Projektentwickler mfi: „Wir haben Interesse daran, dass in Trier ein offener Prozess stattfindet.“

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Bildquelle: mfi

TRIER. Seit einigen Wochen berichtet lokalo.de schon von der möglichen Entwicklungsvereinbarung der Stadt Trier mit dem Hamburger Projektentwickler ECE. Es geht um die Frage, inwieweit und mit wem sich die Trierer Innenstadt und die Einzelhandelslandschaft in Zukunft weiterentwickeln wird. Neben der ECE gibt es weitere Interessenten. Doch die scheinen in der Stadtverwaltung auf eine Mauer aus Ignoranz und Intransparenz. Heute lassen wir einen Mitbewerber von ECE, „mfi“ – Management für Immobilien AG“ aus Essen zu Wort kommen.

„Wir haben uns schon seit gut drei Jahren mit Trier beschäftigt. Als Standort kam für uns immer nur das Grundstück der heutigen Europahalle in Frage. Dort planten wir mit einer Verkaufsfläche von 20.000 bis 25.000 qm“, erklären Klaus Martin Callhoff, Leiter der Projektentwicklung und Armin Elsen, Projektentwickler von “mfi – Management für Immobilien AG” aus Essen. Die mfi ist ebenso wie die ECE auf die Entwicklung von Einkaufszentren spezialisiert. Derzeit verwaltet sie deutschlandweit rund 30 Center, wie beispielsweise die Höfe am Brühl in Leipzig, die Stadtteil-Arkaden in Berlin oder die Pasing Arcaden in München. Auch sie arbeitet europaweit mit verschiedenen Filialisten zusammen, auch sie entwickelt Innenstädte durch Investitionen weiter, auch sie möchte in Trier investieren.

Davon ist bislang an der Mosel jedoch noch nichts zu vernehmen. Alles dreht sich bisher um die ECE und die gegenseitige Entwicklungsvereinbarung mit der Stadt. 36 Monate würde sich Trier, bei einem positiven Votum des Stadtrates, daran binden, ausschließlich mit der ECE zusammenzuarbeiten. „Die Stadt äußerte uns gegenüber, dass sie kein Interesse an einer Entwicklung habe. Wir waren dann äußerst überrascht zu hören, dass plötzlich die ECE schon mit dem Fuß in der Tür steht”, erklären Callhoff und Elsen. „Wir hätten Interesse daran, dass dort ein offener Prozess entsteht.“

Auf die Nachfrage, welchen Prozess sie sich bei mehreren Interessenten vorstellen könnten, werden sie sogar konkret. „Wir sind oft im Wettbewerb, auch mit der ECE. Wir glauben, dass wir andere, innovativere Konzepte haben. Deshalb haben wir keine Angst davor.“

Zuletzt habe man sich im Wettbewerb um ein Shoppingcenter in Mönchengladbach mit anderen Investoren, unter anderem auch der ECE gemessen. mfi erhielt den Zuschlag, berief einen Architektenwettbewerb um die Fassadengestaltung ein. Seit einigen Monaten laufen nun die Bauarbeiten um die „Mönchengladbach-Arcaden“.

Dass es konkrete Unterschiede zwischen der ECE und mfi gibt, möchten die beiden Projektentwickler im Gespräch mit lokalo.de deutlich zu verstehen geben. Zum einen behalte die mfi die entwickelten Objekte meist im Eigentum, die ECE hingegen verkaufe ihre Objekte zum Großteil wieder. Somit sei die mfi auch an einer langfristigen Tätigkeit interessiert. Zudem entwickle die mfi nicht mehr nur geschlossene Center, sondern vielmehr ganze Quartiere.

In Düsseldorf umfasste die Vereinbarung zwischen der Stadt und dem Investor nicht nur die heutigen „Düsseldorf-Arcaden“. Vertraglich festgehalten waren auch Nebenleistungspflichten. So erhielt die mfi die Baugenehmigung nur unter der Auflage, zusätzlich auch einen Bürgersaal, ein Schwimmbad, einen Bürgerpark, eine Bibliothek, Kunstaktionsräume und Wohnungen zu bauen. Sowohl Stadt als auch Investor mussten also aufeinander zugehen. Die Möglichkeit zu derartigen Verhandlungsspielräumen entstand erst aus dem offenen Investorenwettstreit.

„Wir können uns auch vorstellen, in Trier ohne Exklusivvereinbarung mit der Stadt zusammenzuarbeiten, aber wir fordern einen offenen Prozess“, erklären die Projektentwickler des Essener Investors. Man habe ganz klares Interesse am Standort Trier. Luxemburg stocke zwar im Einzelhandel auf, jedoch gäbe es erhebliche Unterschiede zwischen luxemburgischen und deutschen Einkaufszentren. „Shoppingcenter in Luxemburg sind anders, mit einem großen ‘Auchan’ (Anm. d. Red.: große Supermarktkette) als Aufhänger. Das ist ein anderes Flair.“ Eine Gefahr sehe man nicht in der Weiterentwicklung an der luxemburgisch-deutschen Grenze.“ Die große Gefahr für den Einzelhandel ist der Online-Handel. Das erfordert innovative Konzepte für Center.“ Derzeit spreche man mit den Fraktionen, um deutlich zu machen, dass es nicht nur den Weg über eine exklusive Zusammenarbeit mit der ECE gibt.

Die Fraktionen im Trierer Stadtrat haben sich indes mehrheitlich schon festgelegt. Die SPD um den Fraktionsvorsitzenden Sven Teuber erklärte in dieser Woche, man stehe hinter den Plänen von Oberbürgermeister Klaus Jensen. Bernhard Kasters CDU, deren Vorsitzender er ist, stellte sich gegen die Vereinbarung. Derzeit könne man dem Vertrag so nicht zustimmen. Auch die Grünen stellen sich gegen die Vorlage, ebenso wie die Linke. Von einer Mehrheit für die Entwicklungsvereinbarung kann derzeit demnach wohl kaum ausgegangen werden. Umso weniger überraschend also, dass Oberbürgermeister Klaus Jensen die Entscheidung um die Vereinbarung abermals vertagte. Stattdessen wird eine Arbeitsgruppe zum Eckdatenaustausch zwischen Verwaltung und Fraktionen eingerichtet. Man kommt in die Versuchung anzunehmen, die ECE-Befürworter wollten Zeit gewinnen und diese für Überzeugungsarbeit nutzen. Dabei geht es den meisten Fraktionen mit ihrer ablehnenden Haltung gar nicht darum, die Entwicklung der Innenstadt gänzlich abzulehnen, sondern vor allem um die vertraglich zu strikte und exklusive Bindung an einen Investor. Ein Wettbewerb wäre da eigentlich der richtige Weg, um Transparenz unter den Investoren und Verhandlungsspielraum für die Stadt zu schaffen. (kk)

1 KOMMENTAR

  1. So wie es hier geschrieben steht, kann der Eindruck entstehen, dass die SPD einer Vereinbarung mit der ECE zustimmt. Dem ist aber nicht so und das wäre bei einer etwas ausführlicheren Darstellung unserer Pressemeldung auch deutlich geworden. Daher hier der Originaltext der SPD im Wortlaut:

    „Trier ist eine herausragende Einkaufsstadt und bietet mit der historischen Innenstadt einen besonderen Flair“, stellt Sven Teuber, Fraktionsvorsitzender klar. „Doch müssen wir auch ständig daran arbeiten, die Attraktivität der Innenstadt zu verbessern.“
    Die SPD Fraktion unterstützt daher den von OB und Stadtvorstand eingeschlagenen Weg, eine Arbeitsgruppe aus Rat und Verwaltung einzurichten, um Ziele für eine nachhaltige Innenstadtentwicklung festzulegen. Für die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ist klar, dass zunächst diese Ziele erarbeitet werden müssen, um dann zu prüfen, wie und mit wem diese erreicht werden können. Die nun von Oberbürgermeister Jensen angekündigte Arbeitsgruppe muss sich daher sachlich anhand von Fakten mit dem IST-Stand auseinandersetzen, um einen sachbezogenen SOLL-Zustand zu definieren.
    Vorteilhaft erscheint hierfür auch, dass die Arbeitsgruppe auf die dann vorliegende Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes zurückgreifen kann.
    „Wir hoffen, dass diese Vorgehensweise dazu beiträgt, dass die doch sehr emotional geführte Debatte zur notwendigen Sachlichkeit zurückkehrt, um der Bedeutung einer nachhaltigen Innenstadtentwicklung gerecht zu werden. Dies entspräche dem Ansinnen der SPD Fraktion“, bilanziert der Fraktionsvorsitzende Sven Teuber die Haltung nach den Fraktionsberatungen.
    Gleichzeitig nimmt die SPD den Einzelhandel in die Pflicht und möchte, dass dieser das große Engagement in der Diskussion auch direkt nutzbar macht.
    „Egal, wie man zu den Vorschlägen einer neuen Quartiersentwicklung in der Innenstadt steht, die frühestens in fünf Jahren umgesetzt sein können, ist schon jetzt konkretes Handeln erforderlich. Daher muss es im Interesse des Einzelhandels sein, dem artikulierten Bedürfnis einer Entwicklung nachzukommen. In unseren Gesprächen mit Verbandsvertretern wurde zugesagt, dass man sich stark mit konkreten Maßnahmen für Angebot und Straßenbild beteiligen wird. Wir würden uns freuen, konkrete Maßnahmenpakete zeitnah vorgestellt zu bekommen“, sagt Teuber weiter.
    Unabhängig hiervon sieht die SPD auch Rat und Verwaltung in der Pflicht zu handeln. Die Stadtverwaltung müsse prüfen, wie eine zeitnahe Wiedereinführung einer einwandfreien Bettenabgabe möglich gemacht werden kann, um mit diesen Mitteln, die Stadt touristisch, kulturell und als Einkaufsstadt attraktiv zu halten. Dies soll übergangsweise die prekäre kommunale Finanzlage überbrücken bis die Einführung einer Fremdenverkehrsabgabe möglich erscheint.
    Darüber hinaus verweist die SPD Fraktion auf die immer wieder betonte Verbindung von Wirtschaft und Kultur. Durch eine Bespielung der Innenstadt mit zahlreichen Angeboten im Kultur- und Eventbereich erfährt die Stadt jenseits des reinen Konsums eine Attraktivität, die gleichzeitig den Einzelhandel stärken wird.

    „Die SPD hat hierfür bereits im letzten Jahr Mittel in den Haushalt eingestellt, um im Sommer 2013 die Trierer Innenstadt zu einer kulturellen Bühne unter freiem Himmel zu machen. Eine schnelle Umsetzung dieser Idee bereichert die kulturelle Landschaft und zieht mehr Menschen in die Straßen. Der Konsum allein sollte nicht ausschlaggebend sein, in den schönen Gassen der ältesten Stadt Deutschlands zu flanieren“, erweitert der Fraktionsvorsitzende das Blickfeld einer attraktiven Innenstadt.
    Abschließend stellt der SPD Fraktionsvorsitzende fest: „Einig sind sich alle, dass sich Trier dem Wandel im Handel stellen muss, um nicht an Attraktivität zu verlieren. Ob eine Vereinbarung mit einem Investor hierzu die geeignete Lösung ist, muss anhand von klaren Kriterien und Zielen nun untersucht werden.“

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