12. Christopher Street Day in Trier – „Letztendlich geht es um Liebe“

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TRIER. Am Samstag fand auf dem Kornmarkt die Hauptveranstaltung des Trierer „Christopher Street Day“ (CSD) statt. Neben zahlreichen künstlerischen Bühnenauftritten waren viele Verbände und Organisationen vertreten, die nicht nur auf das Thema „Gleichstellung“ aufmerksam machten.

 

„Weil schwule und lesbische Jugendliche es immer noch schwerer haben, als ihre heterosexuellen Altersgenossen“, antwortet Frank Grandpierre auf die Frage, weswegen er sich für die Rechte und die Gleichstellung von Homosexuellen engagiert. Er ist Mainzer Regionalkoordinator von „QueerNet-RLP“, einem rheinland-pfälzischen Netzwerk, in dem neben Schwulen und Lesben auch Inter- und Transsexuelle sowie Transgender (Anm. d. Red.: Personen, die sich nicht auf eine Geschlechterrolle festgelegen können oder festgelegt haben) organisiert sind. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt vor allem in der Beratung von Jugendzentren und Familienbetreuungsstellen, deren Mitarbeiter speziell auf den Umgang mit homosexuellen Jugendlichen und ihren Familien geschult und sensibilisiert werden sollen. Besonders stolz ist Grandpierre auf die Erfolge von „QueerNet-RLP“ in Kooperation mit der rheinland-pfälzischen Landesregierung. In einem über die Legislaturperiode hinaus laufenden Aktionsplan „Rheinland-Pfalz unterm Regenbogen“ wurden gemeinsame, umfassende Maßnahmen gegen Diskriminierung beschlossen.

„Rheinland-Pfalz ist in Sachen gesetzlicher Akzeptanz und Gleichstellung  das fortschrittlichste Bundesland“, bekräftigt auch Joachim Schulte,  Sprecher von „QueerNet-RLP“. Das Land könne allerdings nur in den vorgegebenen Rahmenkompetenzen Gesetze erlassen. Er sieht den Bund und die Regierung in der Pflicht. Schulte prognostiziert ferner einen langen Weg bis hin zur vollständigen gesellschaftlichen und rechtlichen Anerkennung von alternativen Lebensmodellen. Einzig weitere Aufklärung an Schulen und Jugendzentren sowie der öffentliche Dialog mit den Menschen könne dabei zu Fortschritt führen. Veranstaltungen wie der CSD in Trier „bieten dafür eine tolle Plattform.“

Ähnliches berichten Roby Antony und Patrick Birgen von „Rosa Lëtzebuerg“. Sie wollen die Möglichkeit in Trier nutzen, um die zahlreichen Pendler zu erreichen und zu informieren. Der Christopher Street Day sei „gelebte Großregion“, schließlich würden täglich mehrere Tausend Menschen über die Grenzen fahren. Ferner sei ihnen der Austausch mit anderen Verbänden aus Deutschland wichtig.

Ein Austausch mit anderen Verbänden ist auch Ingo Kreusser und Frank Weber wichtig. Die beiden Lehrer engagieren sich bei den „Schwul-lesbischen Pädagog/inn/en in Rheinland-Pfalz“. Sie wollen auf der einen Seite Schülern bei deren Coming Out oder sonstigen, mit ihrer sexuellen Orientierung oder Identität zusammenhängenden  Problemen helfen.  Des Weiteren richtet sich das Angebot auch an Lehrkräfte, die aufgrund ihrer Sexualität von Schülern, aber teils ebenso von Kollegen oder der Schulleitung  diskriminiert werden. In solchen Fällen werden Betroffene auch juristisch unterstützt. Der Zukunft sehen die beiden Lehrer jedoch positiv entgegen, denn insgesamt hätten solche Diskriminierungsfälle abgenommen. “ Es wäre wünschenswert, dass der Fakt, homosexuell zu sein, in Zukunft einfach ganz normal wäre“, meint Ingo Kreusser zum Schluss.

Für „SchLAu RLP“ ist Sebastian Straßer auf dem CSD Trier vertreten.SchLAu RLP“ steht für Schwul Lesbische Aufklärung in Rheinland-Pfalz. Ziel des Verbandes ist vor allem, Jugendliche über Homosexualität aufzuklären. Er ist als Lehrer an einer Saarburger Schule beschäftigt und lebt seine Homosexualität offen. Persönlich habe er nie Diskriminierung erfahren, weder  von Kollegen noch von Schülern. „Ich denke, dass vor allem der Dialog mit den Bürgern wichtig ist. Nur dadurch können Vorurteile abgebaut und widerlegt werden“, so Straßer.

Ein Stand hat sicher die Aufmerksamkeit der Besucher besonders auf sich gezogen. „Katholische Studierende Jugend“ stand da zu lesen. Das mag verwundern, vor allem im Hinblick darauf, dass alle demokratischen Parteien außer der CDU präsent waren, die sich als einzige Partei im Bundestag gegen eine gesetzliche Gleichstellung von homosexuellen Paaren ausspricht. „Uns ist es wichtig, auch politisches Engagement zu zeigen. Als kirchlicher Verband möchten wir darauf aufmerksam machen, dass wir die Gleichstellung von Homosexuellen begrüßen würden. Wir waren ebenso bei den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche kritisch und haben uns an der Demonstration vor dem Trierer Dom beteiligt“,  führt Susanne Schwarz aus. Ihr ist es wichtig aufzuzeigen, dass nicht alle Teile des christlichen Milieus die Meinung der katholischen Kirche teilen.

Ebenfalls vertreten war die Trierer Aids-Hilfe, die auf die Gefahren von HIV und anderen Geschlechtskrankheiten aufmerksam machte. Der Verband empfiehlt, sich regelmäßig testen zu lassen. Dabei helfen sollen Schnelltest-Aktionen an der Universität und im Schmit-Z, dem schwul-lesbischen Zentrum Trier e.V. Es bestehe nach wie vor ein hohes Risiko, sich mit HIV zu infizieren, informiert die AIDS-Hilfe, die Behandlungsmöglichkeiten der Krankheit seien zwar schon viel weiter fortgeschritten, als noch vor zehn Jahren, aber heilbar sei sie immer noch nicht.

Während die Vertreter der anwesenden Verbände weiter interessierte Besucher mit Informationsmaterialen und kleinen Präsenten versorgten, wurde auf der Bühne die Podiumsdiskussion der Direktkandidaten und Kandidatinnen für den Bundestag angekündigt. Neben Oberbürgermeister Klaus Jensen und Landesfamilienministerin Irene Alt hielt auch Alex Rollinger, Geschäftsführer und Initiator von Schmit-Z, eine Eröffnungsrede. In dieser forderte er die Bundesregierung endlich zum Handeln hinsichtlich der Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften auf. Sein letzter Satz, („Die 50er Jahre sind vorbei“), wurde mit lang anhaltendem Applaus von den Zuhörern quittiert.

Irene Alt, die ebenfalls diesjährige Schirmherrin des CSD in Trier ist, fand im Interview deutliche Worte in Richtung der Bundesregierung. „Ich setze mich seit Jahren in der Funktion als rheinland-pfälzische Familienministerin, aber auch privat für die Gleichstellung ein. Der gemeinsame Gesetzesentwurf von SPD und Grünen im Bundesrat belegt dies. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, endlich die Rechte von Homosexuellen in Deutschland zu stärken, vor allem nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts.“ Die obersten Richter der BRD hatten die Politik aufgefordert, die schwul-lesbischen Lebenspartnerschaften der Hetero-Ehe gleichzustellen.

Auch Alex Rollinger, der sich seit Jahrzehnten für die Rechte von Homosexuellen in Trier stark macht, zieht im Interview ein positives Fazit: „In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat sich in Trier viel getan. Zu nennen sind hier nicht nur der CSD, auch das Schmit-Z und der Rosa Karneval zeigen das. Wichtig ist, dass wir weiter in Kontakt mit den Bürgern bleiben, vor allem um Ängste und Vorurteile abbauen zu können. Dass bei der Podiumsdiskussion auch Bernhard Kaster anwesend sein wird, begrüße ich deswegen. Auch das ist eine Form des Dialogs.“

In der Tat war die folgende Diskussion zwischen allen Direktkandidaten der demokratischen Parteien sehr emotional, jedoch fanden die meisten Argumente einen breiten Konsens. Einzig der CDU-Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster vertrat, wie seine Partei, eine konträre Meinung. Die Schlussworte des FDP-Direktkandidaten Henrick Meine stehen stellvertretend für die gesamte Diskussion: „Letztendlich geht es um Liebe!“ (ros)

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