Kritik an „Aktion Lebensrecht für alle e.V.“ – Feministische Aktion Trier bezieht Stellung

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TRIER. In den vergangenen Wochen berichtete lokalo ausgiebig vom Bündnis „Aktion Lebensrecht für alle e.V.“ und dessen Embryo-Verteilaktion. Nach der Stellungnahme des Bündnisses folgt nun eine kritische Gegendarstellung der Feministischen Aktion Trier (kurz: F.A.T.).

„Der Regionalverband „Aktion Lebensrecht für Alle e.V.“ war in den letzten Wochen immer wieder in den Schlagzeilen der Regionalpresse. Wir, die Feministische Aktion Trier (F.A.T.) haben uns bereits an der Zurschaustellung von Kinderschuhen empört und dagegen demonstriert. Nach der Stellungnahme von Michael Frisch von „Aktion Lebensrecht für Alle e.V.“ bei lokalo.de wollen wir eine klare Gegenposition beziehen und mit Fakten und Argumenten antworten.

Unsere Kritik enzündet sich zuallererst an der Art und Weise wie die AbtreibungsgegnerInnen vorgehen: das Aufstellen von Kinderschuhen mitten auf dem Marktplatz und das Erfinden von medizinischen Sachbeständen wie dem Post-Abortional Syndrom, macht noch keine Sachlichkeit aus. Dort wo Wissenschaftlichkeit fehlt, wird auf Emotionalität und christlich-fundamentalistische Argumentation gesetzt. Genauso auch geschehen beim Verschicken eines Plastik-Embryonen-Modells an 20.000 Trierer Haushalte. Angeblich soll es sich dabei um einen Embryo in der 10. Schwangerschaftswoche handeln. Abgesehen von der fragwürdigen Sensibilisierungstaktik entspricht dieses Modell nicht den biologischen Fakten: in der Realität ist ein Embryo in der 10. SSW nur rund 3 cm groß und hat weder klar ausgebildete Gliedmaßen noch Daumen, die es lutschen kann. Selbstverständlich möchten wir von auch keine anatomisch korrekten Plastikembryos zugeschickt bekommen, sondern nur aufzeigen, dass es sich dabei um Propaganda handelt.

Der eigentlich zentrale Punkt in der ganzen Debatte ist in unseren Augen jedoch nicht die Grenzziehung zwischen Leben und Nicht-Leben, sondern die Rolle und damit einhergehend der Körper der Frau. Dieser scheint in der Argumentationslinie von Menschen, die sich ironischerweise der sogenannten “Pro-Life-Bewegung“ zuordnen, gänzlich vergessen worden zu sein. Ein Embryo kann in den ersten 12 Schwangerschaftswochen, in denen ein Schwangerschaftsabbruch überhaupt straffrei möglich ist, nicht ohne Mutter und nicht außerhalb ihres Körpers leben. Somit ist der Embryo nicht als dritte Person zu denken, sondern als ein abhängiger Teil der Mutter.

Daher sollte der Fokus auf der Frau als vernunftbegabtem und mündigem Menschen liegen. Wer von Gleichberechtigung der Geschlechter spricht, sollte die Auffassung teilen, dass die Frau Entscheidungen über ihren eigenen Körper und ihr eigenes Leben selbst übernehmen kann. Wer das verneint, vertritt ein reaktionäres Weltbild. In diesem Weltbild taucht die Frau nur reduziert auf ihre Rolle als Mutter, und damit auf ihre Reproduktionstätigkeit, auf. Das bloße Besitzen einer Gebärmutter macht eine Frau somit nicht gleich zu einer Mutter.

Dass es der Aktion Lebensrecht für Alle e.V. in Wirklichkeit um das Wohl der Frauen geht, das glauben wir nicht. Wer Frauen das Recht auf Schwangerschaftsabbruch abspricht, ist in unseren Augen gewalttätig. Gewalttätig gegen die Rechte der Frau als Mensch und gewalttätig in der realen Konsequenz. Denn erst das Verbot und die Tabuisierung von Abtreibung führt zu traumatischen Erlebnissen, beispielsweise als Folge von unsicheren Abtreibungspraktiken. Es erscheint uns daher, dass hier gar nicht im Sinne von Pro Leben argumentiert wird, wie der Name andeutet. Denn dies würde ein selbstbestimmtes Dasein lebender Menschen und damit auch schwangerer Frauen bedeuten. Vielmehr geht es um eine moralisch aufgeladene, d.h. auf christlich-fundamentalistischer Grundlage basierende Diskussion, die sich auf Pro Geburt reduziert.

Wir fordern daher ein selbstbestimmtes Leben für und Solidarität mit Frauen, gleich welcher Herkunft, gleich welcher Klasse, gleich welche Entscheidung sie für sich treffen.“ (ass)

 

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1 KOMMENTAR

  1. Ist Euch Mitgliedern von F.A.T. wichtiger, dass die Frau in dieser Hinsicht selbstbestimmt handelt, als dass das Leben, das sie in sich trägt, seine Daseinsberechtigung erfüllt? Wieso sollte man das Recht haben, dieses Wesen zu töten?

    E.M.

  2. Die von F.A.T. angeführten „Fakten“ sind medizinisch längst korrigiert: Der Menschenembryo ist lt. Th. W. Sadler, „Medizinische Embryologie“, Thieme- Verlag,1998,9.überarbeitete Auflage, im Alter von 9-12 Wochen 5-8 cm groß! Ferner ist der Embryo kein „Teil der Mutter“, sondern hat ein eigenständiges Genom und folgt in seinem Wachstum dessen Entwicklungsvorgaben. Ferner verbleibt uns Menschen als sozialen Wesen eine lebenslange gewisse „Abhängigkeit“ vom Mitmenschen; der sog. Mutterinstinkt ist uns naturhaft vorgegeben.

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