Mutti ante Porta

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TRIER. Um 16.30 Uhr landete die Bundeskanzlerin mit dem Helikopter an den Kaiserthermen. Um 16.55 Uhr traf sie mit CDU-Landesvorsitzender Julia Klöckner und den beiden Bundestagsabgeordneten Bernhard Kaster und Patrick Schnieder zusammen. Um 17.10 Uhr legte die Kanzlerin dann mit ihrer halbstündigen Wahlkampfrede los.

Rund 5000 Zuhörer waren zum Porta-Nigra-Vorplatz gekommen, um die Bundeskanzlerin live zu erleben. Im Termindruck des Wahlkampfs opferte sie 30 Minuten für eine kämpferische Rede rund um Mindestlohn, Bildung, Europa und natürlich: die gewünschte Zukunft der christlich-liberalen Koalition nach der Bundestagswahl. Unterstützen wollte sie mit ihrem Auftritt vor allem den Direktkandidaten ihrer Partei: Bernhard Kaster. Dieser muss das Direktmandat gewinnen, sonst kommt er mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht wieder in den Deutschen Bundestag. Diesem gehört er seit 2002 an. In Rheinland-Pfalz erringen die Christdemokraten meist mehr Direktmandate, als ihr Mandate nach der Landesliste zustehen. Somit hat er – im Gegensatz zu anderen Kandidaten aus Trier – nicht die zweite Chance über die Liste.

Ungewoht angriffslustig zeigte sich Merkel in ihrer Rede gegenüber dem politischen Gegner, vor allem den Grünen. Aber nicht nur Anhänger und Interessierte waren zur Porta Nigra gekommen, auch Mitglieder anderer Parteien und Verbände. Sie protestierten mit Zwischenrufen und Plakaten gegen den “Stillstand Merkel” oder gegen die von CDU und FDP nicht verabschiedete rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Auch das Thema Atomenergie spielte auf Bannern eine Rolle. „Gerade in der Grenznähe eines sich im desolaten Zustand befindlichen Atomkraftwerks Cattenom erwarte ich Antworten von der Kanzlerin“, bemerkt Michael, 28, der nur aus diesem Grund zum Trierer Wahrzeichen gekommen war.

Die Kanzlerin blieb souverän, spulte ihr gewohntes Wahlkampfprogramm ab. Deutschland hätte exzellente Universitäten, biete Aufstiegschancen und jedem jungen Menschen einen Ausbildungsplatz, hob Merkel hervor. Dabei verwies sie auch auf die Erfolge der schwarz-gelben Regierung im Bereich der Arbeitslosenzahlen. “Gerade Sie, meine Damen und Herren, leben Europa jeden Tag. Wir müssen an Europa festhalten, es gestalten”, appellierte sie an die Zuhörerschaft, die bis zum Anfang der Simeonstraße stand, um noch einen Blick auf die Kanzlerin zu erhaschen. Das wichtigste Thema für Städte wie Trier sei die Infrastruktur, referierte sie. Die meisten der Zuschauer dürften dabei dasselbe im Hinterkopf haben. Wo bleibt der Moselaufstieg? Oder die Nordumfahrung? Warum wird Trier komplett vom Bahn-Fernverkehr abgeschnitten? Antworten hatte sie keine konkreten. Aber man werde mehr Geld in den Ausbau und Erhalt von Infrastruktur investieren müssen, betonte sie.

Auf der Bühne erhielt sie von ihren CDU-Kollegen vor Ort dann noch einen Trier-Elefanten aus der Elephantparade-Kollektion in der Miniaturausgabe. Nach dem Erklingen der Deutschlandhymne musste sie Trier dann wieder verlassen. Weitere Wahlkampfveranstaltungen mit ihr sind noch in der kommenden Woche in Koblenz und Mainz geplant.

Doch wie überzeugend fanden die Trierer die Bundeskanzlerin aus dem fernen Berlin? „Ich hätte mir die Rede länger vorgestellt. Aber natürlich ist sie im Termindruck. Dass sie es schafft, trotzdem noch so voller Power zu sein, überrascht mich“, wundert sich Sarah, 19, die in diesem Jahr erstmals an die Wahlurne treten darf. „Sie hat die Kernthemen genannt, die mich davon überzeugt haben, sie wiederzuwählen“, fasst Jürgen, 54, aus Bitburg zusammen. Er und seine Frau waren extra nach Trier gekommen, um Angela Merkel live zu erleben. Ein anderes Fazit zieht Andreas, 26, Student aus Trier: „Mir fehlt ihre Sozialkompetenz. Wo sind denn die Themen Mindestlohn und bedarfsgerechte Rente? Ich höre immer nur Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft.“

So hatte sich gegen 18 Uhr wohl jeder eine Meinung zum Auftritt der Kanzlerin gebildet und Angela Merkel stieg wieder in den Heli. Auf zum nächsten Wahlkampftermin! (ass)

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