Fußball-Oberliga: Verschenkte Punkte – Salmrohr nur 1:1 gegen Mehring

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SALMROHR. Nach dem Schlusspfiff des Lokalderbys der Fußball-Oberliga zwischen dem FSV Salmrohr und dem SV Mehring hatten Binsenweisheiten Hochkonjunktur. Von „Tore sind im Fußball nun mal entscheidend“, über „wer seine Chancen nicht nutzt, wird bestraft“  bis zu „Fehler entscheiden Spiele“ war beim 1:1 (1:0) vor 1400 Zuschauern alles dabei. 14:2-Torchancen hatte der FSV herausgespielt, ging mit diesem Plus aber geradezu fahrlässig um.

Noch längst hatten nicht alle Besucher die Kasse des Salmtalstadions passiert, da führte der Favorit schon mit 1:0. Den Treffer erzielte der Beste im roten Trikot des Titelaspiranten, Murat Adigüzel. Der Neuzugang vom SVN Zweibrücken war ein ständiger Unruheherd in der Mehringer Abwehr, war jederzeit gefährlich, bediente aber auch seine Mitspieler glänzend und arbeitete auch noch nach hinten gut mit. Der 21-Jährige nutzte schon in der 4. Minute ein Zuspiel von Julian Bidon zur Führung. Es ist müßig, Überlegungen anzustellen, ob es dieses schnelle Tor war, das schon den Schlendrian bei den Gastgebern einleitete. Denn, auch wenn Mehrings Co-Trainer Erwin Bradasch, der die Moselaner in der Pressekonferenz vertrat, das anders sah – nach einer Viertelstunde hätte die Partie schon entschieden sein können, ja vielleicht sogar müssen. Denn bis dahin hatten Robin Mertinitz (7.), Daniel Petersch nach tollem Solo aber zu kunstvollem Abschluss (11.) und Alexander Adrian (15.) nach Zuspiel von Adigüzel drei glasklare Gelegenheiten vergeben und gleichzeitig auch Philipp Basquit, der zum besten Akteur der „Blau-Weißen“ avancierte, warm geschossen.

Wenig später war das Derby für den Ex-Salmrohrer Dino Toppmöller beendet – zumindest auf dem Feld. „Ich habe beim Antritt einen stechenden Schmerz im Oberschenkel gespürt, da wusste ich gleich, das war es für heute“, schilderte der Torjäger die Situation. Für ihn kam sein Bruder Tommy aufs Feld, der im gesamten Spiel jedoch nicht zu sehen war. Das galt im ersten Abschnitt für die gesamte Elf der Gäste, die spielerisch und im Tempo klar unterlegen waren und in der Vorwärtsbewegung kaum einen Ball an den Mitspieler brachten. Beim FSV ließ die Präzision aber auch mehr und mehr nach, dazu kamen eigensinnige Aktionen (Fabio Fuhs!), die meist zu Ballverlusten führten. Dennoch hatten die Hausherren noch zwei gute Gelegenheiten. Murat Adigüzel verfehlte nach eigener Balleroberung aus vollem Tempo heraus mit einem satten Schuss aus 23 m das Gehäuse nur knapp (34.) und nach zweifachem Doppelpass mit dem Türken scheiterte auch Robin Mertinitz fünf Minuten vor der Pause.

Und nach dem Wechsel ging es zunächst so weiter. Zweimal rettete Basquit gegen Adigüzel. Zunächst bei einem Kopfball mit einem Reflex (48.) und dann bei einem halbhohen Schuss (51.). Dann probierte sich nochmals Mertinitz nach einem weiten Einwurf von Matondo Makiadi (66.), aber auch er scheiterte an Basquit. Nach diesen vielen vergebenen Chancen wurde es auf den Rängen schon unruhig, zumindest in den Regionen, in denen überwiegend die Anhänger der Gastgeber vertreten waren, auch wenn von Mehring bis dahin keine echte Gefahr ausgegangen war.

Dann schoss Pascal Meschak einen kapitalen Bock. Er hatte lange, lange Zeit, vielleicht zu viel, aus der eigenen Hälfte einen Pass nach vorne zu spielen. Stattdessen trabte er auf Sebastian Ting zu, der erkämpfte sich den Ball, lief auf Sebastian Grub zu, der bis dahin keinen einzigen Ball zu halten hatte, und schloss mit einem satten Schuss ins kurze Eck ab. Obwohl die ganz große Dominanz nun nicht mehr zu spüren war, blieb Salmrohr Chef im Ring. Für Mertinitz (71.) und Bidon (73.) bei einer „Rückgabe“ war Basquit Endstation, wie auch bei einem Fischer-Kopfball (90.). Gegen Adigüzels Kopfstoß wäre er machtlos gewesen, aber der flog einen halben Meter am Pfosten vorbei.

Dann war Schluss im Salmtalstadion. Die Protagonisten in den roten Trikots sanken enttäuscht auf den Rasen, die in Blau tanzten ausgelassen. „Das haben die Jungs gut gemacht“, lobte „Toppi“, sie haben uns die Chance gegeben, wir haben sie genutzt.“ Zur Pressekonferenz erschien er nicht, „weil ich mich gleich behandeln lassen will.“ Es dauerte lange bis Vertreter Erwin Bradasch erschien, der nicht nur für seine Aussage vom „verdienten Resultat“ Kopfschütteln und Gemurre erntete, sondern auch für die Feststellung, dass nicht nur der Favorit gegen den Außenseiter gespielt habe, sondern „Salmrohr auch über den deutlich höheren Etat verfügt“.

Patrick Klyk sprach von einer großen Enttäuschung: „Meine Mannschaft hat Qualität, das hat man gesehen. Aber auch, dass uns die letzte Entschlossenheit, die Geilheit, gefehlt hat, das Ding machen zu wollen.“ Über den Fehler von Pascal Meschak hatte er sich „maßlos geärgert“, zu Adigüzel machte er eine bemerkenswerte Aussage: „Bezeichnend für seine Klasse ist, dass der gesamte Kader bei mir vorstellig geworden ist und seine Verpflichtung gefordert hat. Das habe ich in meiner Laufbahn noch nicht erlebt.“

Gustav Schulz, der verletzt zuschauen musste (Probleme an der Patellasehne) fällte sein Schlussurteil mit einer eigenen Logik: „So blöd es klingt, vielleicht ist es gut, dass wir den Dämpfer gleich im ersten Spiel bekommen haben. Jetzt muss jeder wissen, dass du mit links kein Spiel gewinnen kannst.“ (wir)

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