Was tun gegen „Äähms“ und „Äähs“ in der eigenen Rede?

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TRIER. Im ersten Teil des Artikels über das Rhetorik-Seminar von Sven Bingel an der Uni Trier berichtete unser Mitarbeiter Yakup Özkardes über die Schulung beim Aufbau einer Rede, den eigenen Standpunkt und den Umgang mit Nervosität vor Publikum. Im zweiten Teil geht es um die Frage, wie wir „Ähms“ in der Rede vermeiden können, was man als Redner gegen Störfaktoren tun kann und warum das Reden am Pult Übung benötigt.

 

Das Rednerpult und auch das Mikrofon sind Stilmittel, die eine Rede unterstützen sollen, doch ein professioneller Umgang damit erfordert eine gewissen Übung. Es handelt sich dabei um „Werkzeuge“. Unnötiger oder auch falscher Einsatz ist vergleichbar mit zu stark aufgetragenem Make-Up – er wirkt übertrieben und künstlich.

Ein Mikrofon besitzt einen Schallkegel. Innerhalb dieses Kegels wird die eigene Stimme optimal wiedergegeben. Zur Grundlage gehört es, zunächst die richtige Entfernung zum Mikrofon zu finden, was nicht ganz einfach ist. Im Hörsaal einer Universität, aber auch bei öffentlichen Veranstaltungen sind die Boxen in der Regel zum Publikum gerichtet, sodass die eigene Lautstärke nur schwer oder gar nicht eingeschätzt werden kann. Das Mikrofon sollte ungefähr in Kinnhöhe eingestellt sein. Dann ist der Winkel ideal, um den Ton optimal einzufangen. Zu den natürlichsten Vorgängen, die allerdings immer wieder vernachlässigt werden, gehört es, dass man seine Arbeitsfläche zunächst einrichtet und nicht sofort mit der Arbeit beginnt.

Das bedeutet ganz konkret: Bevor ich meine Rede beginne, suche ich meinen festen Stand am Rednerpult und richte das Mikrofon für mich genau ein. Ein Teilnehmer des Workshops nach dem anderen übt nicht nur das Einstellen des Mikrofons ein, sondern variiert auch mit der Lautstärke der Stimme. Mithilfe von direktem Feedback der anderen Teilnehmer, die sich im Hörsaal verteilt haben, bekommt jeder von uns ein Gefühl dafür, welches seine individuelle Lautstärke ist.

Was tun gegen Störfaktoren?

Nicht nur die Lautstärke der eigenen Stimme ist entscheidend für den Erfolg der eigenen Rede, sondern auch die externe Lautstärke in Form von Störfaktoren. Doch wie geht man als Redner mit diesen um? Zum Beispiel mit der Lautstärke der Umgebung durch Bau- oder Verkehrslärm oder protestierende Zuhörer, die einfach zu laut sind. Oftmals versucht der Redner das zu ignorieren. In solchen Fällen ist es in Ordnung, mit der eigenen Rede zu pausieren, denn letztendlich ist das Ziel die Informationsvermittlung an die Zuhörer. Wenn sie nicht stattfinden kann, weil die Zuhörer abgelenkt sind, dann kann ich als Redner genauso gut pausieren. Bei „Zuhörern“ die demonstrativ stören wollen, kann eine Pause für Abhilfe schaffen. Die Stille und der gezielte Blick in die Richtung der Person(en) machen alle anderen Zuhörer ebenfalls auf den Störenfried aufmerksam. Das kann oftmals bereits genügen, um ihn in die Schranken zu weisen.

Was tun gegen viele „Äähms“ und „Äähs“ in der eigenen Rede?

„Äähms“ und „Äahhs“ sind sogenannte Übersprunghandlungen und können eine gut strukturierte Argumentation und auch eine gute Präsentation zerstören. Oftmals wissen Redner gar nicht, dass sie diese sogenannten „Füllsel“ benutzen und können allein durch die Videoanalyse einen Fortschritt machen – einfach weil das Bewusstsein darüber geweckt wurde. Wenn das nichts nützt, kann es helfen, wenn man sich selbst verdeutlicht, dass die Stille während des eigenen Vortrages in Ordnung ist. Für Redner, die viele „Ähms“ benutzen, ist Stille unerträglich und sie wirkt in der Eigenwahrnehmung peinlich. Sich selbst zu sagen, dass dies nicht der Fall ist, sondern genau umgekehrt, die Pause als rhetorisches Mittel zu erkennen und zu nutzen, kann hier Abhilfe schaffen.

Ähnlich wie beim Finden des Standpunkts aus dem ersten Artikel müssen diese Techniken und Tipps praktisch umgesetzt und eingeübt werden, damit die eigenen rhetorischen Fähigkeiten sich verbessern können. Dabei kann es hilfreich sein, bei jedem Vortrag ein einzelnes Element zu betrachten und daran zu arbeiten, sich punktuell und stetig zu verbessern. (yo)

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