Industrie- und Handelskammer warnt vor Einzelhandelswettrüsten in der Region Trier

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TRIER. Aus der Sicht von Gutachtern könnten in der Region Trier mehr als 130 000 Quadratmeter Einzelhandelsverkaufsflächen zusätzlich geschaffen werden: ein Wert, der nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier in der Praxis nicht verträglich realisierbar ist. Die Kammer hat die aktuellen kommunalen Einzelhandelskonzepte beziehungsweise deren Entwurfsfassungen ausgewertet, die die Nachfrage- und Angebotssituation in den Kommunen darstellen und Empfehlungen für weitere Ansiedlungen von Geschäften geben.

Addiert wurden die gutachterlichen Berechnungen für die Standorte Bernkastel-Kues, Prüm, Wittlich, Gerolstein, Daun, Hermeskeil, Thalfang, Morbach, Neuerburg, Speicher, Traben-Trarbach und Bitburg. „Dabei sind die Verkaufsflächenspielräume für das Oberzentrum Trier und einige Mittel- und Grundzentren noch nicht einmal berücksichtigt“, erläutert IHK-Handelsreferentin Stephanie Illg. Rund 75 000 der 130 000 Quadratmeter entfallen auf innenstadt- und nahversorgungsrelevante Sortimente wie Bekleidung, Schuhe oder Lebensmittel.

„Für uns ist es kaum nachvollziehbar, dass alle kommunalen Einzelhandelskonzepte für die jeweilige Standortkommune weiteren Flächenbedarf feststellen. In der regionalen Gesamtschau kann diese Rechnung nicht aufgehen“, sagt IHK-Geschäftsführer Matthias Schmitt. Zum einen sei die Region Trier gerade im europäischen Vergleich bereits gut versorgt: Laut dem IHK-Handelsatlas sind 660 000 Quadratmeter Verkaufsfläche von größeren Geschäften belegt (ab 600 Quadratmeter). Die Vielzahl kleinerer Ladenlokale hinzugerechnet, geht die Kammer von einer Gesamtverkaufsfläche von gut 750 000 Quadratmetern aus. Kämen die von den Gutachten für möglich erachteten Verkaufsflächen hinzu, würde dies einen Zuwachs von etwa 20 Prozent bedeuten.

„Das brächte die regionale Einzelhandelsstrukur ins Wanken“, warnt Schmitt. Schon jetzt sei der stationäre Einzelhandel vielfach einem Verdrängungswettbewerb ausgesetzt – zum einen wegen der seit zwei Jahrzehnten stagnierenden Umsätze, zum anderen wegen des Booms des Online-Handels.

Zudem fehlt in vielen Innenstädten der regionalen Mittelzentren nach IHK-Einschätzung der Platz, um die berechneten zusätzlichen Verkaufsflächen von über 50 000 Quadratmetern rein innenstadtrelevanter Sortimente unterzubringen: „Für einzelne Mittelzentren werden zusätzliche Flächenpotenziale berechnet, die 50 bis nahezu 100 Prozent der bestehenden Verkaufsfläche entsprechen“, sagt Illg. Mögliche Folge: Geschäfte siedeln sich auf der grünen oder grauen Wiese an, „und in den Citylagen drohen vermehrt Leerstände“.

Die IHK sieht daher die Notwendigkeit, die vorliegenden kommunalen Einzelhandelskonzepte als Basis für einen regionalen Einzelhandelsdialog zu nutzen. „Wir müssen das mancherorts noch immer verbreitete Kirchturmdenken hinter uns lassen“, so Schmitt. Vor allem bei der Planung großer Ansiedlungen müssten auch benachbarte Kommunen wirklich mit ins Boot genommen werden, damit alle Potenziale ausgelotet werden und am Ende kein Standort auf der Verliererseite steht. Es gelte – wie auch von den Gutachten verschiedentlich angeregt –, die berechneten Flächenpotenziale maßvoll zu nutzen und die Anbieter von City-Sortimenten in die Innenstädte zu lenken. (pm/red)

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