„Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen“

0

TRIER. Am heuten Montag fand eine provokante Protestaktion der Tierrechtsorganisation PETA gegen den hohen und oftmals unreflektierten Fleischkonsum in der heutigen Zeit statt. Das Team mit Aktionskoordinator Patrique-Robert Noetzel hatte das Zentrum von Triers Fußgängerzone, die Fleischstraße, als Ort für den Protest gewählt. Auf den klassischen Informationsstand wurde verzichtet. Stattdessen griffen die Aktivisten zur Schocktherapie.

 

„Für den kurzen Genuss werden allein in Deutschland jedes Jahr mehrere Milliarden Tiere getötet. Die Tatsache, dass in der Fleischproduktion die Tiere häufig bei lebendigem Leibe gehäutet werden, wird von vielen Verbrauchern gänzlich ausgeblendet“, erklärt Patrique-Robert Noetzel, Aktionskoordinator bei PETA. „Die Initiative soll verdeutlichen, dass hinter jedem Stück Fleisch auf dem Teller ein Tier steckt, das ebenso fähig ist, Schmerz und Leid zu empfinden wie wir Menschen“, so Noetzel weiter.

Wenn Menschen eines gut können, dann ist es das Verdrängen unangenehmer Tatsachen. Genau das passiert, wenn unreflektiert und in hohem Maß Fleisch konsumiert wird. Kurz geht ein Aufschrei durch die Gesellschaft, wenn die Massenmedien mal wieder von Tierquälerei (Wiesenhof) oder unverhältnismäßig hohem Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung berichten. Dabei ist das nur die Spitze des Eisberges. Wachstumshormone sorgen dafür, dass der Fleischertrag und die Milchproduktion optimiert werden. Wer beispielsweise die Euter von freilebenden und gesunden Kühen mit solchen von Tieren aus der Massentierhaltung vergleicht, wird sich zweimal überlegen, ob er weiterhin Kuhmilch konsumiert. Allein in Deutschland leiden und sterben über drei Milliarden Tiere für die Intensivtierhaltung. Ohne Betäubung werden Rindern die Hörner abgesägt, Küken die Schnäbel gekürzt, Ferkeln die Eckzähne abgebrochen und die Schwänze abgeschnitten, Hühnern und Puten bei vollem Bewusstsein die Kehle durchgeschnitten.

Neben den ethischen und ernährungsphysiologischen Aspekten sind auch die ökologischen Auswirkungen des Fleischkonsums erschreckend: Laut UN-Welternährungsorganisation ist die Herstellung tierischer Produkte einer der Hauptverursacher der schlimmsten Umweltprobleme unserer Zeit, des CO-2-Ausstoßes und damit auch des Klimawandels. Das deutsche Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) kommt in einem Bericht aus dem Jahr 2008 zu dem Schluss, dass mit der Umstellung auf eine pflanzliche Ernährung über 40 Prozent der Treibhausgasemissionen eingespart werden können.

Die Fleischproduktion ist zudem extrem energieintensiv, denn ein Vielfaches des späteren Fleischgewinns wird zunächst in Form von pflanzlicher Nahrung an die Tiere verfüttert. Der sogenannte „Veredelungsverlust“ bei Rindfleisch ist eklatant: Um ein Kilogramm Fleisch zu produzieren, sind circa 16 Kilogramm Getreide erforderlich. Somit entsteht in der Fleischindustrie ein Energieverlust von circa 90 Prozent. Darüber hinaus wird der Regenwald zunehmend für neue Soja-Anbauflächen gerodet. Ungefähr 80% des Soja-Imports werden dabei mittlerweile weltweit als Viehfutter verwendet.

PETA versucht, durch ein schonungsloses und realitätsnahes Konzept die Aufmerksamkeit der Menschen zu erreichen und sie durch Konfrontation mit dem alltäglichen Wahnsinn der Fleischindustrie zu sensibilisieren: An einer gedeckten Tafel sitzen drei schockierte PETA-Unterstützer.  Vor ihnen liegt ein gehäuteter, abgetrennter Kuhkopf auf einem Silbertablett. Teller und Tischdecke sind mit Blutspritzern besudelt. Das Motto lautet „Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen“ – eine provokante und leider auch zutreffende Aktion. Denn: Was wie auf den Teller kommt, wird von den meisten Menschen leider nicht hinterfragt.

Die Verbraucher sind es gewohnt, Fleisch in Supermärkten und Discountern zu Niedrigstpreisen einzukaufen. Dabei machen sie sich jedoch die Wenigsten Gedanken darüber, wie viel Leid in jedem einzelnen Gramm steckt.

Letztlich ist die Fleischindustrie ein Spiegelbild unserer Gesellschaft: Gewinnmaximierung statt Mitgefühl und Unrechtsbewusstsein. (pm/tw)

 

TEILEN
Vorheriger ArtikelPolizei überwacht Schulwege
Nächster ArtikelTresor gestohlen

1 KOMMENTAR

  1. Und was ist mit Tieren die Tiere bei lebendigem Leib vertilgen??? Greift ihr hier auch ein?? Meint ihr wenn ich ne Tomate vom Strauch reiße tut ihr das nicht weh…. Es gibt echt Leute die gegen alle protestieren wollen 🙂 Der Mensch wurde nicht ohne Grund als „Allesfresser“ „erschaffen“
    Ich möchte mich hier aber auch ganz klar von Massentierhaltung und ähnlichem distanzieren!

  2. Wenn du dich von Massentierhaltung distanzierst isst du also keine Fleisch-, Milch- und Eiprodukte von Gaststätten oder sonstigen Lokalen/ Restaurants? Oder wie sieht deine Distanzierung von Massentierhaltung aus?

  3. Ich muss Thomas recht gegeben! Ich distanziere mich ebenfalls von Massentierhaltung und versuche meinen Fleischkonsum reduziert zu halten und einfach biologisch, ökologisch und sozial zu hinterfragen. Ich finde, die ganze radikale Veganszene, doch vorallem PeTA, sollte mit sehr kritischen Augen betrachtet werden! und Gleiches mit Gleichem, ist aus meiner Sicht äusserst biblisch! Da ich auf „GANZHEIT“ aus bin, „bete“ ich bei der Zubereitung von Fleisch und Gemüse gleichermaßen! Beides ist und war lebendig und ich muss beides mit dem gleichen Respekt behandeln!!! Bitte zu beachten, dass PeTA sowieso oft im negativ Focus steht und sich damit von selbst, die Hinterfragung der gesamten Organisation ergibt!

    http://www.consumerfreedom.com/issues/animal-rights/

    LG ich

  4. Um 1 kg Fleisch zu erzeugen, benötigt man 7–16 kg Getreide oder Sojabohnen. Dies kann ohne Übertreibung als die effektivste Form von Nahrungsmittelvernichtung bezeichnet werden. In den USA fressen die rund 8 Milliarden Schlachttiere 80% der Getreideernte. Bei den Sojabohnen dienen weltweit sogar 90% als Futtermittel. Rund ein Drittel des weltweit produzierten Getreides wird an Tiere verfüttert, um deren Fleisch zu essen. Würden z.B. die Amerikaner nur 10% weniger Fleisch essen, so könnte man mit dem dadurch eingesparten Getreide rund eine Milliarde Menschen vor dem Hungertod bewahren. Alle 3 Sekunden stirbt ein Kind an Unterernährung!!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.