Führerschein trotz Epilepsie -– geht das?

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    TRIER. Die Diagnose Epilepsie bei Kindern ist für alle Beteiligten anfangs nicht einfach: Angefangen von der regelmäßigen Medikamenteneinnahme über die angemessene Freizeitgestaltung bis hin zu Vorurteilen im Umfeld stellen sie die Familien vor viele Fragen und Herausforderungen. Die famoses-Schulung in der Villa Kunterbunt informiert Kinder und Eltern und gibt Raum für alle Fragen rund um die Erkrankung.

    „Kann ich denn dann jemals selbst Auto fahren?“ Im August 2012 hat Kevin Zengerle beim Einkaufen einen epileptischen Anfall. Es ist seit Jahren wieder der erste. Für den Jungen, der die Diagnose Epilepsie bereits im ersten Lebensjahr erhielt, stellen sich nun eine Menge neue Fragen. Die Hoffnung, in naher Zukunft keine Medikamente mehr nehmen zu müssen, ist erst einmal vorbei. Bereits seit Beginn der Erkrankung wird Kevin im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen betreut, die meiste Zeit von Neuropädiaterin Dr. med. Christa Löhr-Nilles. Sie kennt die Fragen und Ängste von Familien mit epilepsiekranken Kindern.

    „„Leider bestehen immer noch viele Vorurteile gegen Epilepsiekranke bis hin zu einer Gleichstellung mit geistiger Behinderung,“ resümiert die Oberärztin die Probleme. „Dabei führt die überwiegende Mehrheit ein komplett normales Leben.“ Doch selbst bei Betroffenen und deren Familien besteht anfangs viel Unsicherheit, was Kinder mit Epilepsie dürfen und nicht dürfen. Dies ist für viele Eltern, die an der famoses-Schulung teilnehmen, einer der wichtigsten Punkte. Famoses ist derzeit das einzige Hilfsangebot für epilepsiekranke Kinder und deren Familien. Die Eltern erhalten in der zweitägigen Schulung alle medizinischen Informationen rund um die Diagnose Epilepsie. Die Kinder hingegen lernen auf spielerische Weise den Umgang mit der Erkrankung. Famoses steht für „„Modulares Schulungsprogramm Epilepsie für Familien“ und ist eine Abwandlung der bereits etablierten Moses-Schulung für Erwachsene mit Epilepsie.

    Auch um Informationen zum Thema Epilepsie und Führerschein zu erhalten, traf sich Kevin Zengerle mit seiner Mutter und sechs weiteren Familien am letzten Juniwochenende in der Villa Kunterbunt, dem Nachsorgezentrum für chronisch- und schwerstkranke Kinder am Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier. Verena Zengerle und die übrigen Eltern erhielten von Christa Löhr-Nilles und Diplom-Sozialpädagogin Christine Wirtz detailliert Auskunft über alle Aspekte des Lebens mit Epilepsie. Neben den fachlichen Informationen schätzen die Eltern aber besonders den Austausch mit anderen Betroffenen. „„Obwohl Kevin schon seit frühester Kindheit erkrankt ist, habe auch ich in der Schulung Neues über die verschiedenen Arten der Epilepsie gelernt“, berichtet Frau Zengerle. „„Außerdem war es toll, andere Eltern kennen zu lernen.“ Löhr-Nilles ergänzt: „„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es sowohl Eltern als auch Kindern sehr gut tut, andere Betroffene kennen zu lernen. Viele hatten vor der Schulung das Gefühl, sie seien die einzige Familie mit epilepsiekranken Kindern. Dabei betrifft Epilepsie rund ein Prozent der Bevölkerung.“ Gerade für Eltern, deren Kinder erst vor kurzem die Epilepsie-Diagnose erhalten haben, ist es sehr beruhigend, von einer erfahrenen Mutter zu hören, dass auch Kinder mit Epilepsie oftmals ein ganz normales Leben führen können und keine oder nur wenige spezielle Verbote notwendig sind. „Kevin hat die gleichen Verbote und Grenzen wie seine Geschwister. „Ich finde es wichtig, ihn nicht wie ein rohes Ei zu behandeln. Er darf ins Schwimmbad gehen, Fahrrad fahren und Computer spielen.“

    Während die Eltern sich gegenseitig mit Tipps versorgen, unternimmt Kevin zusammen mit den sechs weiteren Kindern unter der Anleitung von Heilpädagogin Gabi Holstein und Diplom-Psychologin Silke Krieger eine imaginäre Seereise, auf der sie spielerisch den verantwortungsvollen Umgang mit der Erkrankung lernen. Dazu gehört auch zu verstehen, was bei einem Anfall passiert. Dies lernen die Kinder auf der Vulkaninsel. Auf der Ferieninsel hingegen sprechen die Kinder darüber, wie sie ihren Mitschülern die Erkrankung erklären können und wie man Vorurteilen am besten begegnet. Das Erlernte setzen die Jungen und Mädchen am Ende der Schulung szenisch um und erklären den Eltern in einem kleinen Theaterstück, was bei der Einnahme der Medikamente im Körper geschieht und wie man bei einem epileptischen Anfall richtig reagiert. Und auch Kevins wichtigste Frage wird besprochen: Was ist denn nun mit dem Führerschein? Die Trainerinnen können beruhigen: auch mit Epilepsie darf man den Führerschein machen. Wichtig ist, dass man regelmäßig seine Medikamente nimmt und dadurch anfallsfrei bleibt.

    „Die Schulung leistet auf diese Weise einen wichtigen Beitrag zur Compliance, also zum therapiekonformen Verhalten. „Andere Angebote existieren in der Region Trier nicht“, stellt Löhr-Nilles klar. „„Die famoses-Schulung ist das einzige Angebot für epilepsiekranke Kinder!“ (pm/red)

     

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