Vermutlicher Sexualstraftäter schwer belastet

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    TRIER. Am heutigen Dienstag wurde der Prozess gegen einen 53 Jahre alten Mann aus Morbach am Trierer Landgericht fortgesetzt. Angeklagt ist er wegen sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen. Bereits am zweiten Verhandlungstag hatte sich sich der Freizeitmusiker als Opfer einer Verschwörung dargestellt. Zur heutigen Verhandlung wurden die Eltern des damals 12-jährigen Mädchens in den Zeugenstand geladen, eine Schulkameradin und die eigene Tochter des Angeklagten.

    Die heute 15-jährige J. kannte das Opfer nur aus der Schule. Näher befreundet waren sie nicht. Die Tatsache, dass das Opfer sich demzufolge einer mehr oder weniger fremden Person anvertraut hatte, statt ihrer Familie, sagt mehr als tausend Worte über die Folgen, an denen sie  als Missbrauchsopfer leidet.

    Die Gesamtschülerin J. sagte vor Gericht aus, dass sie das Mädchen aus ihrer Parallelklasse erst auf einer gemeinsamen Musikbandfahrt näher kennengelernt hat. Dort entdeckte sie auch die Ritzspuren an den Armen des Opfers. Mit viel Geduld und gutem Zureden öffnete sich das Opfer ihr auch. J. riet ihr, sich an einen Vertrauenslehrer und vor allem auch an die Eltern zu wenden, die unbedingt darüber Bescheid wissen sollten. Sie beschrieb das Opfer in der Schule als unauffällig und fröhlich.

    Auch die eigene Tochter des Angeklagten wurde vernommen – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ob sie ihren eigenen Vater belastet hat, blieb am heutigen Tag im Dunkeln.

     

    Mit einem undurchsichtigen Gesichtsausdruck betrat der Vater des Opfers anschließend den Gerichtssaal. Den Angeklagten würdigte er keines Blickes. H., den er durch seine damals von ihm getrennt lebende Frau und Tochter kennengelernt hatte, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem guten Freund der Familie. Die Familie des Opfers gestattete H. sogar, mietfrei in ihrer freistehenden Einliegerwohnung zu wohnen. Dass der Angeklagte eine besonders intensive und enge Freundschaft zu seiner Tochter gepflegt hat, ließ den Familienvater und seine Frau zunächst nicht misstrauisch werden. Der ungewöhnlich enge Kontakt und die vielen Geschenke, die der Angeklagte ihrer Tochter machte, bewerteten sie als „Gutmütigkeit und Verbundenheit durch die Leidenschaft zur Musik“, so der selbstständige Logistikunternehmer. Auch nachdem das Ehepaar verdächtige SMS auf dem Handy ihrer Tochter während ihres Urlaubs gelesen hatten, nämlich dass der Angeklagte das Opfer vermisse, konnte die Familie nicht weiter misstrauisch machen, da H. es verstand, ihre Verdachtsmomente zu zerstreuen. Erst durch die Schule erfuhr das Ehepaar die Wahrheit über die Beziehung zwischen ihrer Tochter und dem vermeintlich netten Nachbarn. Der Vater des Kindes räumte ein, damals „vielleicht etwas naiv“ gewesen zu sein.

    Die 42-jährige Mutter des Opfers schob stattdessen alle Verantwortung von sich. Sie sei machtlos gegen den Willen ihrer Tochter gewesen. Dass das Mädchen jeden Tag Zeit mit dem 40 Jahre älteren Mann verbrachte und beizeiten sogar bei ihm übernachtete, lag ihrer Meinung außerhalb ihres Machtbereichs. Da sie ein „harmoniebedürftiger“ Mensch sei, wollte sie dem Mädchen diese Freundschaft nicht verbieten. H. soll zudem eine außergewöhnlich beruhigende Wirkung auf die angespannte Familiensituation, sowie vor allem Mutter und Tochter geübt haben. Dass die Frau und dreifache Mutter ihre Tochter und H. einige Male bei Fußmassagen oder zweifelhaften Umarmungen erwischte, habe sie zwar beunruhigt – aktiv geworden ist sie daraufhin aber nicht. Auch die Bitte von H., die Kinder am Geburtstag des Mädchens mit zu sich nach Hause zu nehmen und bei sich übernachten zu lassen, gewährte sie ihm bereitwillig.

    Man sollte sich wirklich fragen, ob Eltern wirklich so blauäugig sein können um zu anzunehmen, dass solche „Freundschaften“ noch normal sein können.

    Die Verhandlung wird am morgigen Mittwoch (9 Uhr) fortgesetzt. (van)

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