5 Jahre und 10 Monate Freiheitsstrafe für Triebtäter aus Prüm

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TRIER. Am heutigen Mittwoch wurde der Prozess gegen einen 35-jährigen Mann aus dem Raum Prüm vor dem Landgericht Trier fortgesetzt. Die Anklage lautete: Sexueller Missbrauch von Kindern, sowie Vergewaltigung. In der heutigen Verhandlung wurden die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung vorgetragen. Anschließend wurde das Urteil der Strafkammer verkündet. 

Der gelernte Zimmermann R. aus der Eifel im Raum Prüm muss sich derzeit wegen einer Vielzahl von Straftaten verantworten. Im Zeitraum zwischen August 2008 und Juni 2011 soll er in 211 Fällen sexuelle Handlungen an einem Kind und in drei Fällen vor einem Kind vorgenommen haben. Der Angeklagte lebte in einem gemeinsamem Hausstand mit seiner Lebensgefährtin und deren im Jahr 2000 geborenen Sohn und der 1998 geborenen Tochter. An der Tochter soll der Angeklagte zwischen ihrem 10. und 12. Geburtstag wöchentlich sexuelle Handlungen vorgenommen haben. In drei Fällen soll der Angeklagte versucht haben, den Jungen zu sexuellen Handlungen an ihm zu bewegen. Der Junge soll sich jedoch in allen Fällen losgerissen haben, so dass es ihm gelungen sei, wegzulaufen. Darüber hinaus soll der Angeklagte in drei Fällen in Anwesenheit des Jungen sexuelle Handlungen an sich vorgenommen und in zwei Fällen in Anwesenheit des Jungen Pornofilme geschaut haben.

In der heutigen Verhandlung standen die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und Verteidigung, sowie das Urteil der großen Jugendstrafkammer im Mittelpunkt. Die Staatsanwältin Stephanie Wöste beantragte eine Gesamtfreiheitsstrafe von 6 Jahren und 6 Monaten. “Für die Staatsanwaltschaft ist es zweifelsfrei zu den Taten gekommen. Daher ist dieses Strafmaß adäquat“, so Wöste. Zugunsten des Angeklagten spricht die Tatsache, dass er bislang nicht vorbestraft ist. Außerdem liegen die Taten weit zurück und die Verfahrensdauer ist mit 18 Monaten ungewöhnlich lang. Demgegenüber wird ihm ein Vertrauensmissbrauch gegenüber den Eltern der geschädigten Kinder zu Lasten gelegt. Zusätzlich hat er die Situation ausgenutzt, da er wusste, dass der missbrauchte Junge, der auch an ADHS leidet, seinen Vater nicht über die sexuellen Handlungen informieren würde. Das Kind hatte Angst davor, dass sein Vater die Kontrolle verlieren, den Angeklagten angreifen würde und somit erneut ins Gefängnis müsse. Weiterhin wird R. vorgeworfen, dass der Tatzeitraum sehr lange war und die Kinder daher erhebliche psychische Folgen aus den Missbrauchserfahrungen davon getragen haben, die sich vor allem in der Schule zeigen. Die Strafverteidiger von Sven Collett aus Trier und Franz Obst aus Koblenz beantragten einen Freispruch für den Angeklagten. Collett argumentierte damit, dass „es keine stichfesten Beweise für die Schuld des Mandanten gibt.“ Außerdem habe der Junge bei der Kripo behauptet, er sei nur ein Mal vergewaltigt worden. Zudem stimmten die Angaben der erwachsenen Zeugen nicht mit denen der vermeintlichen Opfer überein. Die Probleme in der Schule brachte er nicht mit einem sexuellen Missbrauch in Verbindung. „Es ist bekannt, dass Kinder mit ADHS Schwierigkeiten in der Schule haben. Zusätzlich könnte auch die beginnende Pubertät eine Alternativerklärung für die Probleme sein“, so Collett. Die von der Staatsanwaltschaft angeführten 208 Fälle der sexuellen Übergriffe gegenüber dem Mädchen, sind nach Ansicht des Verteidigers eine statistische Hochrechnung. Sein Kollege Franz Obst sprach von einer Beweislastumkehr. „Die Staatsanwaltschaft bezieht sich auf statistische Hochrechnungen und liefert keine eindeutigen Beweise. Daher liegt es in der Pflicht der Kammer konkrete Indizien zu liefern.“

Die Kammer schloss sich aber in großen Teilen dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft an. Der Vorsitzende Richter Albrecht Keimburg verkündete das Urteil. Es lautete 5 Jahre und 10 Monate Freiheitsstrafe. Das Strafmaß sei zugunsten des Angeklagten ausgelegt worden. Der Richter nannte die gleichen Gründe wie die Staatsanwältin. Über die Tatsache, dass der Angeklagte die Taten begangen hat, bestand für die Kammer kein Zweifel. (tw)

 

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