Ein Forum für ECE-Kritiker: Wilhelmus im Kreuzverhör

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Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte: Christian Muschwitz (Mitte) übt Kritik am Investor ECE- Geschäftsführer Wilhelmus (rechts) ist wenig begeistert, Michael Müller, Präsident des Einzelhandelsverbands freuts.

Bildquelle: Lisa Bergmann

TRIER. Der Trierische Volksfreund hatte am Dienstag zur Diskussionsrunde in der Aula des Humboldt-Gymnasiums eingeladen. Rund 200 Zuschauer demonstrierten Einigkeit in ihrer Kritik am Investor ECE. Aber auch die Veranstalter kamen nicht ungeschoren davon. Die Aula des HGT ist nicht barrierefrei ausgebaut – mehrere Rollstuhlfahrer protestierten am Treppenaufgang und verteilten Flugblätter.

Sollten die Trierer einmal in den Genuss kommen, ihr persönliches Unwort des Jahres zu wählen, für 2013 wäre es sicher „Ergebnisoffenheit“. Oberbürgermeister Klaus Jensens meistzitiertes Argument fiel auch im Rahmen des TV- Forums zum Thema „Die Zukunft der Trierer Innenstadt“ immer wieder. Mit offenbar geringer Überzeugungskraft: „Ich nehme das Herrn Jensen nicht ab, einen freien Wettbewerb wird es in den nächsten drei Jahren nicht geben“, sagte Markus Römer. Er war mit 200 anderen gekommen, um die Argumente beider Seiten zu hören, aber auch, um seinem Unmut Luft zu machen. Moderator Dieter Lintz versprach im Vorfeld eine „sachlich neutrale“ Diskussion, dennoch war auch ihm bewusst: „Das Thema könnte kaum brisanter sein, plante jemand ein Atomkraftwerk auf den Hauptmarkt zu bauen.“

„Die Welt, so wie ECE sie sieht“

Das TV-Forum bot auch dem Investor die Gelegenheit sich von seiner besten Seite zu zeigen. Ein Hochglanz-Imagefilm präsentierte Karlsruhe, Saarbrücken, Aachen, Koblenz und Kaiserslautern als Vorzeigeprojekte. Die dortigen Shopping- Center hätten auch der Stadtentwicklung gut getan, heißt es. „ECE ist ein solider, erfahrener Manager“, lobt da zum Beispiel die Aachener Baudezernentin. „Die Welt, so wie ECE sie sieht“, kommentiert Lintz und erntet Gelächter. Christian Muschwitz, Professor für Stadtentwicklung und Stadtplanung wird deutlicher: „Säße ich in der Stadtverwaltung dieser Städte, bliebe mir auch nichts anderes übrig, als das zu sagen.“

Streitpunkt Zentralität des Einzelhandels

Muschwitz präsentiert sich im Rahmen der Veranstaltung als schärfster Kritiker der Pläne von Stadt und ECE. Vor allem das Argument der abfließenden Kaufkraft lässt er nicht gelten: „Dem Einzelhandel geht es doch gut, warum brauchen Sie das Thema dann als Vehikel für die Stadtentwicklung?“, fragt er provokant. Andere Städte träumten von einer Einzelhandelszentralität, wie Trier sie vorweisen kann.Jensen kontert prompt: „Die Auffassung, dass die Welt in Ordnung ist, teile ich nicht.“ Entwicklungen wie der demografische Wandel seien potenziell bedrohlich auch für den Trierer Einzelhandel. Gerd Wilhelmus, Geschäftsführer der ECE-Tochterfirma ECE Development pflichtet erwartungsgemäß bei: „Sich auf der Zentralität auszuruhen, ist der falsche Weg.“ Laut Muschwitz kann aber die Erweiterung der Verkaufsfläche, etwa in Form eines ECE-Einkaufszentrums, nicht die Lösung sein. „Da werden auch die Mittelzentren in der Region nachziehen, gegenseitiges Wettrüsten wird die Kaufkraft nicht vergrößern.“

Zurückhaltende Kritik auf Seiten der Einzelhandelsvertreter

Auch die Vertreter des Trierer Einzelhandels nutzten die Gelegenheit, ihre Bedenken noch einmal öffentlich zu äußern und übten sich in vorsichtiger Kritik. ECE gehöre sicher zur ersten Liga der Projektentwickler und sei ein guter Investor, man habe ihn aber zu früh gebunden. „In dieser Phase wissen wir ja alle noch nicht, wo wir hin wollen“, äußerte sich Michael Müller, ehemaliger Präsident des Einzelhandelsverbandes in der Region Trier. Gerd Guillaume, 2. Vorsitzende der Trierer City Initiative bleibt ähnlich zurück haltend: „Ich bin skeptisch, ob so ein Center eine Bereicherung für unser Stadtmarketing wäre.“ Kritik gab es nicht nur an ECE, sondern schon im Vorfeld auch an der Veranstaltung selbst. Mehrere Rollstuhlfahrer protestierten, weil sie nicht an der Diskussion teilnehmen konnten. Die Aula des Humboldt- Gymasiums liegt im ersten Stock, einen Aufzug gibt es nicht. „Ich schäme mich dafür“, sagte Moderator Lintz. Eine andere Räumlichkeit sei aber kurzfristig nicht frei gewesen. (lb)

 

Einen Kommentar von Willi Rausch zur Podiumsdiskussion  finden Sie hier.

 

1 KOMMENTAR

  1. betreff: „ECE“ Diskussion!Wenn ich als Oberbürgermeister dieser schönen Stadt nicht ein einziges mal für meine Thesen Zustimmung durch das Auditorium bekäme, würde ich sofort meinen Hut nehmen und einfach nur verschwinden!

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