Taktik des Sexualstraftäters fruchtet nicht

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TRIER. Am heutigen Donnerstag wurde der Prozess gegen einen 54 Jahre alten Mann aus dem Raum Neustadt an der Weinstraße wegen schweren sexuellen Missbrauchs an einem Säugling im Landgericht Trier fortgesetzt. Noch immer geht es um die Frage, ob der Angeklagte kinderpornographisches Material per E-Mail an Dritte verschickt haben soll.

Es ist eine scheinbar niemals enden wollende Geschichte. Angeklagt ist der Busfahrer C. aus Neustadt an der Weinstraße wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern. So soll er im Jahre 2007 in Gemeinschaft mit der bereits verurteilten Mutter eines damals zwei Monate alten Jungen sexuelle Handlungen an dem Säugling unternommen haben. Zudem sollen Fotos von der Tathandlung gemacht und an eine gesondert verfolgte Person weitergegeben worden sein. In vorherigen Prozesstagen hatte der Angeklagte bereits den Missbrauch gestanden. Dass er jedoch zudem kinderpornographisches Material verschickt haben soll, bestreitet er aber immer noch vehement ( lokalo berichtete: http://www.lokalo.de/artikel/37433/Neue-Beweisantraege-Prozess-wegen-sexuellem-Missbrauch-eines-Saeuglings-fortgesetzt#.UfqFL1NMa7k ).

Auch die Sicherstellung seines Computers und die E-Mail-Befunde mit eindeutig belastendem Inhalt konnten ihn bisher nicht zu einem Geständnis bewegen. „Das ist total bekloppt“, donnerte C. nachdem der Richter mehrere einschlägige E-Mails verlesen hatte. Er behauptet steif und fest, Opfer einer Intrige geworden zu sein. So soll sich nach seiner Darstellung nach ein unbekannter Dritter Zugriff zu seinem Computer, sowie seinen E-Mail-Accounts verschafft und über Jahre hinweg über diesen Weg Kontakt mit mehreren Frauen gehalten haben, in denen immer wieder pornographische Inhalte versendet worden seien.

Tatsächlich deutet vieles auf ein abgekartetes Spiel des Angeklagten hin. Immer wieder lässt er durch seinen Strafverteidiger Christian Hass neue Beweisanträge stellen, die seine Unschuld in der Hinsicht untermauern sollen. E-Mails die darauf hindeuten sollen, dass seine Ex-Freundin L. Drahtzieherin des Komplotts sei. Weitere Anträge gingen dahin, zu beweisen, dass die aufgetauchten DVDs mit pornographischem Inhalt, die vom Gericht begutachtet wurden, von einem unbekannten Dritten erstellt worden seien. Ein weiterer Versuch der Entlastung durch die Vernehmung von weiblichen Bekannten des Angeklagten verpuffte, Die Liste der vermeintlichen Beweise ist lang und die Länge des Prozesses für alle Beteiligten zermürbend.

„Das übersteigt unsere Geduld“, sagte Richter Albrecht Keimburg, der augenscheinlich nicht überzeugt ist von der Unschuld des Angeklagten und genervt scheint von dessen Versuchen, seine Unschuld zu beweisen. Dass ein Mann, der laut Zeugen und Beweismaterial Vorlieben für Fäkal-Sex, Sodomie, Pädophilie und Inzest hegt, sich über das Versenden von Kinderpornographie entrüstet und dies bestreitet, scheint ihm nicht glaubhaft genug zu sein.

Auch die Vorladung von Professor Hans Markowitz aus Bielefeld, Experte für Neuropsychologie, der den Einwand des Angeklagten im Großen und Ganzen bestätigt, dass sich das missbrauchte Kind im Laufe seiner Entwicklung nicht mehr an den Vorfall erinnern wird, konnte das Bild, das sich der Richter vom Angeklagten gemacht hat, nicht ändern. Für ihn und seine Kollegen sähe es aus, „als würde C. sich nicht für das Wohl des kleinen Jungen interessieren, sondern nur darum, eine möglichst niedrige Strafe zu erlangen.“ Auch das Angebot über einen Täter-Opfer-Ausgleich könne keinen Eindruck der Reue erwecken. Die Verhandlung wird am morgigen Freitag (9.00 Uhr) fortgesetzt. (van)

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