5 Jahre Freiheitsstrafe wegen sexuellen Kindesmissbrauchs

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TRIER. Am heutigen Dienstag wurde ein 48 Jahre alter Mann aus der Nähe von Bernkastel-Kues vom Landgericht Trier zu 5 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Der Beklagte gestand, im Zeitraum von Frühjahr 2003 bis Januar 2013 an seiner 1999 geborenen Nichte sexuelle Handlungen vorgenommen zu haben. Er räumte alle Schuldvorwürfe seitens der Staatsanwaltschaft ein. Das schnelle Geständnis verkürzte den Prozess ungemein und wirkte sich zu Gunsten des Angeklagten aus.

B., einem 48-jährigen Mann aus einem Dorf in der Nähe von Bernkastel-Kues wurden insgesamt 74 Fälle zur Last gelegt. Teilweise soll B. sexuelle Handlungen an dem Mädchen vorgenommen oder sie veranlasst haben, sexuelle Handlungen an ihm vorzunehmen. Bei dem Angeklagten handelt es sich um den Patenonkel des Mädchens, der bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten. Er befindet sich in Untersuchungshaft.

Er hat sich im Ermittlungsverfahren weitgehend geständig eingelassen. Auch während des heutigen Gerichtprozesses gestand der Angeklagte die Taten. Er berichtete darüber, dass er seine Nichte zum ersten Mal während eines gemeinsamen Urlaubs im Disneyland Paris sexuell missbraucht hatte. Zu diesem Zeitpunkt war das Mädchen vier Jahre alt gewesen. Von da an gab es regelmäßige Missbrauchshandlungen. „Mindestens zwei Mal im Monat“, antwortete B. auf die Frage des Richters nach der konkreten Häufigkeit seiner Handlungen befragt. Das Opfer wohnte nur knapp 300 Meter von dem Angeklagten entfernt. Aus diesem Grund sah man sich regelmäßig. „Allerdings ist es nicht immer zu intimen Handlungen gekommen“, so B. Trotz der kurzen Distanz zwischen beiden Wohnungen, übernachtete das Mädchen hin und wieder bei ihrem Patenonkel. Beide schliefen dann in einem Bett.

Der Angeklagte lockte das Kind mit Geschenken und Vergünstigungen. So konnte sie bei ihm den Disney-Channel schauen, der zu Hause nicht freigeschaltet war. Wenn sie Geld brauchte, konnte sie auch jederzeit zu ihrem Patenonkel gehen. Auch Urlaube, wie z.B. mehrere USA-Reisen, waren keine Seltenheit.

Für die Mutter, die als Zeugin aussagte, war die Tatsache, dass ihre Tochter häufiger mit ihrem Patenonkel zusammen im gleichen Bett schlief kein Grund zur Sorge. „Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass er zu so einer solchen Tat in der Lage ist.“ Weiter berichtete sie, dass ihr Schwager bis zum heutigen Tage noch keine Beziehung zu einer Frau hatte. Aufgrund eines Sprachfehlers glaubte er für Frauen uninteressant zu sein. Laut Richter Keimburg hätten gerade angesichts dieser Tatsache alle Alarmglocken läuten sollen. „Er hatte noch keine Freundin, sie schicken ihre Tochter dahin und lassen sie zusammen mit ihm in einem Bett schlafen“, stellte Keimburg irritiert fest. „Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Ich hätte ihm das niemals zugetraut“, entgegnete die Zeugin. Abschließend berichtete sie darüber, dass ihre Tochter wegen starker Aggressionen und Problemen in der Schule in psychotherapeutischer Behandlung ist.

Die psychiatrische Sachverständige Dr. Anette Korte führte in ihrem Gutachten aus, dass es sich bei B. nicht um den klassischen pädophilen Straftäter handelt. Vielmehr seien die Missbräuche als sexuelle Ersatzhandlungen zu verstehen. In ihrem Gutachten erläuterte sie die Schwierigkeiten des Angeklagten im Hinblick auf Frauen. „Er berichtete mir in einer Sitzung von starken Ängsten im Umgang mit Frauen. Diese brachte er mit seinem Sprachfehler in Verbindung.“ Für die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung reichen diese Symptome nicht. Es seien jedoch vermeidend-ängstliche und abhängige Tendenzen zu erkennen.

Staatsanwalt Stéphane Parent plädierte auf eine Gesamtfreiheitsstrafe von 5 Jahren. Dieses milde Urteil, verdankt B. in erster Linie seinem frühen Geständnis und der damit verbundenen Tatsache, dass er es seiner Nichte erspart hat, vor Gericht aussagen zu müssen. Verteidigerin Martha Schwiering schloss sich dem Antrag der Staatsanwaltschaft an.

Das Gericht folgte den Anträgen beider Parteien an und verurteilte B. wegen 74 Fällen des schweren sexuellen Kindesmissbrauchs und 3 Fällen des sexuellen Kindesmissbrauchs zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 5 Jahren. (tw)

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