Zur Zukunft des Trierer Theaters – Szenario 0 bis 3

0

TRIER. In der heutigen Sitzung des Kulturausschusses wird es erstmals öffentlich vorgestellt, das Gutachten zur Strukturanalyse „Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Theaters Trier“. Ein kulturhaltiger Kommunalwahlkampf ist vorprogrammiert.

„Der Kulturinfarkt“. Mit diesem Buch sorgte Professor Dieter Haselbach im vergangenen Jahr für Aufsehen. Die provokante These, jede zweite deutsche Kultureinrichtung müsse zur Qualitätssicherung und Kostenreduzierung geschlossen werden, erregte dabei am ehesten die Gemüter.

Eben jener Professor ist es nun, der die Zukunftfähigkeit des Trierer Theaters begutachtet hat. Mit Spannung wird die Präsentation seiner Ergebnisse heute in der Sitzung des Kulturausschusses erwartet. Seine Schlussfolgerungen könnten der Startschuss für eine langwierige Debatte in der Trierer Stadtpolitik sein. Vor allem in Hinblick auf die, genau in einem Jahr anstehende Kommunalwahl werden die Vorschläge des Gutachters wohl für viel Zündstoff sorgen.

Szenario 0 bis 3, darüber werden die Debatten dann geführt werden. „Szenario 0“ beschreibt dabei unter einer sehr passenden Bezeichnung den Fortbestand des Theaters ohne Änderungen im derzeitigen Spielbetrieb. Gutachter Haselbach sieht selbst beim Erhalt aller drei Sparten (Musik, Schauspiel, Tanz) noch ein Einsparpotenzial von ca. 500.000 €.

„Szenario 1“ – wohl die unwahrscheinlichste der vier Alternativen – schlägt den Wegfall der klassischen Schauspielsparte vor. Die anderen beiden Sparten würden hier erhalten bleiben. Unter dem Gesichtspunkt zuletzt äußerst erfolgreicher Inszenierungen wie „Bertold Brechts Leben des Galilei“ wird diese Alternative, die laut Haselbach ca. drei bis vier Millionen Einsparpotenzial bietet, wohl schnell vom Tisch sein.

„Szenario 2“ hingegen spukt vermutlich bereits seit längerem in den Köpfen der Verantwortlichen: alle Sparten bis auf das klassische Schauspiel schließen. Qualitätsverluste fürchten einige, andere sehen darin die effektivste Methode, das Theater überhaupt zu erhalten. Zuschauerzahlen und Kostendeckung geben letzterer Ansicht Recht. Doch will man als Stadt solche erheblichen Angebotseinschränkungen hinnehmen? Das Einsparpotenzial ist zumindest erstaunlich. Bis zu sieben Millionen könnten hier jährlich wegfallen. Acht sogar, wenn das Orchester ebenso wegfällt.

Das Theater Trier als Gastspielhaus, dies sieht das letzte Senario Nummer drei vor. Dabei gäbe es kein eigenes Trierer Ensemble mehr, stattdessen würde die Theaterbühne von verschiedenen Ensembles aus der Großregion bespielt. Auch Gastspiele als renommierten Häusern außerhalb der Großregion sind denkbar. Aber Trier ohne eigenes Ensemble, ohne fest verwurzelte Schauspieler oder Tänzer? Für viele Trierer ist das undenkbar. Schon jetzt hat das Theater über 21.000 Unterschriften für den Erhalt des Theaters gesammelt.

Die Zukunft des Trierer Theaters liegt letztlich jedoch in den Händen der Stadtratsmitglieder. Wenn auch vermutlich nicht in denen der jetzigen Legislatur. Umso mehr darf man wohl mit Spannung darauf blicken, wie sich die einzelnen Parteien und Fraktionen entscheiden werden. Professor Haselbachs Gutachten zeigt dabei vier Szenarien auf. Ganz frei und leicht abgewandelt nach dem Motto einer etablierten Fernsehsendung für Kinder „Null, Eins, Zwei oder Drei – letzte Chance vorbei. Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr wenn das Licht nicht ausgeht.“ (kk)

Jetzt lokalo liken und alle aktuellen News rund um Trier und die Region, inklusive Luxemburg, sofort sehen und KOSTENLOS lesen

1 KOMMENTAR

  1. 21000 Unterschriften!aber woher? aus ganz Deutschland! wenn Trier dieses Theater wollte,wären sicherlich mehr als diese paar Unterschriften zusammengekommen.seht es endlich ein ;diese Stadt hat einfach kein Geld für ein 3 sparten-Theater,nein noch nicht mal für eine sparte! ein gastspielhaus reicht völlig aus und alles andere wäre auch unverantwortlich bei dieser Finanzlage !

  2. Wo waren eigentlich diese Theater -Liebhaber als an anderer stelle in Trier tausenden von Kindern ihre Freude genommen wurde? Oder hat sich irgendjemand von euch seinerzeit für den Erhalt der Eishalle stark gemacht?

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.