Zähes Ringen um Gleichstellung im Steuerungsausschuss

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TRIER. Mit dem Tätigkeitsbericht der Frauenbeauftragten der Stadt Trier und dem zweiten Bildungsbericht standen auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung des Steuerungsausschusses gleich zwei Gender- Themen. Schwerpunkt des Bildungsberichtes ist Bildung und Geschlecht. Es geht zu langsam voran mit der Gleichstellung, so der gemeinsame Tenor im Steuerungsausschuss.

„Das Interesse ist mau“, moniert Christiane Wendler, Mitglied der Stadtratsfraktion der Grünen im Steuerungsausschuss. Das Forum Chancengleichheit, das eigentlich allen Stadtratsfraktionen Gelegenheit zum Austausch über Gleichstellungsfragen geben soll, falle oft aus, die Fraktionen der CDU und der FDP nähmen konsequent nicht teil. „Es ist anstrengend, wenn man sich weiter entwickeln will möchte und an anderen scheitert“, so Wendler. Maria Duran-Kremer (SPD) regte an, statt des Forums einen Gleichstellungsausschuss ins Leben zu rufen, da habe man andere Möglichkeiten auf die Anwesenheit der Mitglieder einzuwirken. Anlass der Beschwerde war der Tätigkeitsbericht der Frauenbeauftragten der Stadt Trier, Angelika Winter.

Gleichstellung geht zu langsam voran

Das Jahr 2012 sei erfolgreich vor allem in Hinblick auf die Vernetzung gewesen, sagte Winter. Sie engagiere sich derzeit unter anderem im lokalen Bündnis für Familie, im Arbeitskreis Prostitution und im Netzwerk Personalentwicklung. Nach wie vor habe die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einen sehr großen Stellenwert: „Das ist für Trier das Thema, wenn es um Gleichstellung geht.“ Die häufigsten Beschwerden gebe es bezüglich der Öffnungszeiten der Kitas. „Diese sind zu eng und unflexibel. Schwierig ist das vor allem für Eltern, die im Schichtdienst arbeiten“, erläutert Winter. Auch die Bemühungen im Rahmen des Gender-Mainstreamings (siehe Hintergrund) gingen voran. So habe das Jugendamt Trier die Gender- Kennzahlen mittlerweile in seinem Haushalt berücksichtigt. Im Sportamt habe man erfolgreich einen Sensibilisierungs- Workshop durchgeführt. Offenbar bislang noch von der Gleichstellung ausgenommen ist aber die geplante Beratungsstelle Prostitution. Auf Nachfrage erläuterte Winter, dass man Männer bislang als Zielgruppe nicht in Betracht gezogen habe: „Das ist nicht ausgeschlossen, aber ich habe mir dazu noch keine Gedanken gemacht. Ich habe noch keine Männer auf dem Straßenstrich gesehen.“ Insgesamt geht es dem Steuerungsausschuss in Sachen Gleichstellung deutlich zu langsam voran. Dorothee Bohr (CDU) brachte es auf den Punkt: „Es berührt mich, das bei Themen, bei denen es um Gleichstellung geht, so wenig und so langsam passiert.“ Für Dr. Hermann Kleber (FWG) ist es „erschreckend, dass Frauen im Durchschnitt noch immer 23 Prozent weniger Gehalt bekommen.“ Winter versprach: „Ich bleibe an dem Thema dran.“

„Bildung ist weiblich, Führungspositionen sind männlich“

Ebenfalls mit der Geschlechterfrage befasst sich der zweite Trierer Bildungsbericht, der im Rahmen der Sitzung des Steuerungsausschusses vorgestellt wurde. Auf den Schwerpunkt „Bildung und Geschlecht“ hin wurden die Bereiche Bildungsbeteiligung, Bildungspersonal und Bildungserfolg in der Stadt untersucht. Dabei zeigten sich die Mädchen als grundsätzlich erfolgreicher in Schule und Hochschule. Anders sieht es dagegen im Bereich Bildungspersonal aus, leitende Positionen in Schulen und Hochschulen sind überwiegend von Männern besetzt. Sven Teuber (SPD) formulierte scharf: „Bildung ist weiblich, aber Führungspositionen sind männlich.“ Es sei an der Politik, diese Tendenz umzukehren. Der zweite Trierer Bildungsbericht steht ab der kommenden Woche auf den Seiten der Stadt Trier zum Download bereit. (lb)

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