung sehr gut im Griff hatte. Kaum waren sie jedoch richtig in Bewegung, musste die sich als solche bezeichnenden „Kameraden“ um ihren schwergewichtigen Wortführer Babic auch schon wieder stoppen. Noch vor dem Balduinsbrunnen hatten sich Teilnehmer von „Trier stellt sich quer“ postiert und boten den Neonazis, die im Laufe der Demonstration alle drei Strophen des Deutschlandliedes sangen und teilweise in verdächtiger Manier den rechten Arm hoben, Paroli. Auch wenn die erste Blockade noch passiert werden konnte, an der „Bushaltestelle Balduinsbrunnen“ war für die Rechtsradikalen endgültig Schluss: Eine erneute Sperrung der Straße durch Gegendemonstranten machte ein Weiterkommen unmöglich. Spätestens an dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt wurde das Motto der Gegendemonstranten „Trier stellt sich quer“ im wahrsten Sinn des Wortes Wirklichkeit.

Stundenlang bedachten sich nun beide Lager mit Schmähgesängen und teilweise wüsten Beleidigungen, besonders der bosnisch-stämmige Babic musste sich Häme und Spott ob seiner Mitgliedschaft in einer Partei, die ihn teilweise sogar selbst diskriminiert hat, gefallen lassen. Als er gegen 18.15 Uhr zum Mikrofon griff und erneut niedergepfiffen wurde, sprach er davon, es werde eine „endgültige Lösung für die Linken und Grünen geben“. Da wurden bei den Gegendemonstranten böse Erinnerungen an einen Mann wach, der in einem anderen Zusammenhang von einer „Endlösung“ gesprochen hatte. Die Behauptung, etablierte Parteien hätten Angst vor der „nationalen Wahrheit“ bekamen nur wenige der Demonstranten und Schaulustigen mit, da sowohl die bereits erwähnte Soundanlage als auch die Sprechchöre der Gegendemonstranten und die Atemlosigkeit des NPD-Wortführers den Großteil der Rede auch akustisch unverständlich machten.

Gegen 20 Uhr endete die Demonstrationsgenehmigung der NPD, die zuvor den Vorschlag der Polizei, eine Alternativroute zu nutzen, abgelehnt hatte. Die Rechtsextremisten mussten sich unverrichteter Dinge auf den nicht allzu weiten Rückweg zum Hauptbahnhof machen. Dort rief Safet Babic eine Spontankundgebung aus, die jedoch nicht stattfand. Aufsehen erregte NPD-Bundestagskandidat Markus Mang, der nach Ende der Demonstration festgenommen wurde und Beamte unter anderem als „Schweine“ bezeichnete. Es war nicht die erste Festnahme: Bereits Stunden zuvor wurden mehrere rechtsradikale Skinheads nach einem tätlichen Angriff, bei dem wohl ein Polizist verletzt wurde, in Gewahrsam genommen.

Abschließend kann die Aktion „Trier stellt sich quer“ aus Sicht der Organisatoren als voller Erfolg angesehen werden. Einwohner der Stadt Trier haben am Samstag bewiesen, dass sie nicht bereit sind, Rechtsradikalen Platz in ihrer Stadt zuzugestehen. Katrin Werner von der Partei DIE LINKE äußerte gegenüber lokalo: „Man kann nicht so tun, als ob es keine rechten Strömungen in unserem Land gibt. Ich werte die Aktion als Erfolg. Ich fände es aber wichtig, dass sich in Trier mehr Leute an solchen Aktionen beteiligen.“ (jow)

1 KOMMENTAR

  1. beide blockaden auf der demoroute der npd wurden nicht(!) von den etablierten parteien, buntem trier oder „trier stellt sich quer“ initiiert.

    junge antifaschist*innen haben in selbstorganisation und festem entschlusz diese blockaden organisiert und standen in erster reihe.

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