Brandstiftungs-Prozess wird fortgesetzt – Sachverständige verliest psychiatrisches Gutachten

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TRIER. Am heutigen Freitag wurde der Prozess gegen einen 30-jährigen Mann aus dem Raum Wittlich fortgesetzt (lokalo berichtete), der sich vor dem Landesgericht Trier wegen versuchter Schwerer Brandstiftung, Bedrohung und Schwerer Körperverletzung verantworten muss. Die Sachverständige Dr. Sylvie Leupold verlas das forensisch-psychiatrische Gutachten und machte dem Angeklagten Hoffnung.

Laut Anklageschrift befand sich der Angeklagte R. im Herbst 2012 wegen der Gefahr der Selbsttötung in einer psychiatrischen Einrichtung. Bei seiner Entlassung wurde er von seiner ehemaligen Lebensgefährtin abgeholt. Zu Hause angekommen, soll er sie dann körperlich misshandelt haben. Darüber hinaus soll er Gegenstände nach ihr geworfen, sie getreten und geschlagen haben. Aus Angst verließ die Frau die Wohnung und lief die Straße entlang. Nach einigen Metern soll ihr ihre Mutter mit dem Auto entgegen gekommen sein. Die beiden Frauen wollten zurück in die Wohnung fahren. Der Angeklagte hatte diese jedoch bereits verlassen. Trotz fehlender Fahrerlaubnis stieg er in den Wagen seiner Lebensgefährtin und nahm die Verfolgung auf. Als er den Wagen der Schwiegermutter erkannte, steuerte er frontal auf diesen zu. Fast wäre es zu einem Aufprall gekommen, der Angeklagte bremste im letzten Augenblick. Nach eigenen Aussagen hätte er den Unfall „billigend in Kauf genommen.“ Er verließ den PKW und lief auf den anderen Wagen zu. Dort soll er den beiden Frauen mit den folgenden Worten gedroht haben: „Jetzt fackel ich das Haus ab, denn wenn ich gehe, gehst du mit.“ Unmittelbar danach soll er wieder zur Wohnung zurückgefahren sein, wo er einen Blumenkübel überfuhr. Sofort rannte er in den Keller, wo er einen Benzinkanister ergriff und in der Wohnung entleerte. Auch ein Feuerzeug hatte er angeblich schon griffbereit. Allerdings wollte er zunächst noch einen weiteren Kanister aus dem Keller holen. Als er wieder in die Wohnung zurückkam, erschienen die von den Bedrohten inzwischen verständigten Polizisten, die ihn abführen mussten.

Am heutigen Tage fand die vorletzte Verhandlung statt. Zunächst wurde ein weiter Zeuge vernommen. Dabei handelte es sich um den ehemaligen Arzt des Angeklagten. Er wurde auf Wunsch des Verteidigers Otmar Schaffarczyk aus Trier, bestellt. Der Zeuge berichtete, dass R. von 2011 bis 2012 bei ihm in Behandlung war. Zu diesem Zeitpunkt war der Angeklagte suizidal. Die Frage des Verteidigers, ob sein Mandant während der Behandlung Benzodiazepine (sedierende Medikamente) verschrieben bekommen hatte, verneinte der Arzt zunächst entschieden. „Ich wäre kein guter Arzt, wenn ich einem Patienten, der selbstmordgefährdet ist, solche Medikamente verschreiben würde.“ Schaffarczyk hakte weiter nach: “Können sie denn sagen, welche Tabletten sie ihm verschrieben haben?“. Das konnte der Mediziner zunächst nicht. Um dies zu erfragen, rief er in seiner Praxis an und bat die Sekretärin, in seiner PC-Datenbank nachzusehen. „Ich muss mich korrigieren. Wir haben ihm doch Benzodiazepine verschrieben. Jetzt erinnere ich mich auch wieder. Als er zu mir kam, nahm er bereits solche Medikamente ein und wir einigten uns darauf, die medikamentöse Therapie zunächst fortzusetzen.“ Der Strafverteidiger wollte nun wissen, ob die Einnahme von 15 Tabletten, die der Angeklagte am Vorabend der vermeintlichen Straftat eingenommen hatte, einen negativen Einfluss auf das Verhalten haben könnte und möglicherweise in der Folge Aggressionen auslöst. „Da bin ich der falsche Ansprechpartner“, so der Mediziner. Die forensisch-psychiatrische Sachverständige Frau Dr. Sylvia Leupold klärte dann auf. Ihr Gutachten enthielt die Frage nach der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten als zentralen Punkt. „Grundsätzlich sind Fälle bekannt, in denen Patienten, die mit Benzodiazepinen behandelt werden, nach einer Weile starke Aggressionen und impulsives Verhalten zeigen.“ Sie hielt es durchaus für möglich, dass die Medikamente einen Einfluss auf die Straftat gehabt haben könnten.“ Das auffällig aggressive Verhalten lässt sich mit dem Tablettenkonsum in Verbindung bringen“, so die Gutachterin. Der Angeklagte darf sich also durchaus Hoffnung machen, ein mildes Urteil zu erhalten. Darauf muss er zu seinem eigenen Leidwesen noch bis zum 19.06. warten. An diesem Tag werden sowohl das Plädoyer der Staatsanwaltschaft als auch das Urteil der Kammer um die Vorsitzende Richterin Petra Schmidt verkündet. R. bat das Gericht darum, die Entscheidung nicht so lange hinauszuzögern. “Ich halte das nicht mehr aus. Bitte geben sie das Urteil früher bekannt. Selbst wenn sie mich für schuldig ansehen. Bitte!“ Diesen Wunsch konnte ihm die Kammer nicht erfüllen, da es “zeitlich nicht möglich sei, einen früheren Termin zu bestimmten“, so Schmitz. (tw)

 

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