Aussage der Stieftochter und ein Video belasten den Stiefvater

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TRIER. Am heutigen Dienstag fand der Auftakt des Prozesses gegen einen 53 Jahre alten Mann aus Daun am Landgericht Trier statt. Ihm wird vorgeworfen, seine Stieftochter bei einem Kurzurlaub in Paris zu sexuellen Handlungen genötigt und in Deutschland fortgeführt zu haben. In der ersten Verhandlung ging es hauptsächlich um den Lebenslauf des bisher in Deutschland nicht strafrechtlich in Erscheinung getretenen Angeklagten, der seit dem 21. März in Untersuchungshaft sitzt.

 

Mit gesenktem Kopf betrat der Angeklagte in Begleitung von Justizbeamten den Gerichtssaal und setzte sich neben seinen Strafverteidiger Bernd Hoffmann (Daun) auf die Anklagebank. Der gebürtige Russe mit deutsch-russischem Pass, der erst seit knapp einem halben Jahr in Deutschland lebt, war aufgrund fehlender Deutschkenntnisse auf die Übersetzungshilfe des Dolmetschers Eduard Isaac angewiesen.

Angeklagt ist V. wegen sexueller Nötigung sowie Vergewaltigung. Staatsanwalt Stéphane Parent verlas in der Anklageschrift, dass der Beschuldigte in insgesamt zwei Fällen im März dieses Jahres seine adoptierte Stieftochter, die bereits seit einigen Jahren bei den Eltern des Angeklagten in Deutschland lebt, unter anderem während eines Kurztrips in Paris, im Hotelzimmer zu sexuellen Handlungen samt Beischlaf genötigt haben soll. Zudem soll der Angeklagte Aufnahmen von der Haupttat gemacht haben.

V. wies sämtliche Vorwürfe zurück. Der streng katholische Mann berichtete von seinem seiner Meinung nach aufopferungsvollen Leben in Russland und seiner großen Enttäuschung über die Ehefrau und deren Tochter, die ohne sein Wissen zeitweise ein Doppelleben mit ausschweifendem Sex und der Einnahmen von Rauschmitteln geführt haben sollen. Unter Tränen erzählte er von seinen Eheproblemen und der Androhung seiner Frau im Falle einer Scheidung ihm seinen Sohn für immer wegnehmen zu wollen.

Geduldig ließ die Vorsitzende Richterin Petra Schmitz den Angeklagten ausführlich zu Wort kommen. Er bestätigte zwar die Reise nach Paris und auch, die Immatrikulation seiner Stieftochter mit etwas Whisky gefeiert zu haben. „Mehr als familiäre Gespräche hat es dabei allerdings nicht gegeben“, übersetzte der Dolmetscher die Aussage des Angeklagten. Der Familienvater vermutet einen Komplott seitens seiner Noch-Ehefrau um „mich aus dem Weg zu räumen“. So soll sie bereits in der Vergangenheit, als die komplette Familie noch in Russland lebte, mit der Tochter Pläne über ein „freies Leben“ ohne den Angeklagten geschmiedet haben.

Die einschlägigen Videos auf dem sichergestellten Mobiltelefon sollen nach Aussage von V. nichts mit seiner Person zu tun haben. Auf die Frage des Staatsanwalts, wie sich seine Moralvorstellungen mit dem Genuss von Whisky vereinbaren ließen, antwortete der Angeklagte, es sei keine verwerfliche russische Trinkkultur, Alkohol in Maßen zu sich zu nehmen, solange dies nicht in ein Besäufnis ausarte.

Am frühen Nachmittag war das Opfer, die heute 20-jährige Stieftochter, geladen, die in Begleitung ihres Rechtsbeistands vernommen wurde. Unter Tränen schilderte sie ihre Vorwürfe und belastete den Angeklagten schwer. Die Hilfe des Dolmetschers lehnte sie ab, wohl um ihre Erlebnisse so schildern zu können, wie sie es empfand und Übersetzungsfehler zu vermeiden. Allerdings führte dies zu einer Verzögerung der Befragung durch das Gericht kam. Die junge Frau lehnte auch das Angebot ab, eine kleine Pause zwischen ihren Zeugenaussagen einzulegen, ab. Zum Ende des Verhandlungstages stellte Staatsanwalt Parent den Antrag, durch das BKA einen Stimmenvergleich mit denen des Angeklagten und der Klägerin auf den vorliegenden Videos vornehmen zu lassen. Der Prozess wird am 24.September fortgesetzt. (van)

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