Film der Woche: „We Steal Secrets: Die WikiLeaks Geschichte“

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TRIER. Unser Redakteur Thomas Weide hat sich „We Steal Secrets: Die WikiLeaks Geschichte“ im Broadway Filmtheater Trier angeschaut. Er beschreibt den Streifen als einen Dokumentationsfilm mit Zügen eines Polit-Thrillers. Einen besseren Zeitpunkt für die deutsche Erstausstrahlung hätte es kaum geben können, da viele Menschen erst neulich durch das Thema “Edward Snowden“ mit Fragen über das Vorgehen von Geheimdiensten und die Wahrheit der Berichterstattung von Massenmedien konfrontiert wurden. Der Film greift das gleiche Thema auf, geht aber noch etwas darüber hinaus, indem er den Begründer der Nachrichtenplattform WikiLeaks und einen seiner Informanten in den Mittelpunkt rückt. Mit 130 Minuten ist der Streifen zwar etwas lang, versteht es aber geschickt, den Zuschauer zum Nachdenken anzuregen.

Inhalt

Der Australier Julian Assange ist Begründer der Nachrichten-Plattform WikiLeaks. Als auf dem Portal streng vertrauliche Militärdokumente veröffentlicht und der globalen Bevölkerung zugänglich gemacht wurden, explodierte das Medieninteresse. Kurze Zeit später war der Australier weltweit bekannt.

Die Dokumente erhielt Assange von dem damals 22-jährigen amerikanischen Soldaten Bradely Manning, der sich in einem starken Interessenkonflikt befand. Sollte er die Daten der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen und damit im schlimmsten Fall die Todesstrafe riskieren, oder sollte er schweigen, um keine Konsequenzen befürchten zu müssen? Er wählte die erste Variante und löste damit weltweit eine Lawine der Empörung aus.

Die Dateien zeigten das Verhalten des US-Militärs während der Kriegseinsätze im Nahen Osten. Durch die Veröffentlichung seitens Assange auf WikiLeaks, manövrierte er sich in die politische Schusslinie.

Kritik

Die heutige Zeit wäre ohne das Informationsmedium Internet nicht mehr denkbar. Das globale, digitale Supernetzwerk eröffnete neue Arten der Kommunikation und stellte Wissen für jedermann zur Verfügung. Heutzutage ist keiner mehr ausschließlich auf die Meldungen der Massenmedien angewiesen. Mit ein paar Klicks können weiterführende Artikel im World-Wide-Web recherchiert werden. Das Internet hat unsere Informationskultur liberalisiert. Nun ist es auch Einzelpersonen möglich, die über ein begrenztes Budget verfügen, sich Gehör zu verschaffen. Dies bringt auch die Gefahr mit sich, dass viel Unrichtiges oder Halbwahres in Umlauf gerät. Auch können bestimmte Informationen der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, die von den mächtigen Personen dieser Welt lieber verschwiegen werden.

Insbesondere die Geheimdienste wie die CIA, NSA und die Nachrichtendienste haben ein Interesse daran, nur ausgewählte Informationen bekannt zu geben. Durch gezielte Desinformationen und Steuerung der Berichterstattungen sorgen sie Behörden dafür, dass wir ein bestimmtes Bild von der Realität vermittelt bekommen. Dieses Vorgehen funktioniert genau so lange, bis die Wahrheit ans Licht kommt.

Den Gründer von WikiLeaks gelang es, den mächtigen Organisationen eine peinliche Blamage zuzufügen. Durch das Veröffentlichen von Text-, Bild- und Videomaterial über Folterungen, Misshandlungen und kriegslüsterne Soldaten, die amüsiert Zivilsten hinrichten und makabere Sprüche klopfen, erhielt die breite Masse ein neues Bild über das Kriegsvorgehen der USA. Die Hetzjagd auf Assange war spätestens jetzt eröffnet.

Der Dokumentationsfilm hat Züge eines Polit-Thrillers, die sich um die Themen Privatsphäre, Transparenz und Wahrheitssuche dreht. Zunächst stellt der Regisseur Alex Gibney die Argumente der Geheimnisbewahrer und –enthüller gegenüber. Im Laufe des Films geht die Neutralität etwas verloren und wandelt sich zu einer Verunglimpfung Assanges und des Soldaten Bradley Manning. Der Gefreite war es, von dem Assange knapp eine Viertelmillion geheimer Dokumente zugesandt bekam.

Der Regisseur zeigt den Zuschauern in über zwei Stunden eine große Menge an biographischem Material über Assange und Manning. Er lässt auch ehemalige Freunde und Kollegen zu Wort kommen. Im letzten Drittel des Films stellt Gibney Assange als Nerd dar, der durch das steigende Medieninteresse regelrecht zu einem Superstar avancierte. An diesem Status berauschte er sich scheinbar so stark, dass er sich bald auch wie ein Rockstar verhielt. Im Film werden vermeintliche sexuelle Übergriffe seinerseits und die Frage nach der Geschlechtsidentifikation von Manning thematisiert. Dabei wird man das Gefühl nicht los, dass der Regisseur “Füllmaterial“ brauchte, um die gewünschte Filmlänge zu erreichen. Die Frage, ob Assange und Manning im Sinne des Gemeinwohles handelten bleibt offen. Das bietet dem Zuschauer die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild zu machen und zu bewerten, ob WikiLeaks der Menschheit einen Gefallen getan oder einen Bärendienst erwiesen hat. (tw)

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