Prozess gegen mutmaßliche Bankräuber fortgesetzt

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TRIER. Am heutigen Freitag wurde der Prozess gegen das mutmaßliche bosnische Ganoven-Quartett weitergeführt (lokalo berichtete mehrfach). Auf der Tagesordnung standen die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Strafverteidiger.

Angeklagt sind vier Männer im Alter zwischen 45 und 56, die gebürtig aus Bosnien und Herzegowina stammen. Drei von ihnen wohnen jedoch schon lange mit ihren Familien in Deutschland. Sie kamen keiner Arbeit nach und erhielten Sozialleistungen. Ihnen wird vorgeworfen, als Mitglieder einer Bande Banken aufgebrochen und die dortigen Geldautomaten geknackt zu haben.

Im Einzelnen sollen die vier Angeklagten im April 2010 durch ein aufgehebeltes Fenster in die Büroräume einer Bank in Longkamp bei Bernkastel eingedrungen sein. Sodann sollen sie die Glastür zum Tresorraum mit einem Feuerlöscher aufgebrochen und den Tresor des Geldausgabeautomaten mit einem Schweißgerät und einem hydraulischen Spreizer geöffnet haben. Sie sollen dabei ca. 150.000 € erbeutet haben.

Darüber hinaus sollen sie im Oktober 2010 in eine Bankfiliale in Reil eingedrungen sein, indem sie die Scheibe des Erdgeschossfensters einschlugen und dort einstiegen. Auf ähnliche Weise sollen sie den Tresor des Geldautomaten aufgebrochen, die dort befindlichen Geldscheine entnommen und sodann Putzmittel zur Spurenvernichtung ausgeschüttet haben. Hier wurde die Beute auf 135.000 € beziffert.

Der nächste Raubzug soll Anfang Oktober 2011 stattgefunden haben. Dabei sollen die vier Männer die Seitenfenster der Büroräumlichkeiten einer Bank in der Nähe von Bremen aufgebrochen und anschließend in das Gebäude eingestiegen zu sein. Dort sollen sie den Tresor des Geldautomaten mittels Schweißgerät und hydraulischem Spreizer aufgebrochen haben. Mit 125.585,00 € sollen sie geflüchtet sein. Einem der Angeklagten wird darüber hinaus vorgeworfen mit anderen unbekannten Mittätern auf gleiche Weise in eine Bank in Ostfriesland eingebrochen zu sein und nach Aufbrechen des Tresors des Geldautomaten mit 115.525,00 € geflohen zu sein.

Zuletzt sollen die Angeklagten im November 2011 versucht haben, durch ein vergleichbares Vorgehen, Geld aus einer Bank in Dülmen-Rorup zu entwenden. Hierzu sollen sie ein Fenster aufgehebelt und ein Datenkabel durchtrennt haben und dann den Tatort verlassen haben, um abzuwarten, ob ein stiller Alarm ausgelöst würde. Bei diesem Vorgehen wurden die Angeklagten bereits observiert. Als sie dann zum Tatort zurückkehren wollten, wurden sie von Polizeikräften festgenommen.

Im Laufe der nunmehr seit knapp einem Jahr laufenden Verhandlung, konnten nur zwei Tatbestände aufrechterhalten werden. Als bewiesen gilt demnach, dass die Beschuldigten den Bankraub in der Nähe von Bremen begangen haben. Auch der Vorwurf, in die Bank in Dülmen-Rorup eingedrungen zu sein, konnte seitens der Verteidigung nicht widerlegt werden. Alle weiteren Anschuldigungen wurden entkräftet.

Zwei Männer des Quartetts sind bereits mehrfach einschlägig strafrechtlich in Erscheinung getreten, darunter auch der einzige Angeklagte, der seinen Wohnsitz weiterhin in Bosnien hatte. Die beiden anderen sind nicht vorbestraft. Die Angeklagten haben sich bisher zu den Tatvorwürfen nicht eingelassen. Drei von ihnen befinden sich noch in Untersuchungshaft.

Am heutigen vorletzten Prozesstag standen die Plädoyers im Mittelpunkt. Staatsanwalt Wolfgang Spieß ist davon überzeugt, dass die Beschuldigten die Taten begangen haben. Er ist sich bewusst, dass die Beweislage zwar sehr dünn ist, „das deutsche Recht jedoch vorsieht, dass eine begründete Überzeugung der Staatsanwaltschaft alleine für einen Urteilsspruch ausreicht.“ Der Staatsanwalt bescheinigte den vermeintlichen Räubern ein äußerst professionelles Vorgehen. „Das sind Profis, die nicht zum ersten Mal eine Bank ausgeraubt haben.“ Als Argumente für das Zutreffen seiner Vermutung nannte er folgende Fakten:

  1. Die Telefonverbindungsdaten zeigen, dass sich die Angeklagten zum Tatzeitpunkt am Tatort aufhielten
  2. Es wurden keine weiteren Täter verdächtigt
  3. Sie wurden lange Zeit observiert und bei einem versuchten Raub festgenommen
  4. Man hat Werkzeug im Auto eines Angeklagten gefunden, mit dem Tresore geöffnet werden können
  5. Die Raubzüge zeigen alle das gleiche Muster

Abschließend plädierte Spiess auf eine Gesamtfreiheitsstrafe für jeden der vier Angeklagten von 6 Jahren.

Die Strafverteidiger konnten die Ausführungen der Staatsanwaltschaft erwartungsgemäß nicht teilen. Sie versuchten, die von Spieß genannten Fakten zu widerlegen. Rechtsanwalt Hans aus Frankfurt am Main argumentierte damit, dass „die Einbrüche, mit exakt dem gleichen Tatvorgehen auch nach der Verhaftung der Angeklagten weiter gingen.“ Auch die Rechtsanwälte Anne Bosch und Rüdiger Böhm nannte in ihren Plädoyers mehrere Gründe für die Unschuld ihres Mandanten. Nach dem vermeintlichen Bankraub im Raum Bremen wurde eine Geldkassette in der Nähe der Bank sichergestellt. „Es konnten keinerlei Fingerabdrücke der Angeklagten auf dieser Geldkassette gefunden werden“, so Bosch. Rüdiger Böhm, der sein Plädoyer mit feurigem Pathos vortrug, wies das Gericht darauf hin, im Zweifel müsse für den Angeklagten entschieden werden. Unter dem Strich war der Tenor aller Strafverteidiger der Gleiche und es wurde einvernehmlich auf Freispruch plädiert. (tw)

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