Homophobie-Demo endet spektakulär

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TRIER. Es sollte eine friedliche Demonstration gegen Homophobie in Russland und überall werden. Das Aktionsbündnis gegen Homophobie und die Evolutionären Humanisten hatten zu einer Demonstration zum Internationalen Tag gegen Homophobie eingeladen. Gekommen waren auch viele Parteivertreter. Das Ende der Demo stellte für die Polizei jedoch keinen Spaß mehr dar.

Rund 200 bis 300 Unterstützer aus allen Parteien und Organisationen waren dem Aufruf des Bündnisses gefolgt und nahmen an einem Demonstrationsmarsch vom Viehmarkt zur Porta Nigra teil. Mit Plakaten und Bannern machten sie auf die Missstände vor allem in Russland aufmerksam, wo im Juni 2013 das Gesetz gegen „Homosexuellen-Propaganda“ in Kraft getreten.

Unter den Demonstranten auch Mitglieder diverser Parteien. An dem Marsch beteilgten sich auch die Bundestagskandidatinnen Corinna Rüffer (Grüne), Katarina Barley (SPD) und Katrin Werner (Linke). Sogar Bürgermeisterin Angelika Birk war gekommen. Zunächst sah jedoch alles nach einer harmonischen Veranstaltung aus. Menschen unterschiedlichster Partei-Couleur und mit unterschiedlichen Hintergründen reihten sich Seit an Seit in den Zug ein. Alexander Rollinger vom SCHMIT-Z (Schwul-lesbisches Zentrum) mahnte am Ende dennoch davor, die aktuelle deutsche Regierung weiter zu unterstützen. In Sachen Gleichstellung hätte sich in den vergangenen Jahren nichts getan, sagte er und brachte damit doch noch einmal Wahlkampfrhetorik in die Veranstaltung. 

Spektakulär war jedoch das Ende der Demonstration. Mehrere Aktivisten kletterten an einer Laterne herauf, um ein Plakat der rechtsradikalen NPD abzureißen. Auch die Bundestagskandidatinnen zeigten sich in der Nähe dieser Aktion. Durch das gewaltsame Abreißen und Zerstören der Wahlplakate wurde die umherstehende Polizei auf den Plan gerufen, die anschließend sogar Verstärkung anforderte. Das Abreißen von Plakaten betreffe den Straftatbestand der Sachbeschädigung mahnten die Polizisten, betonten aber immer wieder, dass sie hier nicht ihre persönliche Meinung durchsetzen dürften, sondern sich an geltendes Recht halten müssten. „Die NPD ist eben noch nicht verboten“, rechtfertigte sich eine Polizistin. Die Einsatzkräfte wollten die Personalien der Demonstranten aufnehmen, da ihnen eine Anzeige drohe. Bei der Frage, wer an dem Herunterreißen der Plakate beteiligt war, reckte sich der Großteil der Hände der Anwesenden solidarisch in die Höhe. 

Bürgermeisterin Birk versuchte, die Situation zu schlichten. Man versuche von städtischer Seite doch alles, solche Plakate gerade in der Nähe der Touristinformation zu vermeiden. Die Polizisten mussten jedoch weiter ihrer Arbeit nachgehen und die Situation aufklären. Dazu gehörte auch die Personalkontrolle der Politikerinnen Katrin Werner, Dr. Katarina Barley und Corinna Rüffer.

Die Herabreißen der Plakate hat somit einen bleibenderen Eindruck hinterlassen, als das eigentliche Thema der Demonstration. Das dürfte gerade für die Veranstalter den Blick auf diesen Tag trüben. (ass)

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1 KOMMENTAR

  1. Ein großer Teil der in Trier aufgehangenen Wahlplakate sind gegen geltendes Gestz angebracht. In anderen Städten muss dies berichtigt werden oder es werden Bußgelder fällig. Was passiert in Trier ? Überhaupt nichts. Bezeichnend.

  2. Die Demo war zu dem Zeitpunkt längst beendet.

    Davon abgesehen ist der Bereich vor der Touristeninformation FüßgangerInnenzone und von daher dürfen dort gar keine Wahlplakate hängen. Schade, dass das Ordnungsamt, welches darüber informiert war, es nicht hinbekommen hat, diese Plakate zu entfernen. So wurden Touristinnen und Touristen vor der Touri-Info mit volksverhetzenden Plakaten begrüßt.

  3. Die NPD ist nicht zum ersten Mal feindlich gegen homosexuelle, bisexuelle und transsexuelle. Mich wundert so ein Ergebnis der Demo nicht. Ohne Lokalo aber hätte sie aber vermutlich nie was von der Sache erfahren und wird das ganze jetzt ganz groß aufkochen wie immer.

  4. @burkhard vogel:wovon träumen sie denn nachts?die(ordnungsamt,kom.vollzug) sind,nach eigener aussage, unterbesetzt!diese dummen phrasen hört man doch ständig,als rechtertigung für das nichterscheinen, keine lust haben, oder angst haben, bei entsprechenden hilfesuchenden anrufen der bürger! hab noch was vergessen;bei grösseren anlässen und festen laufen sie der Polizei,keiner weiß warum,hinterher! also herr vogel, diese herren haben keine zeit, für das zu tun, wofür sie eigentlich da sind.

  5. Linke Gutmenschen vereinigt euch. Habt ihr nicht kurz zuvor für Toleranz und Offenheit demonstriert? Kurz darauf zeigt ihr all eure Intoleranz anderen Meinungen gegenüber, wenngleich ich die NPD nicht in Schutz nehmen will. Dennoch ist die Partei nicht verboten und darf plakatieren. Was gerade das Zerstören von Wahlplakaten betrifft zeigt einfach, dass ihr keinen Deut besser seid, als die Braunen. Das ist ergo die Zusammenfassung aus all dem. Das politische Spektrum ist eben eine Scheibe, bei dem sich die Extreme annähern. Damit ein hoch auf den Gutmensch, die links.

  6. Stellungnahme der Veranstalter der Demo „Gegen Homophobie in Russland und überall!“

    Wir als Veranstalter der Demo „Gegen Homophobie in Russland und überall!“ möchten zu dem obigen Artikel Stellung nehmen.

    Die Demonstration war ein voller Erfolg und ein farbenfrohes, positives und eindrucksvolles Signal an verfolgte Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und intergeschlechtliche Menschen in aller Welt, dass sie nicht allein sind und die Büger*innen Triers – parteienübergreifend, ob Kirchenmitglied oder konfessionslos, ob jung oder alt – sich mit ihnen solidarisieren und ihnen Mut machen wollen. Ebenso war es ein Zeichen, dass hasserfüllte Rhetorik, (staatliche) Diskriminierung von Minderheiten und das Vorenthalten fundamentaler Grundrechte nicht zu dulden sind und für die Würde und die Menschenrechte aller gestritten werden muss. Und das nicht nur in Russland, sondern auch immer noch in Deutschland.

    Wir möchten festhalten, dass die gesamte Demo – von ihrem Start auf dem Viehmarkt bis zu ihrem Ende mit einem Gruppenbild der Teilnehmer*innen vor der Porta Nigra – wie nicht anders von uns erwartet, absolut friedlich verlaufen ist und auch von der Polizei zu keinem Zeitpunkt eingegriffen werden musste.

    Von daher haben wir überhaupt keinen Anlass, dass unser Blick auf diese Veranstaltung in irgendeiner Form getrübt wird. Im Gegenteil: wir sind von der Resonanz und der Solidarität der Trierer Organisationen und der Trierer Bevölkerung sehr positiv überrascht und freuen uns auf die weitere Arbeit für eine inklusive, bunte und offene Gesellschaft.

    Zu dem kurzen Zwischenfall mit einem NPD-Wahlplakat (nicht Plakaten, wie der Artikel suggeriert), der nach dem offiziellen Ende der Demo stattfand, können wir uns nicht wirklich äußern, weil wir ihn nur am Rande mitbekommen haben. Wir möchten jedoch auch hierzu wenige Sätze verlieren. Soweit wir es mitbekommen haben, hingen/hängen die NPD-Wahlplakate vor der Porta Nigra sowieso ordnungswidrig, weil es sich hier um einen Bereich der Trierer Fußgängerzone handelt, in dem das Anbringen von Wahlplakaten untersagt ist. Ohne das Entfernen des einen Plakats rechtlich bewerten zu können, ist es erwähnenswert, dass dies auf die breite Unterstützung der Trierer Bevölkerung stieß, die mit Applaus darauf reagierte. Auch war der Zwischenfall offensichtlich innerhalb kürzester Zeit gelöst – entfernte sich die Polizei doch nach wenigen Minuten.

    Für uns als Veranstalter ist – ganz unabhängig von der Aktion mit dem rechten Wahlplakat – jedoch klar, dass Solidarität keine Einbahnstraße ist. So wie das Multikulturelle Zentrum keinen Augenblick zögerte, unseren Aufruf gegen Homophobie zu unterstützen, genauso engagieren wir uns gegen Rassismus, Antisemitismus und andere gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Versuche, einen Keil zwischen lesbisch-schwule Menschen und unsere Mitbürger mit nichtdeutscher ethnischer Herkunft zu treiben, lassen wir nicht zu und verurteilen wir vehement. Rassismus und ausländerfeindliche Parolen – sei es auf Wahlplakaten als auch in anderer Form – sind grundsätzlich scharf zu verurteilen und mit allen rechtskonformen Mitteln konsequent zu bekämpfen – denn Menschenrechte sind universal.

    Für die Veranstalter:

    Sören Landmann (Aktionsbündnis gegen Homophobie e.V.) und Florian Chefai (Evolutionäre Humanisten Trier e.V.)

  7. Tja wieder mal ein tolles Beispiel für investigativen Journalismus. Das war Sarkasmus.
    Schade wie der Schreiberling berichtet. Leider sehr einseitig, schlecht recherchiert was den ganzen Vorfall sowie die „normale“ rechtliche Grundlage angeht.

    Da schüttele ich nur traurig den Kopf. Man muss sich schon als Autor der Frage stellen warum man über so etwas berichtet. Steht der Zweck der Veranstaltung im Vordergrund, sowie eine objektive Berichterstattung?
    Macht auf mich nicht den Eindruck.
    Was bleiben dann für Motive übrig?
    Achja, das war kein Sarkamsus.

  8. Zunächst mal ein Lob an „(ass)“ für den hochwertig investigativen Artikel. Das ist Qualitätsjournalismus 😉

    Natürlich fühle ich mich sehr betroffen von dieser hintlerhältigen Aktion, die zum bedauerlichen Nachteil der NPD stattgefunden hat. Selbstverständlich hat auch braune Sch**** eine Existensberechtigung die ich respektiere!
    Darum bin ich bereit, 2 Kabelbinder zu spendieren damit das Plakat wieder aufgehangen werden kann – solange bis das Ordnungsamt seiner Arbeit nachkommen kann das Plakat wieder zu entfernen…

  9. Das Ordnungsamt müsste ca. 30% aller Plakate entfernen. Keine Partei hält sich an die Gesetze. Aber wie schon gesagt, es passiert nichts.

  10. Toll. Mittlerweile ist also auch Lokalo dort angekommen, wo oft genug die hiesige Tageszeitung landet. Während Lokalo-Mitarbeiter unverblümt den Trierischen Volksfreund kritisieren und (hin und wieder zu Recht) als „provinzielles Klatsch- und Boulevardblatt“ betiteln (Zitat), bezeugt dieser Artikel, dass die Lokalo-Redaktion in absolut keinem Maße besser zu bewerten ist.
    Aus der Mücke einen Elefanten gemacht und bloß in einer guten Sache wie dieser Demo noch den Skandal „gefunden“. Man, man, man! Kann man denn nicht einmal dieses boulevardeske sein lassen?
    Verärgert
    Roland K. Schmidt

  11. Sehr geehrte (liebe) Leser, wer lesen kann und will ist klar im Vorteil. Ich habe mich in meinem Kommentar deutlich von der NPD distanziert. Ich distanziere mich übrigens von jeglicher Form des Extremismus – egal von welcher Seite er kommt. Wer jetzt immer noch der Meinung ist, uns braune Gesinnung zu unterstellen, der tut das meiner Meinung nach zielgerichtet und böswillig. Haben wir beklatscht, dass NPD-Plakate entfernt wurden? Nein!!!!! Um es noch einmal auf andere Art zu sagen: Auf unserem Portal hat jede Partei die Möglichkeit, ihre Meinung zu sagen und wird dafür kritisiert oder gelobt (was immer auch eine subjektive Position beinhaltet). Wir haben der NPD noch nie, ich betone, noch nie, eine Plattform geboten. Wir haben die Plakate nicht aufgehängt. Ich habe diese Partei noch nie gebraucht, noch nie unterstützt oder das, was sie tun, gut geheißen. Und das gilt für die gesamte Lokalo-Redaktion. Von uns wird Fairness erwartet. Ich erwarte die aber auch von den Verfassern der Kommentare. Im Übrigen distanziere ich mich auch von den Äußerungen gegenüber dem Trierischen Volksfreund. Willi Rausch, lokalo-Chefredakteur und V.i.S.d.P.

  12. Liebe lokalo-Redaktion, lasst euch doch nicht von einem Ultra-Linken wie Klaus Blees, der
    euch bei Facebook versucht in die Pfanne zu hauen, aus der Fassung bringen. Jemand, der unter „vorbildlicher Zivilcourage“ versteht, Plakate abzureißen und damit gegen geltendes Recht zu verstoßen, hat immer noch nicht begriffen, dass es die seinen politischen Vorstellungen entsprechende Zensur der Presse Gott sei Dank noch nicht gibt.

  13. Ich habe als hetero nichts gegen homosexuelle, sicherlich nicht aber es ist eine straftat die plakate, egal welcher partei zu entfernen, so lange die partei über das grundgesetz abgedeckt und legitim ist. hier in tr- nord war ich auch vor der verzückung die hochgehängten plakate der npd irgendiwe zu entfernen, ich habe es gelassen. sicherlich ist die toleranz und auch das befürworten an masse der menschen für homos grösser als das wählerpontenzial der NPD. es ist schade für euch, mit eurer aktion, solch negativen beigeschmack zu bekommen egal wer das schuld ist. vielleicht wurdet ihr von „linken“ dafür benutzt oder auch immer aber die verantwortung habt ihr für eure veranstaltung.

  14. @RP:

    Wenn Sie unsere Stellungnahme aufmerksam gelesen hätten, dann wüssten Sie, dass die Demo zum Zeitpunkt des Entfernens des Plakats schon beendet war.
    Im Übrigen heißt es nicht – nur weil es eine Demo gegen Homophobie war – dass die Veranstalter oder Teilnehmer*innen selbst homosexuell sein müssen. Dass sich auch heterosexuelle Menschen für die Menschenrechte von Lesben und Schwulen einsetzen, kommt Ihnen anscheinend nicht in den Sinn. Traurig.

  15. @ Sören Lindmann, ich mache es wie gestern Frau Merkel, ich toleriere es ( das ist doch schon viel) aber ich würde mich doch nicht dafür einsetzen. Nein es kommt mir nicht in den Sinn. Ich denke es gibt da andere Baustellen welche mehr Priorität haben als Ihr Anliegen.

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