Mit Wespenstich zum Weltrekord

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TRIER. Der Beste war er schon vorher. Schließlich hatte Alexander Brittnacher bereits zwei Weltrekorde im Cocktailmixen aufgestellt. Am gestrigen Samstag war er auf dem Hauptmarkt angetreten, um seinen eigenen Rekord von 3064 von Hand gemixten Cocktails zu brechen. Die ohnehin schon beachtliche Bestmarke aus dem Vorjahr war bereits um 22.47 Uhr Geschichte. Seit Mitternacht steht der neue Rekord bei 3396 Cocktails – Wahnsinn.

Dass es zu dieser vorher nie erwarteten Höchstmarke kam, war nicht nur der Leistung Brittnachers und seinem gesamten Team zuzuschreiben. Es war auch der bis kurz vor Mitternacht ungebrochene Andrang trink- und spendenfreudiger Gäste, die sich offensichtlich vorgenommen hatten, noch mehr Geld in die Kassen der Benefizveranstaltung fließen zu lassen als im Vorjahr, als 10 000 Euro zusammengekommen waren. Wie in den Vorjahren wird Brittnacher den gesamten Erlös der von ihm kreierten Veranstaltung als Spende an die VILLA KUNTERBUNT übergeben. Wie viel das sein wird, lässt sich noch nicht sagen. „Kassensturz machen wir zu Beginn der Woche“, sagte Dr. Christoph Block, der Geschäftsführer der Einrichtung, die sich um die Nachsorge krebskranker Kinder kümmert. Block war – auch das hat schon Tradition – wieder selbst mit seiner Familie und einigen Angestellten der „VILLA KUNTERBUNT“ im Einsatz.

Schon früh war abzusehen, dass der alte Rekord den Tag nicht überleben würde – wenn denn das Wetter und die Kondition des Barkeepers halten sollte. Schon nach vier Stunden hatte die Crew um Brittnacher 1119 Mixgetränke verkauft. Das Wetter hielt und Brittnachers Form auch. Da allen Cocktails Säfte oder Sirups beigemischt werden, fanden sich allerdings auch einige ungebetene Gäste am Hauptmarkt ein: Wespen. Bei dem Tempo, das Brittnacher vorlegte, übersah er eine der Insekten, die sich gerade an einem Saft gütlich tat. Den Griff zu „ihrer“ Flasche bestrafte sie mit einem Stich in den Finger. Ab 19 Uhr mixte der Weltrekordmann mit Handicap.

Kurz nach 22 Uhr, als er sich schon sicher war, dass er seine alte Marke toppen würde, gönnte sich der Jurist, der die Firma „Next Level Cocktails“ betreibt, eine knapp zehnminütige Pause, um durchzuschnaufen und einen Happen zu essen. Dann ging es, zusätzlich angeheizt von zwei DJs und Moderator Willi Rausch mit Vollgas weiter. Um 22.47 Uhr war es geschafft. Die erste Belohnung neben dem Jubel der zahlreichen Gäste war eine Sektdusche seiner Crew.

Der Hauptmarkt blieb gut gefüllt. Eine zehnköpfige Gruppe aus Frankfurt, die auf Fahrradtour an der Mosel ist, machte ordentlich Umsatz (Lieblingscocktail: Caipirinha) und war restlos begeistert. „So was haben wir noch nirgendwo erlebt“, sagte ihr Sprecher, „was der junge Mann hier macht, ist einfach toll. Wir sind schon seit heute Mittag da.“ Die Begeisterung der Radler vom Main war berechtigt. Allein die nackten Zahlen sind beeindruckend. Etwa 300 Cocktails mischte der Barkeeper pro Stunde – umgerechnet also knapp fünf Becher pro Minute. Eine Glanzleistung in Schnelligkeit, unter der der Geschmack nicht litt. „Das Warten lohnt sich, die Cocktails sind sehr lecker. Außerdem ist das ja alles für einen guten Zweck, dafür stehe ich gerne an“, erklärt etwa Eva (52) aus Trier. Und Geduld war erforderlich, wenn man an seinen Lieblingscocktail kommen wollte. Um das Tempo zu halten, wurde immer „en bloc“ gemixt. Wer einen etwas ausgefalleneren Wunsch hatte, der musste schon mal etwas anstehen, bis „sein Getränk“ oder eine gemischte Runde an der Reihe war. Bis Mitternacht herrschte auf dem Hauptmarkt quasi Volksfeststimmung. Kurz vor Schluss schaute auch Schirmherr Bernhard Kaster noch einmal vorbei, der schon am Mittag zur Eröffnung vor Ort gewesen war. Das glückliche Ende wollte sich der Bundestagsabgeordnete nicht entgehen lassen. „Trier ist bekannt für weltberühmte Bauwerke und weltberühmten Wein. Und jetzt kann sich unsere Stadt auch noch mit einem dreifachen Weltrekordler schmücken“, freute sich Kaster, der Brittnacher „von Herzen“ gratulierte und sein „unglaubliches Engagement und das seiner Mitstreiter würdigte.

Ob es noch einen weiteren „Shake around the Clock“ auf dem Hauptmarkt geben wird, ließ Brittnacher offen: „Ich bin jetzt erst mal ziemlich kaputt. Und jetzt müssen wir hier noch alles wegräumen. Aber ich muss mich ja nicht jetzt entscheiden. Dafür lasse ich mir ein bisschen Zeit.“ Mit einem letzten „Cheers“ verabschiedete der Wahlhamburger, der sich wieder im Guiness-Buch der Rekorde verewigt hat, von seinen Gästen. Spät in der Nacht wurde er allerdings mit einem Teil seiner Crew bei der „After-Shake-Party“ gesehen. (van)

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