„Dää Lord von Trier Nord“ – Standing Ovations garantiert

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TRIER. „Pit“ (der Trierer Stadtpatron Petrus) meinte es gut mit den jeweils über 500 Zuschauern, die in den vergangenen Tagen die Darbietungen des kleinen Trierer Volkstheaters mit Standing Ovations honorierten. Im Brunnenhof-Innenhof und vor der illuminierten Porta spielte das Ensemble das Stück „Dää Lord von Trier Nord“, als hätte es nie etwas anderes getan.

Die eigentlichen Laienschauspieler zeigten unheimliche Bühnenpräsenz. Vor allem Helmut Leiendecker in der maßgeschneiderten Hauptrolle als „Bodo von dao Zementsbröck“, seines Zeichens „Dää Lord von Trier Nord“, überzeugte. Er schrieb das Stück gemeinsam mit seiner Ehefrau Birgit Leiendecker. Am meisten Applaus räumte jedoch Frank „Hoffi“ Hoffmann ab, der in einer Doppelrolle einerseits „et Kräutchie vun Wasserbellesch” und andererseits den „angsteinflößenden“ Wickinger jeweils mit herrlich authentischer Aussprache darbot.

Um das im Mittelalter spielende Stück in Gänze verstehen zu können, musste man allerdings nicht nur fließend Trierisch beherrschen, sondern vor allem die kleinen aber feinen Eigenarten der Trierer kennen. Vom „Promilleweg“ zwischen Zewen und Euren, über die Erdbeerleidenschaft der Zewener bis hin zu Urgesängen der „Zalaawener“. Aber selbst wer nicht jeden Witz, sondern nur „bissi“ verstand, der konnte schon alleine über die einfallsreiche und liebevoll ausgestaltete Geschichte schmunzeln. Da verbrüdern sich die eigentlich verfeindeten Ortsteile Triers wie „Kirenz“ oder „Ollewich“ angesichts der drohenden Gefahr durch die plündernden Wickinger zu „Eintracht Trier“. Mit dem Schlachtruf „All fir aanen, aanen fir allegoaren“ können sie gemeinsam den Feind aus dem hohen Norden dazu überreden, statt Trier das verfeindete Saarbrücken heimzusuchen. Auch fürs Herz hat das Stück Überraschungen parat. So finden die “grobschlächtijen” Prinzessinnen des Lords „Thyrsia“ (Elke Schönberger) und „Ambrosia“ (Gabi Hahn) nach einem Zaubertrank vom “Kräutchie aus Wasserbellesch” ihre große Liebe bei “Ritter Klaos vom Kirenzer Knibbchie” (Dieter Lehnertz) und “Prinz Hennerich von Ollewich” (Heinz Böse).

Auch der Sohn““Bartholomäus“ (Jörg Elenz), der aufgrund finanzieller Engpässe im Hause „Zementsbröck“ den Koch geben muss, findet seine Prinzessin: die Tochter (Natalie Trappen) des Kerkermeisters “Boggelchie” (Martin Franzen). Er ist es, der nach einer musikalisch erstklassigen Performance von „Smoke on the water“ überraschend zum rechtmäßigen König Triers gekürt wird und die verfeindeten Gemeinden vereinen kann. Eigentlich waren zu dieser Wahl die Hausherren angetreten. Allerdings beschäftigte sich „dää Lord von doa Franz-Georg-Stroaß“ nur mit seinem eigenen leiblichen Wohl. „Baronin Zilli von Zalaawen“ kannte keinen schöneren Ort als “Zalaawen” und „Ritter Klaos vom Kirenzer Knibbchie“ sang nur hilferufend „In Kirenz brennt et un et gitt kei Woasser“. Somit hatte sich jeder Anwärter disqualifiziert und nur „Bartholomäus“ setzte sich bei aufsteigendem Rauch über der „Musel“ durch.

Vor allem diese Szene bestach durch eine hochprofessionelle Kulisse aus Lichtspielen auf der Bühne und an der Porta. So war das Trierer Wahrzeichen zwischendurch sowohl in rot, blau als auch lila getaucht. Nicht nur die 500 zahlenden Gäste des dritten Aktes, sondern auch die „Zaungäste“ an der Begrenzungsmauer zum Porta-Platz in der Simeonstraße spendeten dem Ensemble nach der Rettung „von uns Trier“ minutenlangen Applaus. Alles in allem ein Event, das Trier in Zeiten fehlender Antikenfestspiele und „Brot und Spiele“ äußerst gut tut. Überlegungen zu einer häufigeren Bespielung der Porta durch das Kleine Volkstheater wiegelte Reiner Kuring, Zweiter Vorsitzender des Vereins zunächst einmal ab. Er hatte die technische Gesamtleitung inne und sprach von einem Kraftakt, der zu bewältigen war. Man darf jedoch gespannt sein, was die seit 1990 aktive Truppe in den nächsten Jahren noch plant. Vorsitzende Gabi Hahn versprach bei der Verabschiedung ironisch: „Nächst Joar spiele mer vielleicht vorm Duuhm.“ (cin)

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1 KOMMENTAR

  1. @reiner kuring:klasse Leistung , mit bescheidenen Mitteln gezeigt was alles mit und an diesem Monument machbar wäre! Hier könnte man mit überschaubaren kosten eine Attraktion schaffen, die sicherlich mehr werbewirksamkeit ausstrahlen würde als alle “ Brot und Spiele“ Veranstaltungen der letzten Jahre zusammen! Also Herr Kulturdezernent , packen sie es an!

  2. …es war einfach nur grandios und wenn man überlegt das es nur “ Laienschauspieler“ sind die mit unheimlich viel Herzblut an der Sache hängen und dabei sind und das bei solchen Temperaturen, da kann man nur sagen Hut ab vor dieser Gruppe. Was ich vermisst habe waren Mitglieder unseres Stadtvorstandes, der Grund könnte ja sein das sie der Trierer Sprache nicht mächtig sind und die oben beschriebenen Feinheiten nicht verstehen, schade, wäre vielleicht mal ein Besuch wert gewesen wenn man schon Brot und Spiele und solche Sachen absetzt. Wenn dann das „Kleine Volkstheater“ mal vor dem Dom spielen sollte könnte ich mir vorstellen das der Bischof es sich angeschaut hätte…

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