Mit Verspätung auf Erfolgskurs

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TRIER. Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung haben es schwer auf dem Arbeitsmarkt. Sie verdienen im Durchschnitt deutlich weniger als Menschen mit einem Abschluss und sind weitaus häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als andere Arbeitnehmer. Deshalb unterstützen die Jobcenter und die Agentur für Arbeit über die Initiative „AusBILDUNG wird was – Spätstarter gesucht“ erwachsene Menschen auf ihrem Weg zum Berufsabschluss.

Der Arbeitsmarkt steckt mitten in einem tiefgreifenden Wandel. Während die demographische Entwicklung zur Folge hat, dass Unternehmen immer größere Schwierigkeiten haben, qualifiziertes Personal zu finden, sorgen Globalisierung und technischer Fortschritt dafür, dass es kaum noch Stellen für Ungelernte gibt. Damit drohe die Gefahr, dass Arbeitnehmer sich zunehmend in zwei Lager aufteilen, meint Heribert Wilhelmi, Leiter der Agentur für Arbeit Trier. „Diejenigen, die über fundiertes Fachwissen verfügen, werden von den Arbeitgebern umworben. Wer keine Ausbildung mitbringt, wird häufig nicht mehr gebraucht.“ Und: „Gering qualifizierte Menschen sind nicht nur viel stärker von Arbeitslosigkeit bedroht, sie haben auch große Schwierigkeiten, wieder dauerhaft Fuß zu fassen, wenn sie erst einmal arbeitslos sind.“

Die Arbeitsagenturen investieren deshalb nicht nur viel Kraft und Geld in die Aufgabe, möglichst allen Schulabgängern zu einer Ausbildung zu verhelfen und ihnen damit den Weg in ein erfolgreiches Berufsleben zu ebnen. Sie wollen sich auch verstärkt dafür einsetzen, ungelernte Kräfte zu qualifizieren – bis hin zum Berufsabschluss. Die „Initiative AusBILDUNG wird was“ hat dabei vor allem jene im Blick, die zwar eigentlich zu alt für eine Ausbildung sind, den größten Teil ihres Erwerbslebens aber noch vor sich haben.

Nach Ansicht des Experten gibt keine Alternative. „Vor einer oder zwei Generationen war es durchaus möglich, sein ganzes Berufsleben ungelernter Arbeiter zu bleiben und damit gut klarzukommen. Heute wird es immer schwerer, überhaupt Stellen für Kräfte ohne Prüfungszertifikat zu finden. Und in zehn oder zwanzig Jahren wird es noch viel weniger geben.“ Selbst für jene, die derzeit noch in Lohn und Brot sind, steigt demnach das Risiko, früher oder später arbeitslos zu werden.

Für jene, denen die schulischen Voraussetzungen für eine Ausbildung fehlen, suchen die Arbeitsvermittler gezielt nach niedrigschwelligen Alternativen, um auch sie auf dem Weg zu höherem Fachwissen zu unterstützen. Und die, die zwar könnten, aber nicht so richtig wollen, gilt es zu überzeugen. Unter Umständen müssen Vermittler, Kunde und Arbeitgeber dafür gemeinsam nach Lösungen für Probleme suchen, die eine Ausbildung mit sich bringt. Auch wenn das oft ein hohes Maß an Geduld und Kreativität erfordere, lohne sich der Aufwand für alle Beteiligten, meint Wilhelmi. „Am Ende gibt es schließlich nur Gewinner: Die jungen Leute bekommen eine berufliche Zukunft, auf die sie ihr Leben aufbauen können. Arbeitgeber kommen zu den dringend benötigten Fachkräften. Und die Gemeinschaft profitiert ohnehin von jedem, der nicht arbeitslos wird oder bleibt.“ (red/pm)

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