Brand in Cattenom war gefährlich

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CATTENOM. Der Brand in der Atomanlage Cattenom am 7. Juni führte – im Gegensatz zu den vorherigen, von außen weitgehend unsichtbaren bisherigen vier Pannen im Jahr 2013, den 39 Pannen 2012 und den vielen weiteren davor – der ganzen Bevölkerung der Region die permanente Gefahr weithin sichtbar vor Augen. Noch ist nach wie vor unklar, was genau passiert ist und damit auch, ob z.B. hochgiftige Chlorverbindungen und Dioxine bei der Verbrennung frei geworden sind, oder Kabelbrände auch in den nuklearen Bereich hinein reichten.

Dennoch gaben die Betreiber von Cattenom sofort Entwarnung. Bei der zweiten Transformatorpanne, nur wenige Tage nach dem Brand, gab es ebenfalls keinerlei Klarheit oder Erklärung, außer dass wie immer „keine Gefahr für die Bevölkerung“ bestanden habe. Um ein besseres und objektives Bild der wirklichen Gefahr zu bekommen, hat das Anti-Atom-Netz Trier, in dem Mitglieder aller Parteien vertreten sind, am vergangenen Freitag den Experten Dipl. Ing. Dieter Majer, Ministerialdirigent a. D., um seine Einschätzung gebeten.

Dieter Majer war vor seiner Pensionierung im Mai 2011 Unterabteilungsleiter für den Bereich „Sicherheit kerntechnischer Einrichtungen“ im Bundesumweltministerium und damit der höchste technische Experte der Bundesatomaufsicht. Außerdem hat er im gemeinsamen Auftrag der Landesregierungen von Rheinland-Pfalz und des Saarlandes sowie des Großherzogtums Luxemburg den europäischen Stresstest für das französische AKW Cattenom beobachtet.

Nach der Einschätzung Majers hat die Électricité de France (EDF) die Bewertung des Brandes in Cattenom verharmlost und damit zum wiederholten Male die Öffentlichkeit getäuscht. Laut seinen Informationen sei der Haupttransformator in Brand geraten und dadurch der Reaktor vom Netz getrennt worden. „Die für die Kühlung des Reaktors erforderlichen Kühleinrichtungen konnten deshalb nicht mehr vom Netz mit Strom bespeist werden. Der Reaktor war für einen sicheren Kühlbetrieb auf andere Stromquellen angewiesen, was immer eine erhöhte Störfall- oder Unfallwahrscheinlichkeit bedeutet. Damit war der Transformatorbrand unter Sicherheitsgesichtspunkten keineswegs ein unbedeutsames Ereignis“, antwortet Majer auf Anfrage die vom Anti-Atom-Netz Trier gestellte Anfrage.

Ob bei der Schnellabschaltung wirklich keine unvorhergesehenen Reaktorzustände eingetreten seien, lasse sich laut Majer nur beurteilen, wenn der genaue Störfallablauf bekannt werde. Dazu seien aber vermutlich weder EDF noch die Autorité de Sûreté Nucléaire (Anm. d. Red.: Die französische Atomaufsichtsbehörde „ASN“) bereit. Im Jahr 2007 hatte Majer Untersuchungen bei einem ähnlichen Brand im Atomkraftwerk Krümmel durchgeführt. Diese hatten ergeben, dass es zu erheblichen sicherheitstechnischen Problemen beim Abfahren des Reaktors aufgrund des Brandes gekommen war. „Das Atomkraftwerk Krümmel wurde nicht zuletzt wegen dieser Brandfolgen endgültig abgeschaltet“, erklärt Majer in seinem Schreiben an das Anti-Atom-Netz Trier. Außerdem weise der neueste Brand in Cattenom darauf hin, „dass der Transformator schlecht gewartet wurde.“ Denn Ölverschmutzungen führten in Verbindung mit elektrischen Lichtbögen zu solchen Bränden.

Das Anti-Atom-Netz schließt daraus, dass die EDF weiterhin versucht zu vertuschen und ihre Atomanlagen nicht im Griff hat, „weil das per se nicht geht“, so Aktivist Markus Pflüger in einer Stellungnahme zum Brand.

Die weiteren Umstände im Verlaufe des Unfalls zeigen nach Meinung des Anti-Atom-Netzes zudem, dass es keinen wirklichen Katastrophenschutz bei größeren Unfällen geben könne. Denn bevor die Behörden gewusst hätten, was passiert sei, hätte eine radioaktive Wolke die Bevölkerung schon längst großflächig erreichen können. Die Zeit hätte weder für eine rechtzeitige Ausgabe und Einnahme von Jodtabletten, noch für notwendige Evakuierungen gereicht.

„Der einzige Schutz vor gravierenden Unfälle bei dieser Hochrisikotechnologie ist das Abschalten“, so Markus Pflüger vom Anti-Atom-Netz Trier abschließend. (red/pm)

1 KOMMENTAR

  1. Wichtige Aktion, gut dass die Presse berichtet!. Wir müssen dranbleiben und weiterhin auf allen Ebenen Druck gegen diese Hochrisikotechnologie machen, neben dem Wechsel zu echten Ökostromanbietern (www.atomausstieg-selber-machen.de) sind auch der Wechsel zu Banken, die nicht mit der Atomindustrie verbandelt sind, sondern nur in ökologische Projekte investieren wichtige Schritte! (http://urgewald.org/kampagne/bankwechsel-jetzt) und im September wird wieder grenzüberschreitend gegen Cattenom demonstriert!

  2. Früher konnte man beten:
    Herr vergib Ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.
    Seit Erforschung der Kernspaltung und Kenntnisgewinnung über die Folgen radioaktiver Strahlung muß man beten:
    Herr vergib Ihnen nicht, denn sie wissen, was sie tun.
    Die radioaktive Vernichtung der Existenz-grundlage des hono saphiens geht noch viel zu langsam voran, als dass er erkennen würde, dass sofortiger Stopp aller Kernreaktor-anlagen erforderlich ist, um das Aussterben des hono saphiens möglichst zu verzögern. Wie blind (uneinsichtig) kann man nur sein, um nicht zu sehen (erkennen), was aus den eigenen Taten geworden ist und welche Folgen sie für die Menschheit auf jahrtausende von Generationen haben? Wenn Dummheit weh tun würde, würden die verantwortlichen Egoisten vor Schmerzen Suizid begehen.
    Weiter so mit der radioaktiven Verseuchung unserer Existenzgrundlage, damit das fortschreitende Desaster ein schnelleres Ende findet!
    A.S.S.

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