Mordprozess – Gericht beendet Beweisaufnahme

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TRIER. Nach sechs Verhandlungstagen wurde am Freitag, den 21.6. die Beweisaufnahme im Mordprozess gegen einen 29-jährigen Berufskraftfahrer aus dem Landkreis Bernkastel-Wittlich abgeschlossen (lokalo berichtete mehrfach). Im Mittelpunkt des heutigen Verhandlungstages standen die Plädoyers. Während Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung über die Höhe des Strafmaßes diskutierten, leugnete der Angeklagte die Tat.

Laut Anklageschrift soll der Beschuldigte seine ehemalige Lebensgefährtin heimtückisch getötet und einen weiteren Tötungsversuch an dem von ihr getrennt lebenden Ehemann ausgeübt haben, als dieser ihr zur Hilfe eilte.

Für die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage ist der Fall eindeutig: „Schuldig im Sinne der Anklage!“ Für seine Taten müsse der 29-Jährige eine lebenslange Freiheitsstrafe verbüßen und mit lebenslang seien keine 15 Jahre gemeint, so der Staatsanwalt. Die rechtsmedizinischen und kriminaltechnischen Befunde sowie die Aussagen aller vor Gericht gehörten Zeugen würden für die Schuld des Angeklagten sprechen. Sogar der  Beschuldigte selbst habe bis dato die Tat nicht geleugnet. Besonderes Augenmerk sei außerdem auf das Verhalten des Angeklagten nach den Geschehnissen zu richten, welches keine Sekunde von Reue oder Beileid geprägt gewesen war. Der Auslöser für die Tat sei allem Anschein nach eine Handynachricht gewesen, aus der er geschlossen habe, dass das Tatopfer sich wieder mit ihrem Ehemann eingelassen hatte. Daraufhin habe der Beklagte in „Vernichtungswillen“ seine ehemalige Lebensgefährtin „hingerichtet“. Die ersten Stiche in den Rücken des Opfers seien ein Indiz für die Heimtücke des Mordes, betonte der Staatsanwalt. Dem pflichtete auch der Anwalt der Nebenklage, Dr. Andreas Ammer, bei. Dieser verwies zudem nochmal auf die Einschätzung des sachverständigen Gutachters, der in der letzten Hauptverhandlung die volle Schuldfähigkeit des Angeklagten bescheinigte. 

Die Verteidigung hingegen plädierte auf Totschlag bzw. schwere Körperverletzung und forderte eine Gesamtfreiheitsstrafe von maximal zehn Jahren für den Angeklagten. Anhand der Zeugenaussagen und der vorliegenden Beweise, könne die Tat ihres Mandanten nicht geleugnet werden, gibt Rechtsanwältin Dr. Sylvia Karrenbauer zu. Das Ausmaß der Täuschung, Verletzung und Demütigung ihres Mandanten durch die Getötete sei allerdings nicht von der Hand zu weisen. Der Angeklagte habe „spontan und kopflos“ gehandelt und man könne ihm keine Tötungsabsicht unterstellen.

Paradoxerweise schließt der Angeklagte sich dem Plädoyer seiner Verteidigung nicht an. Er nutzt seine letzten Worte, um die „Art und Weise der Ermittlungen“ zu kritisieren und behauptet, es seinen Beweise gefälscht worden, er sei unschuldig und habe die Verstorbene nicht getötet.

Die Urteilsverkündung erfolgt am kommenden Dienstag um 11 Uhr. (mid)

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