„Wir müssen aufhören Gipfel zu stürmen und nicht anzukommen“

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TRIER. Am Abend sprach Frank-Walter Steinmeier im gut gefüllten Wahlkampfzelt der SPD am Trierer Viehmarkt. Der Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag vertrat damit Peer Steinbrück, den eigentlichen SPD-Kanzlerkandidaten. Dieser musste im Vorfeld aufgrund von Terminkollisionen absagen. 

Gut 500 Menschen hatten es geschafft und waren zum Viehmarkt gekommen, um die Wahlkampfrede von Frank-Walter Steinmeier zu verfolgen – trotz starkem Platzregen. Die SPD hatte vorgesorgt: ein rund 30 Meter im Durchmesser fassendes Zelt hatten die Sozialdemokraten aufgebaut, um jedem einen trockenen Platz im Pulk der motivierten Genossen zu bieten. 

Rund 45 Minuten, also deutlich länger als Angela Merkel am vergangenen Mittwoch referierte er zu den sozialen Kernthemen dieses Wahlkampfes. Vom Mindestlohn und sicherer Rente über die Euro-Rettung bis hin zur aktuellen Kontroverse um einen möglichen militärischen Einsatz in Syrien. 

Dabei nahm er vor allem die Kanzlerin aufs Korn. „Zu jedem Thema beruft sie einen Gipfel ein. In der Tagesschau sieht man 20 schwarze Limousinen vorfahren. In den Tagesthemen fahren sie dann wieder weg. Aber bewegt hat sich nichts. Wir können nicht Gipfel für Gipfel erklimmen und kein Ziel erreichen“, rief der Fraktions-Chef den Genossinnen und Interessierten zu. Diese zeigten sich sichtlich angesprochen. Man wurde das Gefühl nicht los, Steinmeier besänftigte die in Umfragen gebeutelte SPD-Seele. Er sprach von dem einfachen Arbeiter, der Abends „den Kartoffelsalat und die Würstchen aus dem Kühlschrank“ nehme, „sich vielleicht noch ein Bier“ öffne und sich dann den Politikzirkus im Fernsehen ansehe. Genauso wie er die Wichtigkeit der Gewerkschaften im Lohnfindungsprozess betonte. Dennoch sprach er sich für den flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn aus und untermalte dies mit seinen Problemen im heimischen ostdeutschen Wahlkreis. 

Die als Bürgerdialog angekündigte Veranstaltung entpuppte sich dennoch als gewöhnliche Wahlkampfveranstaltung. Auch die vorher versprochene „Augenhöhe“ des Kandidaten wurde nicht eingehalten. Auch die SPD-Kandidaten sprachen vom Podium aus. Neben Steinmeier waren unter anderem auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Direktkandidatin Katarina Barley gekommen und hielten Grußworte. 

Im Vorfeld der Steinmeier-Rede konnten Bürgerinnen und Bürger auch bereitgelegte Fragezettel ausfüllen, um Antworten von den Kandidaten zu erhalten. Schade für viele Fragesteller: vom Moderator wurden ausschließlich unkritische Fragen vorselektiert. Das Konzept des „Bürgerdialoges“ konnten die Sozialdemokraten so selbst nicht einhalten. Ihr Kandidat Steinmeier jedoch, auch wen es nicht Steinbrück selbst war, konnte die Menschen begeistern und prognostizierte eine rote Regierungsbeteiligung. „Davon müsst ihr in den kommenden Wochen Freunde, Familie und Bekannte überzeugen.“, sagte er zum Abschluss und wird dabei mit vielen einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. (ass)

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1 KOMMENTAR

  1. Immerhin ist Steinmeier nach der Veranstaltung vom Podium hinabgestiegen und hat sich zu den Bürgern an die Tische gesetzt, um Autogramme zu geben. Bei Frau Merkel undenkbar. Dort bestand dann auch noch Gelegenheit zum persönlichen Gespräch (natürlich mit dem in der SPD üblichen „Du“), was wir Piraten gerne nutzten, um Herrn Steinmeier einige Fragen zum NSA-Skandal zu stellen. Die Fragen konnten natürlich aufgrund der Kürze der Zeit nicht umfassend beantwortet werden, aber immerhin wich er den Fragen nicht aus, sondern war gesprächsbereit und schien im Thema recht gut informiert zu sein. Seine Kernaussage war, dass es in den USA selbst erst noch zu einer stärkeren Debatte kommen muss, damit der Druck auch innerhalb Amerikas wächst und die Amerikaner somit dann zu internationalen Verträgen bereit sind. Momentan bestünde von Seiten der USA aus kein Druck und auch keine Veranlassung, Verträge mit Deutschland zu schließen, die eine Überwachung unterbinden. Soweit Steinmeier zum Thema NSA (aus dem Gedächtnis).

    Foto: https://twitter.com/balaver/status/376414117684596736

  2. Gut, dass es auch noch ausgewogene Journalisten gibt. Die Couleur eines anderen Medienvertreters sieht man ja nicht nur seinen Sandalen, sondern auch seiner Nasenspitze an.
    Ihr werdet immer besser, tut Trier sehr gut!

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