Hektische Betriebsamkeit ohne Not

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Bildquelle: ECE

Am 3. Juli sollte der Stadtrat über Pro und Contra zur ECE-Shopping-Mall entscheiden. Der Termin ist gestrichen. Wie auch schon der vom 28. Mai. Doch dieses Mal ist etwas anders. Als der Steuerungsausschuss, der am 23. Mai den Boden für die entscheidende Stadtratssitzung bereiten sollte, das Thema in die Warteschleife schickte, wurde der Ersatztermin wenig später auf den 3. Juli gelegt. Und jetzt wieder nix.

Aber warum, was ist passiert, warum diese Eile? Es sind doch noch mehr als zwei Wochen Zeit. Wie hektisch gehandelt wurde, erkennt man daran, dass zwischen der Einladung zum Pressetermin und der Information der Medien nicht einmal 20 Stunden lagen. Solche Szenarien gibt es sonst nur im Katastrophenfall. Gab es den etwa? Weil das SWR-3-Fernsehen am Donnerstag mitteilte, abends in der Sendung „Zur Sache Rheinland-Pfalz“ mehr als 15 Minuten mit dem Schwerpunkt Trier über die „Macht der Shopping-Center“ zu berichten?

Denn dabei kamen die Befürworter, allen voran Oberbürgermeister Klaus Jensen, ziemlich schlecht weg. Die gesamte Entwicklungsvereinbarung, die Stadt und ECE schon ausgehandelt haben, wurde zerpflückt. Wie auch die Behauptung des ECE-Abgesandten Gerd Wilhelmus, der das Gespenst an die Wand gemalt hat, Trier drohe den Anschluss zu verlieren, wenn die liebe ECE nicht hilfreich zur Seite springen werde. Studiogast Prof. Dr. Ing. Thomas Krüger von der HafenCity Universität Hamburg, Leiter des Arbeitsgebiets Projektentwicklung und Projektmanagement in der Stadtplanung, war also ganz in seinem Metier. Seine (theoretische) Frage, was die Stadt Trier, der er bescheinigte „in punkto Zentralität zu den Top Five in Deutschland“ zu gehören, mit einer solchen Mall überhaupt wolle, beantwortete er gleich selbst: „Das ist nicht zu toppen.“

Als Beispiele dafür, dass die schöne neue Einkaufswelt nicht so schön ist, wie die Projektentwickler ohne Lehrstuhl, also die, die sich die Taschen füllen wollen, dienten Koblenz und Ludwigshafen. Dort gibt es ECE schon. Ist was besser geworden? Wenn, dann nicht von Relevanz.

Es gab also nur die öffentlich-rechtliche Bescheinigung, die auch in unserer Stadt immer mehr die Oberhand zu gewinnen scheint: Trier braucht ECE nicht, allenfalls ist es umgekehrt.

Dass heute, nicht einmal 20 Stunden nach der Einladung zur PK, und 15 Stunden nach der Fernsehsendung, Wogen geglättet werden sollten – diese Vermutung liegt nahe. Womit wurden sie geglättet? Das Zauberwort heißt „Arbeitsgruppen“. Wieder einmal. Sie werden keine neuen Wahrheiten und keine neuen Erkenntnisse zu Tage fördern. Daher muss über deren Sinn oder Unsinn auch nicht philosophiert werden. Sie können höchstens dazu dienen, die erfolgreiche Lobby-Arbeit der ECE nun auch im kleinen Kreis fortzusetzen. Und um all das dem geneigten oder weniger geneigten Leser näher zu bringen, hätte man sich auch noch bis Montag Zeit lassen können.

Zumal für den kritischen Bürger, erst recht für den Einzelhändler, das Fazit längst feststeht. Es lautet wie das von Professor Krüger: Trier braucht alles andere als ein Shoppingcenter. Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

2 KOMMENTARE

  1. Wie vorher schon gesagt , die Sozen waren schon immer am billigsten zu kaufen ! Oder nennt man das heute“ konsumorientiert“ ?

  2. Das hat nix mit den Parteien zu tun, Lobbyarbeit fällt bei vielen auf fruchtbaren Boden. Nein, ein ECE Center braucht Trier wahrlich nicht, irgendetwas „stinkt“ hier. Öffentlich bleiben die Medien hier am Ball!

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