Gegenwind aus den eigenen Reihen

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Der Vorstand Trierer Jusos 2013: Martin Kasel, Sabrina Schneider, Alexander Kellersch, Melanie Breinig, Paul Richarz und Andreas Schleimer (v.l.n.r.)

Bildquelle: Trierer Jusos

TRIER. Das überrascht denn doch einigermaßen. Musste der Trierer Bürger bislang davon ausgehen, dass die SPD, mit Sven Teuber an der Spitze, der die Pläne von Oberbürgermeister Klaus Jensen unterstützt, geschlossen hinter dem Projekt „ECE-Mall in Trier“ steht, kommt nun Gegenwind aus den eigenen Reihen. Anders jedenfalls ist eine Pressemitteilung der Jusos, die die lokalo-Redaktion heute erreichte, nicht zu interpretieren.

Die Pressemitteilung im Wortlaut:

In ihrer Sitzung am vergangenen Donnerstag haben sich die Trierer Jusos intensiv mit den Szenarien eines möglichen ECE-Einkaufszentrums in der Stadt auseinandergesetzt. Nach langer und ausführlicher Diskussion waren sich die Jungsozialist/-innen einig: Weder ist ein weiterer Konsumtempel neben der Trier-Galerie sinnvoll, noch ist das bisherige Verfahren akzeptabel.

„Der boomende Internethandel drängt den Einzelhandel immer weiter zurück – wieso scheint also der Neubau weiterer Verkaufsflächen attraktiv? Die Trier Galerie wurde erst vor wenigen Jahren fertiggestellt und befindet sich aus unserer Sicht immer noch in einer Bewährungsphase. Außerdem zeigen Erfahrungswerte aus anderen Kommunen, dass ein neues Einkaufszentrum nicht selten den Leerstand eines älteren Einkaufszentrums bedingt“, so Melanie Breinig, eine Sprecherin der Trierer Jusos.

Den kommenden Entwicklungsbedarf an verschiedenen Stellen der Innenstadt erkennen die Jusos dabei selbstverständlich an. „Nur weil der Pachtvertrag für die Europahalle ausläuft, bedeutet das noch lange nicht, dass dort zwingend ein Einkaufszentrum entstehen muss. In unserer Stadt fehlt es momentan an wichtigeren Dingen“, erklärt Beisitzer Paul Richarz. Er kritisiert generell das Wettrüsten der Kommunen mit Konsumtempeln: „Gerade erst ist das übertriebene Konzept der Bit-Galerie vor der Umsetzung gescheitert! Immer größer, immer mehr – das  kapitalistische Dogma der Maßlosigkeit lehnen wir ab. Wir sollten stattdessen versuchen, die Lebensqualität in der Innenstadt zu erhöhen. Am Standort Europahalle könnte man viele tolle Projekte realisieren. Ein Jugendzentrum, eine neue Skatehalle oder eben auch den Neubau des Theaters – an guten Ideen mangelt es nicht!“.

Zudem fürchten die Trierer Jusos um die bestehende Gastronomie-Kultur am Viehmarkt. Dazu erklärt Sabrina Schneider, ebenfalls Sprecherin der Trierer Jusos: „Der Viehmarkt mit seiner inhabergeführten Gastronomie ist gerade für junge Menschen ein zentraler Anlaufpunkt in Trier. Wenn dort ein ECE-Zentrum eröffnet, werden die Mieten steigen und die bisherigen Lokale durch zahlungskräftigere Großkonzerne verdrängt. Den Gedanken am heutigen Standort des „Simplicissimus“ zukünftig eine beliebige Burger-Filiale begrüßen zu dürfen, finden wir abstoßend.“  Auch das Verhalten der Stadtspitze war Gegenstand intensiver Diskussionen und rief bei den Trierer Jusos Verwunderung hervor. Beisitzer Alexander Kellersch kritisiert: „Eine Entscheidung mit solcher Tragweite darf nicht hinter verschlossenen Türen getroffen werden. Wenn es an einem derart exponierten Standort wie der Europahalle Entwicklungsbedarf gibt, so muss sich der Stadtrat als demokratisch legitimiertes Gremium damit befassen und Konzepte zur Folgenutzung diskutieren. Wenn dort die Entscheidung getroffen wird, dass die Stadt einen weiteren Konsumtempel braucht, muss die Verwaltung beauftragt werden, mit Projektentwicklern Sondierungsgespräche zu führen. Dass die Initiative von ECE ausgeht, der Stadtrat zunächst übergangen wurde und keine Gespräche mit anderen Projektentwicklern geführt werden sollen, wirkt auf uns höchst befremdlich.“

Auch Martin Kasel, ebenfalls Beisitzer, führt aus: „Die Innenstadt gehört uns allen. Bevor man ECE die Möglichkeit gibt, gewachsene Strukturen zu sprengen, sollte eine ausführliche Bürgerbeteiligung erfolgen! Der Bürgerhaushalt hat gezeigt, dass die Menschen in Trier viele tolle Ideen für ihre Stadt haben. Dieses Potenzial sollten wir nutzen!“ (red/pm)

 

1 KOMMENTAR

  1. endlich vernünftig! jetzt müsst ihr nur noch die Altvorderen, Lehnart,Triesch und Teuber dazubringen,nicht in blindem gehorsam dem falschen weg dieses ihres Oberbürgermeisters zu folgen! da habt ihr ja noch einiges zu tun,hoffe ihr packt`s an!

  2. Also ich kann nur sagen ich will als Konsument Vielfalt und begrüsse eine ECE Shoppingmall absolut. Die Trier-Galerie kann ruhig sterben, ist sie doch eine absolute Fehlplanung weil sie einfach zu klein ist, kein richtiger Anziehungspunkt ist.Ich geniesse es immer wenn ich in Neunkirchen/Saar bin im Saarparkcenter zu shoppen, das ist Flair das hat Neunkirchen so richtig aufgewertet. Klar geben die Trierer Einzelhändler vom Kuchen nichts ab den sie in der Tasche haben aber in der Marktwirtschaft war es immer noch so dass Konkurrenz das Geschäft belebt.

  3. Es kann durchaus sein, dass das eher strukturschwache Neunkirchen mit de, Saarparkcenter aufgewertet wurde. Aber dann muss man ehrlicherweise auf das Angebot in der Zeit vor dem Saarparkcenter und Trier heute vergleichen. Nach der Durchsicht welche Läden sich im dem Saarparkcenter angesiedelt haben – Donnerwetter! Davon kann Trier nur träumen.
    Welcher Laden im Saarparkcenter ist denn der große Anziehungspunkt und wird in Trier ernsthaft vermisst?

    „Konkurrenz belebt das Geschäft“ – ja klar. Die schöne Marktwirtschaft: Produkte müssen immer günstiger werden. Auf wessen Kosten eigentlich?! Ganz einfach: wir schaffen hundert neue 450-Euro-Jobs. Nachdem die neuen Läden die klassischen Familienunternehmen in den Konkurs getrieben haben, können die einigermaßen fair bezahlten Angestellten in den etablierten Geschäften eine neue 450-Euro-Karriere im ECE-Center starten. Den Rest können sie sich dann beim Sozialamt abholen. An den Gang gewöhnen Sie sich dann auch schon mal für ihre Rentenzeit.
    Von den Arbeitern in den Produktionsländern ganz zu schweigen.

    Die Jusos haben Recht! Schluss mit dem Wettrüsten der Konsumtempeln – welch herrliche Wortschöpfung im Kampf gegen den Kapitalismus.

  4. @rainer: oh wie hohl ist mir am Abend, mir am Abend !!!!eine , mit dem Flair eines Donnerbalkens, mit dem flair Trier’s zu vergleichen ist ja wohl der Gipfel der Dummheit !

  5. Herrlich! Im Vergleich zu Kasters Jubeltruppe wird hier wohl ohne den Einfluss der eigenen Stadtratsmitglieder fundiert argumentiert. Die haben ihren Kopf wohl noch zum selber Denken und werden anscheinend nicht so eng an der Leine geführt.
    Chapeau!

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