Testfahrten zum Diebstahl genutzt

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TRIER. Wegen der Beteiligung an mehreren Autodiebstählen hatten sich am heutigen Mittwoch drei junge Männer im Alter zwischen 20 bis 25 Jahren vor dem Amtsgericht Trier zu verantworten. Richterin Lisa Winterholler verurteilte zwei der drei Angeklagten zu Bewährungsstrafen, einzig der jüngste der drei Täter kam mit einer Geldbuße und Verwarnung davon, da er nach Ansicht des Gerichts nur Beihilfe geleistet hatte.

Bereits im Februar 2012 hatten Kevin G. und Alexander R. einen auf einer luxemburgischen Internetseite angebotenen Seat Leon im Wert von 16 000 Euro bei einer Probefahrt in Strassen (Luxemburg) gestohlen und diesen in der Folgezeit abwechselnd genutzt und im April 2012 ohne zu bezahlen betankt.  Ebenfalls im April 2012 stahlen die Angeklagten mit der Unterstützung des damals 18-jährigen Julian W. einen Audi TT im Wert von 20 000 Euro. Auch in diesem Fall fand der Diebstahl während einer Probefahrt statt, bei der die Angeklagten G. und R. vor dem in seinem Zweitwagen folgenden Besitzer des Audi flüchteten und sich von W. mit dem bereits zwei Monate zuvor gestohlenen Seat abholen ließen.

Julian W. beteuerte bei den Schilderungen der zweiten Tat, bis zu einem Anruf von R., der ihn aufforderte, ihn und G. schnellstmöglich abzuholen, nichts von einem geplanten Diebstahl gewusst zu haben. Er habe sich lediglich über die Gelegenheit gefreut, als Führerscheinneuling Fahrpraxis  sammeln zu können und G., der ihm zuvor Geld geliehen hatte, einen Gefallen tun zu wollen.

Uneinig über die Planung der Diebstähle und getroffene oder nicht getroffene Absprachen zeigten sich vor allem Kevin G. und Alexander R., der abstritt finanziell am Erlös der Autos, die G. zu verkaufen plante, beteiligt worden zu sein. Die sarkastische Frage von Staatsanwalt Benjamin Gehlen, er habe also aus reiner Barmherzigkeit gehandelt, bejahte Alexander R., der momentan bei einer Autowerkstatt in Luxemburg angestellt ist.

Den Seat Leon stahl Kevin G. übrigens nicht nur ein Mal: Im Mai 2012 entwendete er den inzwischen sichergestellten PKW mit Hilfe eines Schlüssels, den er sich von einem Bekannten, der sich in einem anderen Verfahren vor Gericht verantworten muss, besorgt hatte. Vor dem Verlassen des Tatorts schlug G. ein Fenster der Garage ein, um sein Eindringen nach einem Einbruch aussehen zu lassen.

Nach etwas mehr als einer Stunde verkündete Richterin Lisa Winterholler das Urteil. Der bereits mehrfach vorbestrafte Kevin G. wurde wegen „besonders schweren Diebstahls und Betruges“ zu zwei Jahren Haft auf Bewährung mit vier Jahren Bewährungszeit sowie einer Zahlung von 1200 Euro an die gemeinnützige Einrichtung „Bürgerservice“ verurteilt. Richterin Winterholler betonte jedoch, die Bewährung hinge „am seidenen Faden.“ G., der momentan in der Vermögensberatung tätig ist und mit seiner ebenfalls im Gerichtssaal anwesenden Frau eine sechs Monate alte Tochter hat, sei „der Schlimmste von allen Dreien.“ Dem ebenfalls vorbestraften Alexander R. wurde eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten mit zwei Jahren Bewährungszeit auferlegt. Auch er muss eine Geldstrafe von 1200 Euro entrichten, allerdings an den Verein „Starthilfe e.V.“

Am glimpflichsten fiel die Strafe für Julian W. aus: Er wurde zu einer Geldstrafe von 300 Euro, zu zahlen an die Trierer Tafel, verurteilt. W., der voraussichtlich im Januar seine Ausbildung zum Metallbauer abschließen kann, wurde von Angelika Prinz von der Jugendgerichtshilfe Trier-Saarburg eine jugendliche Gutgläubigkeit attestiert. Sie betonte, dass W. wohl nicht ins kriminelle Milieu abrutschen wird. „Alleine die Tatsache, dass er von der Polizei aus der Berufsschule abgeholt wurde, hat ihn nachhaltig beeindruckt“, erklärte Prinz. Da alle Angeklagten die Urteile akzeptierten, sind sie rechtskräftig. (jow)

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