Ergebnisse der Zusatzbefragung „Benachteiligte Jugendliche“

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TRIER. Wer Überraschungen oder Neuigkeiten erwartet hat, wurde bei der Ergebnispräsentation der neuesten Studie von Soziologie-Professor Waldemar Vogelgesang in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses in der vergangenen Woche enttäuscht. Seine Zusatzbefragung “Benachteiligte Jugendliche in Trier”, die an eine Untersuchung aus dem Jahr 2011 anknüpft, bestätigte eher alte Klischees und Verhaltensmuster. In der Studie wird neben den Themen Bildung und Qualifikation auch die Einstellungen der Jugendlichen zu gesellschaftlichen Werten und ihrer Bereitschaft, sich in Vereinen oder Jugendeinrichtungen zu engagieren, erfasst. Im Gegensatz zur Repräsentativ-Studie 2011 wurden in der neuen Studie vorrangig benachteiligte Jugendliche befragt. Erhebungsorte waren dabei soziale Einrichtungen und Bildungsträger in der Stadt Trier, wie beispielsweise der Caritas-Verband, der Palais e.V. oder der Club Aktiv.

War bei der Repräsentativ-Studie das Verhältnis zwischen Jugendlichen aus Stadtteilen mit hohem, mittlerem und niedrigem Sozialstatus noch ausgewogen, kommen die Teilnehmer der aktuellen Zusatzstudie mehrheitlich aus statusniedrigen Stadtteilen wie Ehrang, Trier-Nord oder Trier-West. Auch die Quote an Teilnehmern mit Migrationshintergrund ist in der neuen Studie deutlich höher. Beschrieben 80 % der Jugendlichen in der ersten Studie ihr Bildungsniveau als hoch, sind es in der Zusatzstudie nur 2 %. Dagegen 86% geben an, einen niedrigen Bildungsstatus zu haben.

Befragt wurden die Jugendlichen auch auf der Handlungsebene, also danach wie aktiv sie ihre berufliche Qualifikation vorantreiben. Während 91 % der Befragten in der Repräsentativ-Studie angaben, weiterführende Schulen zu besuchen, waren es in der Zusatz-Studie nur 14 %. Auch bei der Suche nach Ausbildungsplätzen unterscheiden sich die Ergebnisse unter den jungen Trierern stark. Während die Befragten aus der Repräsentativ-Studie vor allem im Internet auf die Suche gehen, sammeln die Befragten aus der Zusatz-Studie eher Erfahrungen in Praktika.

Stark unterscheiden sich die Studienteilnehmer vor allem in ihrer Freizeitgestaltung. Die Umfrage zeigt, dass die sozial benachteiligten Jugendlichen dreimal häufiger Unterhaltungselektronik wie Spielekonsolen oder DVDs nutzen. Bücher und Engagement in Vereinen waren in der ersten Studie deutlich häufiger vertreten. Generell liegt das Mitwirken in Vereinen, egal ob Sport- oder Musikverein, bei den benachteiligten Jugendlichen nicht im Trend. Erfreulich scheint jedoch, dass gerade diese Jugendlichen vermehrt Jugendeinrichtungen wie beispielsweise den Mergener Hof besuchen. Auch Angelika Birk zeigt sich als zuständige Dezernentin für Jugend- und Sozialarbeit während der Präsentation von Professor Vogelgesang im städtischen Gesamtkonzept bestätigt. Es gebe viele Einrichtungen in Trier, die gerade von den Gruppen genutzt würden, die die Unterstützung der Einrichtungen dringend benötigten. “Es kommt am richtigen Ende an.”, kommentiert sie das Ergebnis.

Ein Resultat gegen Ende der Präsentation sorgt dann unter dem Fachpublikum des Ausschusses doch für Verwunderung. Die Ergebnisse zur Häufigkeit des Alkoholkonsums unterscheiden sich kaum. Die zuletzt in der Diskussion um das Alkoholverbot an Weiberdonnerstag aufgekommene These, vor allem sozial benachteiligte Jugendliche neigten zum erhöhten Alkoholkonsum konnte somit nicht bestätigt werden. Dafür nehmen jedoch der Zigarettenkonsum sowie die Erfahrungen mit Gewalt unter den benachteiligten Jugendlichen zu.

Für Professor Vogelgesang sind die Problemfelder, die sich aus den Ergebnissen seiner wissenschaftlichen Untersuchung ableiten lassen, klar zu definieren. Gerade die geringere schulische Bildung und das weniger ausgeprägte Bewusstsein für eigenverantwortliches Handeln ließen die Entwicklung der Jugendlichen stagnieren. Unzufriedenheit führe zu geringerem Selbstwertgefühl. Ausgeprägter Medienkonsum und geringe soziale Integration entstünden durch eine “Exklusionskette”. Was man dagegen tun kann? “Das Quartiersmanagement stärken, Integrationslotsen einführen, bedarfsorientierte Jugendarbeit und vor allem Qualifizierungs-, Beratungs- und Coachingangebote schaffen”, resümiert Vogelgesang und liefert damit interessante Denkanstöße für den Ausschuss, der sich in den kommenden Wochen auch weiterhin mit einem mehrteiligen Entwicklungsplan zur Jugendhilfe beschäftigen wird. (kk)

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