Update: Ortsbeirat Trier-Mitte gegen Umbenennung der Hindenburgstraße

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TRIER. Am gestrigen Dienstag tagte der Ortsbeirat Trier-Mitte/Gartenfeld. Zwei wichtige Themen sollten diskutiert werden. Zum einen die Umbenennung der Hindenburgstraße, ferner die Pläne des Immobilieninvestors ECE zum Bau eines Einkaufszentrums auf dem Gelände der Europahalle. Letztlich kam es nur zu einem Beschluss: Der Name Hindenburgstraße soll bleiben.

Letztendlich entscheidet zwar der Stadtrat, doch Empfehlungen, die Ortsbeiräte aussprechen, kommt der Stadtrat in der Regel nach, weil eine solche Abstimmung als nachdrückliche Aufforderung zur Zustimmung gewertet wird. Am Dienstag ging es im Ortbeirat Mitte um die Umbenennung der Hindenburgstraße. Mit einer Stimme Mehrheit entschied sich der Ortsbeirat gegen eine Umbennung der Straße.

„Eine Bürgerbeteiligung zu diesem Thema wird es geben“, vertrat Toni Loosen-Bach, Koordinator für Bürgerbeteiligung bei der Stadt Trier zu Beginn der Sitzung. Er stellte vor allem Möglichkeiten einer Partizipation über das Internet hervor, wo Bürgerinnen und Bürger alternative Namensvorschläge für die Hindenburgstraße einreichen könnten. Dies sei jedoch nicht bindend für den Stadtrat bzw. den Ortsbeirat. Die Kosten für diese Abstimmung würden „zwischen 2000 und 5000 Euro liegen“, so Loosen-Bach weiter. Dies nahmen zahlreiche Beiratsabgeordnete als Anlass zur Kritik, allen voran Dorothee Bohr. Die Christdemokratin kritisierte die zu hohen Kosten einer solchen Befragung, bei der „verhältnismäßig wenige Bürger teilnehmen“ würden. Die Sozialdemokratin Tamara Breitbach forderte hingeben, dass es nicht nur eine Onlinebefragung bei diesem Thema geben dürfe, vielmehr müsse auch Rücksicht auf die Bürgerinnen und Bürger genommen werden, die mit dem Medium Internet noch nicht selbstverständlichen Kontakt hätten.

Im Rahmen um die Diskussion der Umbenennung des ehemaligen Hindenburg-Gymnasiums in Humboldt-Gymnasium, die schließlich im März 2009 erfolgte, war auch die bis heute anhaltende Debatte um eine Namensänderung der Hindenburgstraße entbrannt. Neben Trier wurden auch in vielen anderen Städten und Kommunen der Bundesrepublik, z.B. im westfälischen Münster, in den letzten Jahren viele Plätze und Straßen, denen der umstrittene ehemalige Reichspräsident der Weimarer Republik, Paul von Hindenburg, seinen Namen gab, umbenannt.

Insgsamt drehte sich die Beiratssitzung in der ersten Dreiviertelstunde einzig um die Bürgerbeteiligung und wie diese auszusehen habe. Die eigentliche Abstimmung über die Umbenennung verlief relativ kurz und ohne inhaltliche Aussprache bzw. Diskussion. Mit einer Mehrheit von nur einer Stimme sprachen sich die Abgeordneten des Ortsbeirates gegen eine Umbenennung aus.

Der zweite Themenschwerpunkt der Sitzung, die Pläne des Hamburger Projektentwicklers ECE zum Bau eines Shopping Mall auf dem Gelände der Europahalle und eventuell auch noch im Bereich des Kaufhauses Karstadt wurden hingegen auf die nächste Sitzung verschoben. (ros)

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1 KOMMENTAR

  1. Ich fänd’s schade wenn die Hindenburg-Str umbenannt werden würde. Nicht weil ich den Hindenburg so toll find, sondern weil eine Umbenennung für mich auch immer den faden Beigeschmack von Flucht vor der eigenen Geschichte hat. Eine solche „Flucht“ ist eine Reaktion der Schwäche, nicht der Stärke.

  2. @Bernd B.
    Durch einen Ergänzungsantrag der Grünen „Der Ortsbeirat und die Anwohner sind unmittelbar zu beteiligen.“ kam auch der Ortsbeirat ins Spiel.

  3. Paul von Hindenburg – war da was? War das nicht der kaiserliche Feldmarschall, der es geschafft hat, sich aus dem einzigen echten Erfolg seiner Karriere(dem Sieg von Tannenberg) sich einen solchen Mythos zu schnitzen, daß dieser seine zahlreichen bis -losen Fehler in der Wahrnehmung der Deutschen lange überstrahlt hat. Motto: Wer einmal den Russen richtig verhauen hat, der darf ruhig erst einen Weltkrieg verlieren, dann denjenigen, die versucht haben, den Karren aus’m Dreck zu ziehen, den schwarzen Peter zuschieben (Dolchstoßlegende!) und schließlich in der Phase des zu rieseln beginnenden Oberstübchenkalks einen österreichischen Postkartenpinsler mit sektiererischen Ideen zum Thema Ostpolitik zum Kanzler ernennen. Naja, ob Deutschland noch Hindenburgstraßen und -plätze braucht, darf in der Tat getrost bezweifelt werden. Nur: Die gleichen Leute, die auf den Namen des Pickelhaubenpräsidenten allergisch regieren, scheinen sich weniger daran zu stören, daß in vielen deutschen Städten Straßen und Plätze nach altstalinistischen KPD-Apparatschiks wie Ernst Thälmann oder Clara Zetkin benannt sind, die ihr Schärflein zum unrühmlichen Ende von Weimar beigetragen haben. Nota bene: Wenn man sieht, wie die ECE-Monster-Center landauf, landab den alteingesessenen Einzelhandel plätten, könnte man das ungute Gefühl bekommen, daß die mögliche Ansiedlung des „Totengräbers der Innenstädte“ ein größeres kommunalpolitisches Damoklesschwert darstellt als die historische Straßenbenamsung nach aus der Mode gekommenen Feldmarschällen.

  4. landauf, landab nerven Kommunisten und andere linksextreme Grüppchen mit ihren wohlabgestimmten Anträgen zur Umbenennung der in ganz Deutschland vielerorts vorhandenen Hindenburgstraßen. Oft werden sie dabei von den Grünen und der SPD und meist auch von der Lokalpresse unterstützt. Nicht selten knickt die CDU dabei ein, um ja nicht in irgendeine „rechte Ecke“ gestellt zu werden, denn das scheint für sie das Schlimmste zu sein. Da paktiert man doch lieber mit Linken und anderen politisch korrekten Zeitgenossen. Daß man dabei von den Linken nur vorgeführt wird und man nur über deren hingehaltenes Stöckchen springt, das wird nicht erkannt.
    Argumente von Historikern zugunsten eines ausgewogenen und ideologiefernen Geschichtsbildes kommen hingegen selten zum Tragen. Vielmehr picken sich die Umbennungsfanatiker nur das heraus, was ihnen in ihr Weltbild paßt, mag es auch noch so wenig mit den historischen Tatsachen übereinstimmen.

    Bei aller – aus heutiger Sicht – berechtigten Kritik an der Person Hindeburgs bleibt aber festzuhalten:

    1. Hindenburg war der zweimal demokratisch gewählte Reichspräsident der Weimarer Republik und verhinderte 1932 als Kandidat der demokratischen Parteien die Machtergreifung Hitlers schon in diesem Jahr.
    2. Er war trotz manch verheerender politischer Fehlentscheidungen kein Verbrecher oder unehrenhafter Mensch.

    Soange es noch Clara-Zetkin-, Thälmann oder Rosa-Luxemburg-Straßen gibt (sie rief offen zu Gewalt und Bürgerkrieg auf), so lange ist eine Hindenburgstraße tolerierbar.

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