Lange Haftstrafen für Drogenkuriere – Urteil noch nicht rechtskräftig

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TRIER. Am heutigen Donnerstag wurden zwei Männer vom Landgericht Trier wegen Rauschgifthandels zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der 28-jährige in Holland lebende, Iraner A. und der 38-jährige Saarbrücker mit äthiopischen Wurzeln G. hatten im Februar dieses Jahres 30 Kilogramm Amphetamin über die belgisch-deutsche Grenze geschmuggelt. Dabei handelte es sich um die größte Menge an eingeführten Betäubungsmitteln, über die jemals in Trier verhandelt wurde.

Der Angeklagte G. hatte bereits bis zum Mai 2012 eine 4 ½ jährige Freiheitsstrafe verbüßt. Auch hier kam er mit dem Betäubungsmittelgesetz in Konflikt. Nach seiner Haft wollte er ein neues Leben beginnen. Er entwickelte die Idee der Selbständigkeit und hatte vor, ein Teeprodukt auf dem deutschen Markt einzuführen. Die Zutaten sollten aus dem asiatischen Raum bezogen werden. Im Februar 2013 reiste er deshalb nach Amsterdam, um sich mit Leuten aus Thailand zu treffen, die ihn mit den gewünschten Produkten beliefern sollten. Die Gespräche liefern außerordentlich gut und die Geschäftsbeziehung wurde noch am selben Tag beschlossen.

Das musste gefeiert werden. Kurzerhand entschloss sich G. einen Coffee-Shop in der Nähe aufzusuchen, um sich mit ein paar Bieren, einer leckeren Mahlzeit und dem einen oder anderen Joint zu belohnen. Als er schon leicht angeheitert war, kam er mit einem weiteren Gast (A.) ins Gespräch. Beide waren sich auf Anhieb sympathisch. Schnell entwickelte sich die Unterhaltung in Richtung eigener Erfahrungen mit Drogen. Im Verlauf des Nachmittags erzählte A. von einer größeren Drogenlieferung, die er noch am gleichen Tag durchführen würde. „Hast du Lust mitzufahren? Vier Augen sehen mehr als zwei.“ Daraufhin erzählte G. von seiner Vergangenheit im Gefängnis und verneinte zunächst. „Als ‚Gage‘ bekommst du 500 Gramm Speed“, so A. weiter. Kurze Zeit später saßen beide in einem Auto und fuhren Richtung Deutschland.

G. richtete sich auf der Rückbank ein. Leicht gebeutelt von den Spaßmachern aus dem Coffee-Shop nickte er kurze Zeit später ein. Als er wieder aufwachte, stand das Auto auf einem Autobahnparkplatz kurz vor der belgisch-deutschen Grenze. In der Nähe wartete ein schwarzer Golf V, aus dem einige Minuten später ein Mann mit zwei großen Sporttaschen ausstieg. Dieses Gepäck, in dem sich ganz sicher keine Sportsachen befanden, hievte er auf die Rückbank des Wagens der Angeklagten. 15 Minuten und mehrere Zigaretten später startete A. den Wagen und überquerte die Grenze. Es dauerte keine fünf Minuten, bis die Polizei die Kuriere anhielt und die Drogen sicherstellte.

Staatsanwalt Volker Blindert forderte im Rahmen seines Plädoyers für beide Angeklagten lange Freiheitsstrafen. Der Angeklagte A. sei etwas milder zu bestrafen, da er in Deutschland nicht vorbestraft ist. Darüber hinaus hatte er ein früh gestanden und ist äußerst haftempfindlich, da er der deutschen Sprache nicht mächtig ist. Unter dem Strich beantragte Blindert eine Gesamtstrafe von sieben Jahren. Für G. forderte er eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und sechs Monaten. Dies begründete er damit, dass in der Wohnung des Angeklagten 60 Gramm Kokain sichergestellt wurden, die nach dessen Aussage allerdings nur zum Eigenbedarf bestimmt waren. Zusätzlich kommt erschwerend hinzu, dass G. bereits wegen Verstoßes gegen das BTMG verurteilt wurde und er somit Wiederholungstäter ist.

Der Rechtsanwalt von A., Georg-Heinrich Pott aus Essen, stimmte den Ausführungen des Staatsanwalts in weiten Teilen zu. Er merkte allerdings kritisch an, dass die geforderte Haftstrafe viel zu hoch sei: „Mein Mandant war nur ein Kurierfahrer. Außerdem kommt er einer Arbeit nach und hat soziale Kontakte. Man sollte ihm seine Zukunft nicht mit einer übermäßig langen Gefängnisstrafe verbauen.“

Der Strafverteidiger von G., Rolf Schaumlöffel aus Kaiserslautern, widersprach der Forderung von Blindert mit Vehemenz. Schreiend führte er an, dass sein Mandant nichts von der großen Menge an Amphetaminen gewusst habe. Spätestens als die Sporttaschen in das Auto geladen wurden, habe es zwar „Klick gemacht“, doch hatte G. zu diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit mehr, abzubrechen. „Wie sollte er nachts von einem Autobahnparkplatz in Belgien nach Hause kommen? Etwa durch trampen“, brüllte Schaumlöffel leicht süffisant.

Das Schöffengericht mit dem Vorsitzenden Richter Armin Hardt verurteilte A. zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren. „Er war es, der den Kontakt mit den Auftraggebern hatte. Außerdem hatte er G. dazu animiert, mitzufahren. Die Kurierfahrt hätte auch dann stattgefunden, wenn der Saarbrücker nicht mitgefahren wäre. Daher liegt die Hauptschuld bei ihm“, erklärte Hardt. G. wurde mit fünf Jahren Haft milder bestraft. „Er war zwar schon mal wegen Verstoßes gegen das BTMG inhaftiert. Allerdings gibt es auch viele Gründe, die sich strafmildernd auswirkten. So, dass er nur Beifahrer war und nachts nicht mehr vom Parkplatz fliehen konnte, als er sah, um welche Menge es sich handelte“, begründete Hardt die Entscheidung. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. (tw)

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