Erst reißt die Saite, dann die Siegesserie

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TRIER. Im Halbfinale des 27. Bitburger Tennis-Grand-Prix auf der Anlage des TC Trier am Moselstadion ist die letzte deutsche Hoffnung im Halbfinale ausgeschieden. Kevin Kaczynski scheiterte beim 6:1, 4:6, 4:6 gegen Petar Trendafilov mehr an sich selbst und auch am Pech, als an seinem Gegner. Der Sieger trifft im Finale am heutigen Samstag (14 Uhr) auf den an Nummer Eins gesetzten Belgier Yannick Mertens, der Tihomir Grozdanov (ebenfalls Bulgarien) mit 7:5, 3:6, 6:3 ausschaltete.

Eine Stunde vor dem Match ist der 19-jährige Kevin Kaczynski noch ganz entspannt. „Egal, wie das Spiel ausgeht, ich kann schon jetzt mit dieser Woche zufrieden sein, weil ich in der Weltrangliste rund 500 Plätze gut gemacht habe“, sagt der Nordrhein-Westfale, der schon erste Rückschläge hat hinnehmen müssen. Vor zwei Jahren stand er schon mal auf Rang 980 der Weltrangliste, verlor dann viele Plätze, weil er auf Weisung des DTB Juniorenturniere spielen musste, die ihn immerhin bis auf den 22. Platz in der Welt brachten, „obwohl ich bei den Grand Slams nicht sonderlich gut war.“ Die Juniorenturniere kosteten ihn einen früheren Aufstieg bei den Männern, noch mehr aber eine Verletzung im Bereich der Patellasehne. „Da war er auch zu ungeduldig, hat zu früh zu viel gewollt“, sagt Mutter Monika, eine Physiotherapeutin, die ihn in Trier anstelle seines Vaters Marek betreut. Dass Frau Kaczynski beim Turnier in Trier gerne dabei ist, hat auch mit ihrer eigenen Geschichte zu tun. Ihr Vater Stanislav Kubiak ist hier geboren.

So kommt es, dass Mutter und Tochter in der Freizeit auf Spurensuche waren und festgestellt haben: „Trier ist eine sehr schöne, historisch hoch interessante und lebenswerte Stadt.“ Schön und erfolgreich war auch das Turnier für Kevin, obwohl er nach dem letzten Ballwechsel verständlicherweise die gute Laune verloren hatte. Beim Spielball zum 5:3 im zweiten Satz war ihm die Seite gerissen. Trendafilov schaffte das Rebreak und gewann anschließend noch fünf Spiele in Serie. Kaczynski kämpfte sich aus fast aussichtsloser Position zurück, unterlag aber letztendlich, weil er in den entscheidenden Situationen zu viele Leichtsinnsfehler produzierte. Ohne despektierlich zu sein – das größere Potenzial der beiden Kontrahenten hat zweifellos der Deutsche, allein schon deswegen weil er fast zehn Jahre jünger ist.

„Mindestens drei Jahre“ will sich der 19-Jährige aus Ahaus, der die Qualifkation beim 27. Bitburger Tennis Grand Prix dank einer Wildcard des DTB umging, zunächst einmal Zeit geben, um für sich selbst festzustellen, ob es für eine Profikarriere reicht. „Wenn nicht, dann will ich nach dem Abi irgendwas mit Sport machen. Im Büro sitzen ist jedenfalls nichts für mich.“

Selbstkritisch genug, sieht er auch noch viele Baustellen bei seinem Spiel, die es zu beseitigen gilt. Richtig zufrieden ist er grundsätzlich mit seinem Aufschlag und der Vorhand, die er meist mit viel Spin und Wucht schlägt. „Der Return ist solide, die Beinarbeit könnte besser sein, bei der Rückhand ist am meisten Luft nach oben.“ Mit einer Körpergröße von 192 cm bei 80 kg Gewicht sind die körperlichen Voraussetzungen gut, um im Profizirkus Fuß zu fassen. Von der langen verletzungsbedingten Pause hat er sich komplett erholt, „auch mental.“ Und mehr und mehr findet er auch den Rhythmus, um wieder richtig anzugreifen. „Vielleicht sehen wir uns ja im nächsten Jahr wieder“, sagt er, verschwitzt und noch mit hängendem Kopf auf dem Stuhl sitzend. Aber vielleicht spielt er ja dann schon Challenger-Turniere? „Das wäre toll“, antwortet Kevin, der Rafael Nadal als sein Idol bezeichnet, „aber, wenn nicht, komme ich auf jeden Fall gerne wieder, weil dieses Turnier für ein Future schon außergewöhnlich gute Voraussetzungen und ein tolles Umfeld bietet.“

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