ECE – ein Projektentwickler unter der Lupe (5. Teil)

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Seit längerem in der Kritik wegen schlechter Arbeitsbedingungen in Billiglohnländern: Elektronikhersteller Apple

Bildquelle: Mroidakusek

TRIER. Der Hamburger Investor ECE und der mögliche Bau einer oder gar zwei neuer Shoppingmalls in der Trierer Innenstadt dürften momentan wohl zunehmend das Trierer Gesprächsthema Nummer Eins sein. Die Entscheidung über eine gemeinsame Entwicklungsvereinbarung zwischen Stadt und Investor wurde nun von Oberbürgermeister Klaus Jensen (SPD) kurzfristig verschoben. Genug Zeit soll den Ratsfraktionen bleiben, Eckdaten und Informationen auszuwerten, um eine wohlüberlegte Entscheidung zu treffen. Eckdaten rund um die Geschäfte in einem konventionellen ECE-Center interessieren uns im fünften Teil unserer Serie rund um den Investor.

Das “Forum Mittelrhein” und das “Löhr-Center” in Koblenz, das “Rathaus-Center” und die “Rhein-Galerie” in Ludwigshafen oder das “Rheinhessen Center” in Alzey haben eine Gemeinsamkeit: die “ECE Projektentwicklung GmbH und Co. KG” als Investor. Die Hamburger sind aktiv in Rheinland-Pfalz. In Planung befinden sich ebenfalls Center in Kaiserslautern und in Mainz. Auch Trier steht ganz oben auf der Prioritätenliste des Investors. Trier soll attraktiver werden. Neue Geschäfte sollen neue Kunden anziehen, sowohl aus Luxemburg, als auch aus der Eifel und dem Hunsrück. Ein Kernargument: ein steigender Zentralitätsfaktor. Dieser beschreibt das Verhältnis zwischen jeweiligem Einzelhandels-Umsatz und der eigentlich vorhandenen Einzelhandels-Kaufkraft. Bei einem Faktor von 100% kann eine Stadt entsprechend ihrer Kaufkraft auch Umsatz generieren. Ein Faktor unter 100 weist auf einen Abfluss in andere Städte hin. Ein Faktor über 100 lässt auf zusätzliche Kundschaft aus der Umgebung schließen. Trier liegt mit einem Zentralitätsfaktor von über 200 seit Jahren auf den Spitzenplätzen in Deutschland, noch weit vor Berlin, Frankfurt oder Düsseldorf. Der Trierer Einzelhandel ist vor allem Magnet für Kundschaft aus Luxemburg und der gesamten Großregion.

Wenn man sich an einem belebten Samstagnachmittag zwischen Simeonstraße und Viehmarkt unter Nicht-Einheimischen umhört, warum sie ausgerechnet nach Trier kommen, erhält man keine wirklich überraschenden Antworten. Gerade das vielfältige Warenangebot und der zuvorkommende “deutsche Service” werden geschätzt.

Ein noch vielfältigeres Warenangebot verspricht ECE-Manager Gerd Wilhelmus, der im Auftrag des Investors in Trier agiert, von einer neuen Mall in Trier. Wenn man sich jedoch Center wie das “Forum Mittelrhein” in Koblenz anschaut, muss man erkennen: von 22 Mietern im Bereich Textilien und Sport finden sich in Trier zwölf identische Filialen, darunter “H&M”, “promod”, “Tom Tailor” oder “Vero Moda”. Noch auffälliger wird es im Bereich Elektronik: von sieben Geschäften in diesem Bereich gibt es in Trier sechs haargenau identische, darunter “Game Stop”, “Saturn” oder mehrere Mobilfunk-Anbieter. Im Bereich Wohnen/Geschenke das gleiche Bild: von den zehn ansässigen Einzelhändlern gibt es sieben auch in Trier, unter anderem “Nanu Nana”, “Bijou Brigitte” oder “Konplott”. Eine Frage, die sich aufdrängt – und die manch einen an die Situation kurz nach der Eröffnung der “Trier-Galerie” erinnert – ist, ob man beispielsweise einen “DM-Drogeriemarkt” sowohl in der Simeonstraße, als auch in der Brotstraße und dann auch in der Mall benötigt. Obwohl vor allem die ECE aktiv damit wirbt, viele verschiedene Filialisten unter Vertrag zu haben, die in ihre jeweiligen Center einziehen, sieht ein “vielfältigeres Warenangebot” anders aus.

Viel wichtiger für die Attraktivität der ECE-Center sind jedoch die jeweiligen “Ankermieter”. Der Ankermieter besitzt eine überdurchschnittliche Anziehungskraft auf Kunden und wird daher auch als Magnetbetrieb bezeichnet. Dabei spielt die Positionierung innerhalb des Immobilienobjekts eine wichtige Rolle, denn von der Anziehungskraft des Ankermieters profitieren die anderen, kleineren Geschäfte. Ankermieter sind häufig große Warenhäuser, Elektronikmärkte oder große Textilhändler, und nicht selten sogar als Investoren an den Projekten beteiligt.

Die typischen Ankermieter in den Centern des Hamburger Investors sind beispielsweise die Warenhäuser “Karstadt” und “C&A”. Aber auch große Elektronikkonzerne wie “Saturn” oder “Apple” wirken mancherorts als “Publikumsmagnet”. Der neueste Coup der Hamburger ist ein Vertrag mit dem irischen Textildiscounter “Primark”, der 2011 sogar von ECE-Geschäftsführer Klaus Striebich den Preis für den besten “Newcomer des Jahres” erhielt. Die Discountkette operiert europaweit, seit einiger Zeit auch vermehrt in Deutschland. Die größte Filiale mit rund 8.700 m² befindet sich in Hannover. Auf vier Etagen werden dort Kleidung und Accessoires zu Billigpreisen angeboten. Kein Kleidungsstück kostet dort mehr als 35 Euro. T-Shirts gehen für Dumpingpreise von 5 Euro über die Ladentheke. “Wer ein T-Shirt für zwei Euro kauft, muss wissen, dass jemand anderes den Preis dafür bezahlen muss.“, kommentiert Hubertus Thiermeyer, Landesfachbereichsleiter Handel der Gewerkschaft “ver.di” das Geschäftsmodell der Iren. Auf seiner Homepage stellt sich der Konzern als “ethisch vorbildlicher” Händler vor. Die Arbeitsbedingungen der Näherinnen in Bangladesch seien nicht so, wie von deutschen Medien berichtet. Dies war wohl auch der Grund für eine Werbeaktion einhergehend mit der Shop-Eröffnung in Hannover. Alle Journalisten von lokalen Print- und Onlinemedien erhielten 2011 jeweils einen eigenen 50-Euro-Gutschein für die neue Filiale.

Mit “Primark” allein ist es nicht getan. In der Pressekonferenz am 17. April dieses Jahres, bei der erstmals die gemeinsamen Pläne von Stadt und ECE für die Innenstadt enthüllt wurden, schwärmte Chef-Planer Wilhelmus von zwei weiteren namhaften Ankermietern, dem Elektronikhersteller “Apple” und der Bekleidungsmarke “Hollister”. Auch diese beiden Filialisten leiden seit Jahren unter erheblichen öffentlichen Imageschäden aufgrund von katastrophalen Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben der Billiglohnländer oder aufgrund diverser Steuerspartricks, die es beispielsweise der Firma “Apple” erlauben, mehrere Milliarden Euro jährlich am deutschen Fiskus vorbei zu schleusen. Der kalifornische Bekleidungshersteller “Hollister” hatte zuletzt mit der Meldung für Furore gesorgt, dass in Zukunft “Dicke und Alte” in ihren Filialen unerwünscht seien. Das Marketingkonzept von Hollister unterstreicht diese Aussage. Halbnackte Beachboys werben am Eingang der Filiale um die vorbeiströmende Kundschaft. Auch der Umgang mit den eigenen Angestellten ist nicht immer vorbildlich. Mit einer Klage vor dem Arbeitsgericht mussten die Angestellten in der Filiale in Frankfurt das Recht einfordern, einen Betriebsrat gründen zu dürfen.

Apple, Hollister, Primark – das versteht Gerd Wilhelmus wohl unter einem “vielfältigen Warenangebot.” Denn viel mehr Neues kann es in Trier gar nicht geben, wenn bereits jetzt ca. 80% der Filialisten deckungsgleich sind. Was man von den potenziellen Ankermietern hält, ist dabei jedem selbst überlassen. Eine Bereicherung im Warenangebot könnte hier auch eine Bereicherung an schlechten Arbeitgebern und “Steueroptimierern” sein. (kk)

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1 KOMMENTAR

  1. Das ist schon irgendwie eine Horrorvorstellung:
    Sollte die Stadt Trier einer Zusammenarbeit mit ECE zustimmen und ein neues großes Einkaufszentrum gebaut werden, das NICHT in der seit Jahrzehnten gewachsenen Innenstadt liegt, dann wird diese Innenstadt kaputt gehen! Kein namhafter Einzelhandel wird sich die notgedrungene Chance entgehen lassen können, dort eine Filiale zu eröffnen und auf längere Sicht werden wohl alte Filialen geschlossen. Die Folge sind dann leere Geschäftsräume oder man stelle sich vor, dass sich in der Simeonstraße, der Brot- und der Fleischstraße Tür an Tür eine Pommesbude und ein 1-Euro-Laden abwechseln…
    Die „neue“ Galerie in der Fleischstraße wird dann zur neuen Treviris-Passage und man wird abends Angst haben müssen, ohne Begleitung daran vorbei zu laufen…
    Und wenn, nach geschätzten 5-10 Jahren, genug Geld geflossen ist, dann wird die ECE nach neuen Ufern suchen und zurück bleibt verbrannte Erde.
    So machen das im übertragenen Sinne die Heuschrecken in Afrika auch – mit dem kleinen Unterschied, dass sie es nicht planen.

  2. „Den Fraktionen zeit geben“! Dummes Geschwätze , hier geht’s nur darum über die nächsten Kommunalwahlen zu kommen. Das ist die einzige Intention und sonst gar nichts Herr “ Gutmensch“ Jensen !

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