Mangelware barrierefreier Wohnraum

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TRIER. Miserables Zeugnis für den Trierer Wohnungsmarkt- zumindest in puncto barrierefreies Wohnen. Dies ergab eine Umfrage, deren Ergebnis der Beirat für Menschen mit Behinderung heute vorstellte. Gerade einmal vier Prozent der Genossenschaftswohnungen sind barrierefrei ausgebaut.

„Ich kenne Fälle, da sind die Leute regelrecht in ihrer Wohnung eingesperrt. Wenn sie raus möchten, muss der Partner sie durch das Treppenhaus tragen.“ Nancy Poser vom Beirat für Menschen mit Behinderung in Trier veranschaulicht das Problem. Nur wenige Wohungen sind geeignet für Menschen mit Behinderung, vor allem für jene mit einer Gehbehinderung. 5.598 Menschen in der Stadt Trier verfügen derzeit über einen Schwerbehindertenausweis mit der Kennzeichnung „G“ für gehbehindert. Demgegenüber stehen gerade einmal 268 barrierefreie Wohnungen, die im Besitz von Wohnungsgenossenschaften bzw. -Gesellschaften sind. Gemessen am Gesamtbestand sind das gerade einmal vier Prozent. „Der Mangel ist eklatant“, so Poser. Diese Zahlen sind Ergebnis einer Umfrage, die der Beirat für Menschen mit Behinderung an zehn Genossenschaften und kommerzielle Anbieter von Wohnraum in der Stadt richtete. Drei der Befragten blieben eine Antwort bis heute schuldig.

Kein vorrangiges Thema 

Das Thema barrierefreier Wohnraum scheint den Ergebnissen der Umfrage zufolge keine Priorität zu haben. „Die GBT – Wohnungsbau und Treuhand AG zum Beispiel hat das auf dem Plan, andere Themen wie die energetische Sanierung der Bauten haben aber Vorrang“, erläutert Michael Bohle, Architekt und ebenfalls Mitglied im Beirat für Menschen mit Behinderung. Für kommerzielle Anbieter von Wohnraum sei dies nachvollziehbar: „Der Rollstuhlfahrer ist in der Regel nicht der zahlungskräftigste Kunde“, sagt Bohle. Barrierefreies Bauen sei deshalb für Investoren wenig reizvoll. 

Barrierearmes Bauen muss nicht teuer sein

Aber Menschen mit Behinderung sind gerade auf Wohnungsgenossenschaften- und Gesellschaften angewiesen. Private Mietangebote bezögen sich meist auf Altbauten, die oft gänzlich ungeeignet für gehbehinderte Menschen seien. Der Beirat sieht deshalb noch viel Aufklärungsarbeit auf sich zu kommen. Man müsse ein Bewusstsein schaffen, bei den Gesellschaften- aber auch bei Architekten. Gerade bei Neubauten sein ein barriererfreier Ausbau oft nur unwesentlich teurer als die „normale“ Bauweise: „Man könnte theoretisch ja alle neuen Wohungen barrierearm planen, ohne gravierende Mehrkosten“, sagt Poser.Der Beirat sieht in Bezug auf die Problemstellung aber nicht nur die Genossenschaften und die Bauherren in der Pflicht. Auch Land und Kommune müssten ihren Teil beitragen, um die Situation künftig zu verbessern. Etwa was die Fördermöglichkeiten für Bauherren betrifft: „Zinsvergünstigungen sind kein Anreiz, Kreditzinsen sind im Moment ohnehin niedrig. Zuschüsse für barrierefreie Projekte wären besser“, so Poser. Die Kommune könne helfen, in dem sie zum Beispiel solche Projekte bei der Vergabe städtischer Grundstücke bevorzugt. 

Keine „Ghettoisierung“

Anfragen nach barrierefreie Wohnraum werden bislang oft auf das bereits größtenteils ausgebaute Schammatdorf im Trierer Süden verwiesen. Wenig hilfreich, findet der Beirat. „Das kann ja nicht das Ziel sein, das so etwas nur auf eine Ecke in der Stadt konzentriert wird.“ Poser wird konkreter: „Wir wollen keine „Ghettoisierung“ von Menschen mit Behinderung, wir wollen auch in Bezug auf das Wohnen am Leben in der Stadt teilhaben.“ (lb)

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