Juristisches Nachspiel nach tödlichem Baumsturz

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TRIER. Am 22. November des letzten Jahres ereignete sich in der Wilhelm-Rautenstrauch-Straße ein folgenschweres Unglück. Eine Rosskastanie war vom angrenzenden Rautenstrauch-Park auf die die Straße gestürzt, begrub eine Frau unter sich, die noch an der Unfallstelle verstarb, ein Mann wurde erheblich verletzt.

Es war der Beginn einer ganzen Serie von Beschwichtigungen, Dementis und Schuldzurückweisungen, an deren Ende die Erkenntnis steht, dass nach einer Meldung der Verwaltung ein Drittel aller Bäume im Stadtgebiet krank sind.

Jetzt hat auch das Abwiegeln und Dementieren im Fall des folgenscheren Sturzes ein Ende. Von „scheckheftgepflegten Bäumen“, wie die für das Grünflächenamt zuständige Dezernentin Simone Kaes-Torchiani seinerzeit verkündete, ist schon längst nicht mehr die Rede. Zumindest ist man inzwischen soweit, Bäume prophylaktisch zu fällen – auch wenn das nicht immer gelingt, wie der Fall in Olewig vor wenigen Wochen zeigt, als die Umgehungsstraße von schweren Ästen blockiert wurde, die abgebrochen waren und Fahrzeuge beschädigten. (lokalo berichtete über diese Vorkommnisse).

Das Unglück vom 22. November des Vorjahres hat jetzt ein juristisches Nachspiel, das sich schon unmittelbar nach dem tödlichen Unfall andeutete. Damals hatte die Staatsanwaltschaft Trier unter ihrem Chef Dr. Jürgen Brauer Ermittlungen angekündigt und Unterlagen des Grünflächenamtes beschlagnahmen lassen. Die Staatsanwaltschaft hat nun nach siebenmonatigen Ermittlungen einen Strafbefehl gegen einen Mitarbeiter des Grünflächenamtes beantragt, der nach der wohl unstrittigen Erstkontrolle des Baumes als Sachgebietsleiter für die Zweitkontrolle zuständig gewesen ist. Diese Untersuchung ist nicht erfolgt. Das Amtsgericht Trier hat wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung nun gegen den 53 Jahre alten Mann eine Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen beantragt.

 

Dr. Brauer erläutert gegenüber lokalo den Ablauf des Geschehens, der die Grundlage für seinen Antrag bildet. „Im Sommer 2012 war dem Sachgebietsleiter von einem der Mitarbeiter des Grünflächenamts berichtet worden, dass dieser Baum nach seiner Auffassung krank und umsturzgefährdet sei. Sein Vorgesetzter war verpflichtet, dieser Meldung auf den Grund zu gehen. Das hat er nicht getan.“ Brauer weiter: „Eine Prüfung mit einem Resistograph (siehe Erklärung in der Infobox) hätte Klarheit über den katastrophalen Zustand des Baumes gebracht. Der Baum hätte sofort gefällt werden müssen.“ Nach dem fatalen Sturz wurde festgestellt, dass der Baum der fast drei Meter Umfang hatte, nur noch eine bis zu zehn Zentimeter dicke Restwandstärke hatte – der Rest war durch Pilzbefall völlig zersetzt.

Zunächst handelt es sich nur um einen Antrag. Entscheidet sich das Gericht, den Antrag der Staatsanwaltschaft zu akzeptieren und den Strafbefehl zu erlassen, hat der Beschuldigte die Möglichkeit, Einspruch einzulegen, was eine mündliche Verhandlung zur Folge hätte. Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge scheint aber unstrittig, dass sowohl Oberbürgermeister Klaus Jensen, als auch Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani und der Grünflächenamtsleiter Frank Kalck in einer Pressekonferenz kurz nach dem Unglück – ob wissentlich oder unwissentlich – nicht die ganze Wahrheit gesagt haben. (wir)

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1 KOMMENTAR

  1. @lokalo.de-Zumindest ist man inzwischen soweit, Bäume prophylaktisch zu fällen – auch wenn das nicht immer gelingt, wie der Fall in Olewig vor wenigen Wochen zeigt, als die Umgehungsstraße von schweren Ästen blockiert wurde, die abgebrochen waren und Fahrzeuge beschädigten. (lokalo berichtete über diese Vorkommnisse).

    -> entsprechende Äste brachen infolge eines schweren Gewitters und starken Windböen ab.

    Ein Verantwortungsvoller Umgang mit dem Thema ist anzustreben.

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