Neue Beweisanträge: Prozess wegen sexuellem Missbrauch eines Säuglings fortgesetzt

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TRIER. Am heutigen Donnerstag wurde der Prozess gegen einen 54-jährigen Mann vor dem Landgericht Trier fortgesetzt (lokalo berichtete). Die Anklage lautet: Sexuelle Handlungen an einem Säugling. Im Mittelpunkt der Verhandlung standen die Entscheidungen der großen Jugendstrafkammer bezüglich diverser Beweisanträge der Verteidigung.

Angeklagt ist ein 54 Jahre alter Mann (C.) aus dem Raum Neustadt an der Weinstraße. Zur mutmaßlichen Tatzeit im Jahr 2007 führte er mit einer Frau eine sexuelle Beziehung. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, im Jahr 2007 an seinem Wohnort, zusammen mit seiner ehemaligen Partnerin, sexuelle Handlungen an dem damals gerade geborenen männlichen Säugling der Frau vorgenommen zu haben. Die Frau wurde bereits im letzten Monat zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren auf Bewährung verurteilt. Von dem Missbrauch sollen sie auch Lichtbilder gefertigt und auf einer DVD abgespeichert haben. Diese DVD solle auch an eine gesondert verfolgte Person weitergegeben worden sein. Der Angeklagte ist einmal nicht einschlägig vorbestraft. C. gestand bereits den sexuellen Missbrauch des Säuglings. Nun geht es noch um die Frage, ob er Emails mit kinderpornographischem Material an seine ehemalige Sex-Partnerin geschickt hat, was er bestreitet. Der Angeklagte behauptet, Opfer einer Intrige geworden zu sein. Eine seiner ehemaligen Partnerinnen soll die besagte Email von seiner Email-Adresse aus verschickt haben und daraufhin eine anonyme Anzeige gestellt haben. In der heutigen Verhandlung teilte die große Jugendstrafkammer, um den Vorsitzenden Richter Albrecht Keimburg, ihre Entscheidungen bzgl. der eingereichten Beweisanträge der Strafverteidigung, in Person von Christian Hass, mit:

Beweisantrag 1: Erstellung eines physiologisch-psychologischen Gutachtens.

Zum Zeitpunkt des Missbrauchs war das Opfer zwei Monate alt. Der Anwalt argumentierte damit, dass sich das Kind im Laufe seiner Entwicklung nicht mehr an den Vorfall erinnern würde. Dies begründete er mit der Tatsache, dass die Gehirnentwicklung erst im Alter von drei Jahren abgeschlossen ist. Demnach war zum Tatzeitpunkt das autobiographische Gedächtnis, welches persönliche Erlebnisse abspeichert, noch nicht entwickelt. Das Gericht entsprach dem Antrag und wird für einen weiteren Verhandlungstermin im August einen Professor für physiologische Psychologie laden.

Beweisantrag 2: Ladung von zwei weiteren Zeugen
Es sollen zwei weitere Zeugen geladen werden, die Hinweise über die Unschuld von C. liefern können. Bei der einen Frau handelt es sich um eine Bekannte des Angeklagten. Vor längerer Zeit traf er sie in einer Bäckerei. Zufällig war seine ehemalige Partnerin, die er der Intrige bezichtigt, auch anwesend. C. soll seine Ex-Freundin gefragt haben, warum sie ihn angezeigt habe. Daraufhin soll die Frau mit den Worten geantwortet haben: „Weil du es verdienst.“ Die Bekannte von C. soll das gehört haben und vor Gericht bestätigen. Bei der anderen Zeugin handelt es sich um eine gute Freundin des Angeklagten, die derzeit in Österreich lebt. Sie könnte bestätigen, dass mehrere Personen Zugang zum PC von C. hatten und auch über sein Emailkonto Nachrichten verschicken konnten. Dem Antrag wurde zugestimmt. Nun muss noch geklärt werden, ob die Österreicherin extra nach Trier kommen muss oder ob es Alternativen gibt (z.B. die Befragung auf einer Polizeiwache in ihrer Nähe).

Beweisantrag 3: Einholung eines kriminologischen und graphologischen Gutachtens. Auf einer beschrifteten CD, die beim Angeklagten gefunden wurde, fand sich kinderpornographisches Material. C. bestreitet vehement, dass der Datenträger ihm gehöre und vermutet, Opfer einer Intrige geworden zu sein. Demnach soll seine ehemalige Lebensgefährtin alles versuchen, ihn hinter Gitter zu bringen. Als Auslöser führt C. zum einen die Eifersucht gegenüber anderen Frauen an. Zum anderen soll seine Ex-Freundin in Erfahrung gebracht haben, dass sich C. sexuell an einem Säugling vergangen haben soll. Durch ein kriminologisches Gutachten könnten die Fingerabdrücke, sowie mögliche DNA-Spuren auf der CD untersucht werden. Mithilfe des graphologischen Gutachtens kann eine Aussage über die Deckungsgleichheit der Schrift auf dem Datenträger und der Handschrift des Angeklagten gemacht werden. Dieser Antrag wurde abgelehnt, da er dem Gericht als ungeeignet erscheint. „Bei der Hausdurchsuchung trugen die Polizisten nicht durchgehend Handschuhe“, argumentierte Keimburg. Selbst wenn keine Fingerabdrücke des Angeklagten auf der CD gefunden werden, hieße das nicht, dass er die CD nicht tatsächlich in den Händen hatte. Seine Abdrücke könnten durch die der Polizisten überdeckt worden sein. Das graphologische Gutachten wurde aus dem Grund abgelehnt, weil die CD nur mit der Ziffer 3 beschriftet wurde. Um zu einer konkreten Aussage über den Urheber zu gelangen, ist wesentlich mehr Schriftmaterial notwendig.

Beweisantrag 4: Kontrolle des Fahrtenschreibers eines Omnibusses
Dem Angeklagten wird von der Kammer um den Vorsitzenden Richter Albrecht Keimburg vorgehalten, der Angeklagten B. kindepornographisches Material über das Internet zugeschickt zu haben. Zu der Zeit, als der Angeklagte noch nicht in Untersuchungshaft saß, war er, neben seiner Arbeit für ein Kosmetikunternehmen, als Busfahrer tätig. An dem Tag als die E-Mail verschickt wurde, befand er sich laut eigener Aussage am Steuer eines Busses. Dies könnte bei Vorlage der Tachoscheiben nachgewiesen werden. Das Gericht nahm die Tachoscheibe als Beweismittel in die Verhandlung auf.

Die Verhandlung wird am 29.07.2013 fortgesetzt. (tw)

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