Haupttäter muss viereinhalb Jahre hinter Gitter

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TRIER. Am heutigen Donnerstag wurden eine Frau und zwei Männer aus Trier zu Freiheitsstrafen verurteilt, von denen zwei zur Bewährung ausgesetzt wurden. Dem Trio wurde vorgeworfen, bei holländischen Drogendealern 20 Kilogramm Marihuana geordert zu haben, um sie gewinnbringend im Raum Trier weiterzuverkaufen. Vor den Plädoyers und der Urteilsverkündung verlas ein Rechtsmediziner sein Gutachten, in dem es darum ging, das Alter eines Angeklagten einzuschätzen. Dieser gab an, im Jahre 1994 geboren zu sein. Dies stellte sich schnell als Unwahrheit heraus.

Ursprünglich waren vier afrikanisch-stämmige Männer und zwei Frauen aus demselben Kulturkreis im Alter zwischen 19 und 41 Jahren angeklagt. Drei davon lebten zuletzt im Raum Trier, die übrigen drei in den Niederlanden. Den zwei Männern aus Trier wurde vorgeworfen, zu unterschiedlichen Gelegenheiten bei unbekannten Drogenhändlern in Holland insgesamt 20 Kilogramm Marihuana bestellt zu haben, die zum gewinnbringenden Weiterverkauf im Raum Trier bestimmt sein sollten. Die weibliche Angeklagte soll für die Geschäftsabwicklungen ihre Wohnung zur Verfügung gestellt haben. Die drei Angeklagten aus den Niederlanden sollen als Drogenkuriere fungiert haben. (lokalo berichtete: http://www.lokalo.de/artikel/39339/Kein-dringender-Tatverdacht-mehr#.Uh-Rt9Lwna8)

Im Rahmen des Prozesses gab der Angeklagte B. an, im Jahre 1994 geboren zu sein. Dies schien der großen Strafkammer mit dem Vorsitzenden Richter Albrecht Keimburg sehr unglaubwürdig. Daher wurde für den letzten Verhandlungstag der Rechtsmediziner Prof. Thomas Riepert von der Universität Mainz geladen, der im Vorfeld mehrere Untersuchungen an dem Angeklagten vorgenommen hatte. Riepert kam zu dem Schluss, dass B. „mit an 100% grenzender Wahrscheinlichkeit“ älter als 19 Jahre sei. „Radiologische und zahnärztliche Untersuchungen lassen darauf schließen, dass die Person mit hoher Wahrscheinlichkeit zwischen 26 und 30 Jahre alt ist, so der Mediziner. „Demnach ist er nicht mehr nach Jugendstrafrecht zu behandeln“, so Keimburg.

Kurz vor den Plädoyers der Staatsanwaltschaft und Rechtsanwälte versuchte B. das Gericht von seiner Unschuld zu überzeugen. Seinen Ausführungen nach sei nicht er der Drahtzieher, sondern die Angeklagte H. 

Staatsanwalt Wolfgang Barrot konnte B. mit seiner Aussage nicht überzeugen. Barrot beantragte eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 6 Monaten, da er in dem Angeklagten immer noch den Urheber der Drogengeschäfte sieht. Die Angeklagte H. soll sich in sieben Fällen der Beihilfe schuldig gemacht haben und sollte nach seinem Vortrag für insgesamt zwei Jahre auf Bewährung bestraft werden. Der dritte Angeklagte soll nur eine geringfügige Rolle gespielt haben. Der Staatsanwalt beantragte eine Strafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung für insgesamt zwei Fälle der Beihilfe.

Die Rechtsanwälte von D. (Sven Collet) und H. (Christian Hölzer, beide aus Trier) schlossen sich dem Plädoyer des Staatsanwalts an. Anders war es bei der Strafverteidigerin von B., Monika Kühne aus Trier. „Ich habe es heute von allen Anwälten am schwersten“, so Kühne. Sie argumentierte, dass ihr Mandant aufgrund der fehlenden deutschen Sprachkenntnisse nicht dazu in der Lage gewesen sei, ein Geschäftsmodell aufzubauen und Kontakte zu Großlieferanten und Abnehmern herzustellen. Das müsse die Angeklagte H. entwickelt haben. „B. ist zwar jemand, der Beihilfe leistete, aber ganz sicher nicht der Haupttäter“, fasste die Strafverteidigerin zusammen. Als Strafmaß forderte sie eine Gesamtstrafe „nicht über drei Jahre.“

Das Schöffengericht kam den Anträgen der Staatsanwaltschaft nach und verurteilte den Angeklagten B. zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten, da es in ihm weiterhin den Drahtzieher der Gruppe sah. Die Angeklagte H. erhielte eine Strafe von zwei Jahren auf Bewährung, auch D. kam mit einer Bewährungsstrafe (1 Jahr und 3 Monate) davon. Das Urteil ist nur hinsichtlich der Angeklagten H. und D. rechtskräftig. (tw)

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