Rekordverdächtiges Strafregister – Berufung ohne Erfolg

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TRIER. Am heutigen Dienstag wurde die Berufung gegen ein gemischtes Diebesduo vor dem Landgericht in Trier verhandelt. Dem Pärchen wird vorgeworfen, sich Zutritt zu einer Wohnung in Trier verschafft und dort mehrere Sachgegenstände und Bargeld entwendet zu haben.

Zusätzlich soll die Frau dem Mieter der Wohnung zuvor, während eines Streits, ein Küchenmesser in den Oberschenkel gerammt haben, woraufhin ihr Opfer ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Demnach wusste sie, dass sich zum Tatzeitpunkt niemand in der Wohnung aufhielt. In der letzten Verhandlung wurden beide Angeklagten für schuldig befunden. Der männliche Angeklagte G. wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt. Die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Stephanie Matthies, hatte gegen dieses Urteil Berufung eingelegt. Die weibliche Angeklagte H. war zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden und hatte selbst Berufung eingelegt. Heute entschied das Landgericht unter Vorsitz von Richter Albrecht Keimburg erneut über diese Anklage.

In der Berufungsverhandlung wurden neue Details über den Tathergang bekannt. Grund dafür war die Aussage eines 19-jährigen Zeugen. Der Auszubildende des Maler- und Lackiererhandwerks lieferte dem Gericht einige noch fehlende Puzzleteile. Er berichtete, dass er sich mit der Angeklagten und weiteren Freunden am Tag der Tat zunächst getroffen hatte. H. habe der Gruppe ihren Einbruchsplan vorgetragen. Der Zeuge, die Angeklagte und ein weiterer Bekannter machten sich später auf den Weg zur Wohnung. In der Stadt trafen sie zufällig den Angeklagten G, der bereits alkoholisiert war. Auch er wurde eingeweiht und begleitete die Gruppe zur Wohnung. Der Plan sah so aus, dass der 19-jährige Zeuge, zusammen mit der Angeklagten zunächst über ein Tor steigen sollte, um auf das Grundstück zu gelangen. G. sollte Schmiere stehen. Genau so wurde der Plan dann auch umgesetzt.

Um sich Zugang zu der Wohnung zu verschaffen, die sich im ersten Stock eines Mehrfamilienhauses befindet, benutzten die Diebe ein Fahrrad. Sie stiegen auf den Sattel und konnten von dort den Balkon erklimmen. Nach der Aussage des Zeugen stand die Balkontür offen. Sie drangen in die Wohnung ein und entwendeten einen Fernseher, einen Laptop und ungefähr 400 Euro.  Das Diebesgut überreichten sie dann zunächst dem Angeklagten, der noch immer vor dem Tor wartete. Danach, brachten sie die gestohlenen Sachen zunächst in die ehemalige Wohnung der Angeklagten, zu der sie immer noch einen Schlüssel besaß. Dort wurde die Beute aufgeteilt.

Um die Schuldfähigkeit von G. zu bewerten, der während der Tat alkoholisiert war, wurde auf ein psychiatrisch-forensisches Gutachten zurückgegriffen. Aus diesem ging hervor, dass der Angeklagte nach der Tat positiv auf THC, Benzodiazepine und Amphetamine getestet worden war. Außerdem hatte er ca. 12 Stunden nach dem Einbruch noch einen Blutalkoholwert von 0,8 Promille. Das ergab in der Rückrechnung einen Blutalkoholgehalt zur Tatzeit von ca. 2,5 Promille. Trotz dieses hohen Alkoholgehalts im Körper, blieb seine Motorik augenscheinlich nahezu unbeeinflusst. Andernfalls hätte er nicht mit zur Wohnung des Opfers gehen können. Unter dem Strich spricht das Gutachten von einer eingeschränkten, jedoch nicht von einer stark verminderten Schuldfähigkeit. Auch die Angeklagte H. hat ein Drogenproblem. Sie befindet sich derzeit in einer Therapie. Ob sie während der Tat unter Drogen gestanden hat, ist nicht mehr mit Sicherheit zu ermitteln.

Das Gericht musste auch noch die rechtliche Bewertung des Wohnungseinbruchsdiebstahls vornehmen. Um die Tat so einzustufen, muss sich mittels eines Hilfsmittels Zugang zum Anwesen verschafft werden. In den Augen der Staatsanwältin war diese Voraussetzung nach der heutigen Zeugenaussage gegeben, da ein Fahrrad benutzt wurde, um auf den Balkon zu gelangen.

In ihrem Plädoyer beantragte Matthies für G. eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und für H. eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Beiden Angeklagten kommt zu Gute, dass sie mehr oder weniger geständig waren. Hinzu kommt eine Enthemmung durch den Konsum von Alkohol und Drogen und die Tatsache, dass das Diebesgut keinen sonderlich hohen Wert hatte. Negativ zu bewerten sind die Vorstrafenregister beider Angeklagten. H. ist bereits fünfmal vorbestraft. In G´s Strafregister finden sich sogar 29 Einträge. „Herr G., das ist wirklich rekordverdächtig“, merkte der Vorsitzende Richter Albrecht Keimburg süffisant an.

Der Rechtsanwalt der Angeklagten H., Ralph Querbach aus Koblenz, plädierte für eine milde Strafe von einem Jahr auf Bewährung. „Meine Mandantin zeigte sich von Beginn an geständig. Außerdem hat sie von sich aus eine Therapie begonnen, um ihre Drogenproblematik in den Griff zu bekommen. Es wäre das falsche Zeichen, sie hinter Gitter zu bringen und sie aus der Behandlung herauszureißen“, so Querbach.

Der Rechtsanwalt des Angeklagten G., Sven Collet aus Trier, argumentierte mit der möglicherweise stark verminderten Schuldfähigkeit seines Mandanten, aufgrund des Alkoholpegels während der Tat. „Die Gesamtfreiheitsstrafe sollte ein Jahr nicht übersteigen“, betonte Collet.

Die Berufungen seitens der Staatsanwaltschaft (höhere Strafe für den Angeklagten G.) und der Angeklagten H. (geringere Strafe) wurden als unbegründet zurückgewiesen. „Eine Strafe von zwei Jahren für den Angeklagten G. wäre viel zu hoch. Der Diebstahl war nicht seine Idee und er hat das Grundstück nicht betreten. Außerdem war er zum Tatzeitpunkt stark alkoholisiert“, so Keimburg. Die Strafe von einem Jahr ohne Bewährung wurde aufrechterhalten. „Was die Angeklagte H. angeht, so zeigte sie sich zwar von Beginn an geständig, doch war sie die Drahtzieherin des Einbruchs. Hinzu kommt die stärker zu bewertende Körperverletzung. Eine verminderte Schuldfähigkeit während der Tat können wir ebenfalls nicht erkennen“, erläuterte der Richter. Auch in diesem Fall wurde das ursprüngliche Strafmaß von zwei Jahren auf Bewährung, mit der Auflage weiterhin regelmäßig eine Drogentherapie zu besuchen, aufrechterhalten. (tw)

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