Film der Woche: Trance – Gefährliche Erinnerung

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TRIER. Im Broadway Filmtheater in Trier läuft seit dem 08.08. der Film „Trance – Gefährliche Erinnerung“. In seinem neusten Werk schickt Danny Boyle die Kinobesucher in die labyrinthartigen Tiefen des menschlichen Unterbewusstseins. Wie schon in seinem Science-Fiction Film „Sunshine“ vermischen sich zunehmend Realität und Fiktion und der Zuschauer wird zum Mitdenken aufgefordert. Genre-Fans und Rätselfreunde werden an dem Streifen Gefallen finden. 

Inhalt

Nach der Versteigerung eines wertvollen Gemäldes versuchen Diebe das mit 25 Millionen Pfund dotierte Kunstwerk zu stehlen. Auktionator Simon (James McAvoy) gelingt es, das Goya-Bild in Sicherheit zu bringen, bevor es den Ganoven in die Hände fällt.  Die Kriminellen fliehen ohne Beute, versetzen Simon im Eifer des Gefechts aber noch einen harten Schlag auf den Schädel. Als er das Bewusstsein wieder erlangt, kann er sich nicht mehr daran erinnern, wo er das Bild in Sicherheit gebracht hat. Er leidet an Amnesie. Kurze Zeit später begegnet er erneut den Räubern, die ebenfalls wissen wollen, wo er das Gemälde versteckt hat. Mit Hilfe einer Hypnotherapeutin soll die Erinnerung reaktiviert werden.

Kritik                                  

“Trance – Gefährliche Erinnerung“ ist ein Film, in dem nichts so ist, wie es zunächst scheint. Storys, in denen sich die vermeintliche Realität zunehmend auflöst, haben einen besonderen Reiz, fordern den Zuschauer aber auch zum Mitdenken heraus. Wer den Science-Fiction Streifen “Existenz“ von David Cronenberg oder den Thriller “Identität“ von James Mangold kennt, weiß grob, was ihn in Danny Boyles neuem Streifen erwartet. Der Star-Regisseur verzichtet vollständig auf übersinnliche Einflüsse. Er führt die Zuschauer in die Tiefen des menschlichen Unterbewusstseins und verlangt ihnen mit fortlaufender Dauer einiges ab. Immer dann wenn man glaubt, endlich verstanden zu haben, was zwischen der Hypnotherapeutin, den Ganoven und dem Protagonisten abläuft, kommt die nächste Wendung und es tauchen neue Fragezeichen über dem Kopf des Cineasten auf. Trotz der häufigen Wendungen gelingt es Boyle, die Geschichte nicht durch einen zu hohen Anspruch an den Zuschauer zu zerreißen. Anspruch ja, Überforderung nein. Neben der Lust, auch im Kino seinen Verstand für etwa 100 Minuten einzuschalten, sollte der Kinobesucher nicht allzu zart besaitet sein. Einige Szenen sind äußerst blutig und brutal.

Die Charaktere des Films gewinnen im Laufe der Zeit mehr und mehr an Vielschichtigkeit und Ambivalenz. Zählen die Figuren, die zunächst sympathisch und wohlgesonnen erscheinen tatsächlich zu den Guten? Solche oder ähnliche Fragen wird sich der Kinozuschauer in der zweiten Hälfte des Streifens mehrmals stellen. Selbst die Hypnotherapeutin, der es scheinbar lediglich darum geht, dem Hauptdarsteller beim Auffinden der verschütteten Erinnerung zu finden, wird zunehmend zwielichtiger.

Danny Boyle schuf mit “Trance – Gefährliche Erinnerung“ einen abwechslungsreichen, verschachtelten und anspruchsvollen Psychotrip. Freunde des Genres werden Gefallen an dem Film finden und anschließend sicher noch eine Zeit über dessen Inhalt diskutieren. Für diejenigen, die sich nur berieseln lassen wollen, ohne selbst mitzudenken, dürfte das Kinoerlebnis zu einem Reinfall werden. (tw)    

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