Mordprozess: Verteidigung fordert Tatortüberprüfung

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TRIER. Am Freitag, den 14.6. wurde der Mordprozess gegen einen 29-Jährigen aus dem Landkreis Bernkastel-Wittlich fortgesetzt (lokalo berichtete). Auf der Tagesordnung standen drei weitere Zeugenaussagen sowie die Aussage der zuständigen Pathologin. Außerdem forderte die Verteidigung eine Tatortüberprüfung an. 

Der angeklagte Berufskraftfahrer soll seine ehemalige Lebensgefährtin, eine dreifache Mutter, heimtückisch erstochen haben, nachdem diese ihn verlassen hatte. Ferner soll er den von ihr getrennt lebenden Ehemann in Tötungsabsicht mit dem inzwischen abgebrochenen Messer angegriffen und schwer verletzt haben, als dieser seiner Frau zur Hilfe eilte.

Am vierten Verhandlungstag des Mordprozesses waren weitere Zeugen geladen. Nach Aussagen der ersten drei Zeuginnen sei es, wie bereits in vorherigen Prozessterminen berichtet, in der Beziehung zwischen dem Angeklagten und der Getöteten vermehrt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Auch kurze Zeit vor dem Tatereignis soll der Angeklagte die später Getötete heftig geschlagen haben. Dies bestätigen auch Blutergüsse, die am Leichnam der Verstorbenen festgestellt werden konnten.

Insgesamt sei zehnmal auf die Frau eingestochen worden, berichtete die für die Obduktion zuständige Rechtsmedizinerin aus Mainz. Zudem seien alle Stiche mit erheblicher Wucht ausgeführt worden, da die Stichlänge mindestens der Klingenlänge entsprochen habe und Knochen sowie bänderartige Strukturen schwer verletzt oder sogar durchtrennt worden seien. Außerdem habe man bei näherer Untersuchung die abgebrochene Klinge des Tatmessers im Schienbeinknochen des Opfers feststellen können. Die Stichabfolge sei dabei relativ genau bestimmbar gewesen. Demnach sollen die ersten Stiche die Getötete im Rücken getroffen haben, während sie sich vornüber gebeugt hatte. Gestorben sei die junge Mutter schließlich an Herzversagen und einer beidseitig kollabierten Lunge aufgrund der Einstiche.

Die Verteidigung fordert in den kommenden Tagen eine erneute Überprüfung des Tatorts, um die Zeugenaussage des Ehemanns zu verifizieren. Dieser sagte aus, er habe am Tatabend gehört, wie der Angeklagte die Treppe hochgestürmt sei, sowie kurz darauf die Schreie seiner Ehefrau, der er unverzüglich zur Hilfe geeilt war. Wegen der baulichen Beschaffenheit der Treppe könne man nicht hören, ob jemand schnell oder langsam nach oben steige, so Rechtsanwältin Sylvia Karrenbauer. Da dieser Sachverhalt aber Auswirkungen auf die Bewertung habe, ob der Tatvorgang mit Zusatz „Heimtücke“ zu versehen sei, müsse dies untersucht werden.

Zur nächsten Verhandlung am kommenden Dienstag, den 18.6., stehen zwei weitere Zeugenaussagen auf der Tagesordnung. Außerdem möchte der Angeklagte sich dann vor Gericht zum ersten Mal zu seinem Lebenslauf einlassen. Ob er sich zum Geschehen äußern wird, bleibt bisher unklar. (mid)

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