Heimspiel vs. Holprig – Podiumsdiskussion des Paritätischen Wohlfahrtsverbands

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TRIER. Nun ist sie auch geschafft – die bisher erste Podiumsdiskussion an der restlos alle eingeladenen Direktkandidaten des Wahlkreises Trier teilnahmen. Bisher war es dazu noch nicht gekommen. Im direkten Aufeinandertreffen unter der Moderation von Dieter Lintz ging es dann vornehmlich um soziale Themen. Für einige der Kandidaten ein Heimspiel, für andere gestaltete sich die Beantwortung der Fachfragen dann doch etwas holprig. Auch Dünnhäutigkeit und persönliche Angriffe fehlten nicht.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband der Region Trier hatte geladen und alle Direktkandidaten für den Deutschen Bundestag, der in nunmehr 25 Tagen gewählt wird, kamen. Zu sechs Themengebieten – was sich gegen Ende doch als zu viel herausstellte – wurde diskutiert.

In der Finanz- und Steuerpolitik ging es vor allem um das Herstellen von mehr sozialer Gerechtigkeit und das Schließen der Schere zwischen Arm und Reich. Schwupps, waren die diversesten Steuerpläne, Grundeinkommen und Arbeitslosenzahlen auf dem Tisch und die Diskussion kam ins Rollen.
Beim gesetzlichen Mindestlohn versuchten sich Katarina Barley (SPD), Corinna Rüffer (Grüne) und Katrin Werner (Die Linke) glatt zu überbieten, während Pirat Andreas Brühl dem Publikum ein ganzes Repertoire an Zahlen und Fakten entgegenreferierte.
Bernhard Kaster (CDU) und Henrick Meine (FDP) fanden sich schnell in der „Bösen-Buben-Rolle“ des offensichtlich aus einer politischen Richtung stammenden Publikums wieder. Anwesend waren vor allem Beschäftigte aus dem paritätischen Bereich, aus den politischen Parteien, Gewerkschaften oder der zuständigen Verwaltung. Da wurde dann auch ausschließlich an den vermeintlich richtigen Stellen geklatscht. Die Kandidaten waren sich jedoch an vielen nachfolgenden Stellen rund um die Themen Schulsozialarbeit, UN-Behindertenrechtskonvention, Programm “Soziale Stadt” und Schutz für von Gewalt betroffene Frauen einig. Häufig stellten die Kandidaten nur unterschiedliche Finanzierungsmodelle vor. Der Tenor war jedoch derselbe: “Da müssen wir mehr investieren.”
Auffällig auch: die Kandidaten waren offenbar gut auf die vorher bereits versendeten Fragen vorbereitet. Aufgeführt wurden so viele Zahlen und Fakten, dass bei einigen Teilnehmern bereits die Köpfe rauchten. Wie war das nochmal? 8,50 € Arbeitslose, 3 Millionen Mindestlohn und Rente ab 25? Auch dem geneigten Zuschauer dürfte etwas der Durchblick verlorengegangen sein. Verwirrende Diskussionsstränge konnten auch von Moderator Dieter Lintz nicht eingedämmt werden, obwohl er sich redlich bemühte auch die diffusesten Publikumsfragen verständlich zusammenzufassen.

Zimperlich gingen die Kandidaten an diesem Abend jedoch nicht gerade miteinander um. “Für jemanden, der noch nie eine Gehaltsabrechnung in der Hand hatte, ist es natürlich schwer zu verstehen, was Kalte Progression ist.” konstatierte FDP-Kandidat Henrick Meine in Richtung Grünen-Kandidatin Corinna Rüffer, die durch den Angriff sichtlich getroffen wurde. Auch Katarina Barley ließ Dampf ab. “Und da interessieren mich keine Studien”, polterte sie, als sie mit einer gegenteilig zu ihren vorherigen Aussagen gerichteten Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung konfrontiert wurde.
Als ein behinderter Zuschauer dann später Fragen bezüglich der Förderung von 400-€-Kräften für Behinderte stellte, rief sie sogar: “Nur weil sie da bei den Neoliberalen (gemeint waren offensichtlich Mitglieder der CDU) in einer Reihe sitzen”. Damit trübte sie gleich wieder ihre fachlich kompetenten Beiträge, mit denen sie ihrem direkten CDU-Gegenkandidaten Kaster lange Zeit in der Diskussion überlegen war.

Rundum bot die Veranstaltung aber vor allem in den Fachbereichen einen tiefen Einblick in die Wahlprogramme der verschiedenen Parteien und Kandidaten, die sich insgesamt gut vorbereitet und gewappnet für die harte Wahlkampfphase präsentierten. Offenbar nichts Neues bot die Diskussionsrunde für Sozialdezernentin Angelika Birk (Grüne), um deren Herzensthemen es eigentlich ging. Sie verbrachte den Großteil der Veranstaltung in der Tiefschlafphase. (ass)

 

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1 KOMMENTAR

  1. Es war eine durchaus gelungene Veranstaltung des Paritätischen Wohlfahrtverbandes. Das anwesende Publikum, welches sich überwiegend aus Fachleuten im sozialen Bereich zusammengesetzt hat, hat sehr wohl die genannten Zahlen und Fakten einordnen können. Wenn einem als Artikelschreiber dann der Kopf raucht, sollte man sich vielleicht besser in die Materie einarbeiten, oder mal die Augen schließen und sich auf das gesprochene Wort konzentrieren, anstatt Belangloses in den Vordergrund zu stellen. Aber vielleicht ist es ja auch nicht Ihre Absicht über die Inhalte der Parteien und die Positionen der Kandidaten zu informieren.
    Wer gestern nicht auf der Veranstaltung war und versucht sich durch diesen Artikel über das Geschehen zu informieren, wird gnadenlos enttäuscht. Ich kann nur jedem empfehlen, sich selbst ein Bild zu machen und das Gespräch mit den Kandidaten zu suchen.

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