Trierer Mordprozess geht in die zweite Runde

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TRIER. Am Dienstag, den 4. Juni wurde der Mordprozess gegen einen 29-Jährigen aus dem Landkreis Bernkastel-Wittlich fortgesetzt (lokalo berichtete). Dem Mann wird zur Last gelegt seine ehemalige Lebensgefährtin heimtückisch getötet und einen weiteren Tötungsversuch an ihrem von ihr getrennt lebenden Ehemann ausgeübt zu haben. Gegenstand der heutigen Verhandlung waren sechs Zeugenaussagen.

Der Anklage nach soll der Berufskraftfahrer am Abend des 13. Dezember 2012 dem Tatopfer in Tötungsabsicht viermal mit einem Steakmesser in den Rücken gestochen haben, während sie sich über das Kinderbett ihres Sohnes beugte. Als sie rückwärts zu Boden fiel, soll der mutmaßliche Täter ihr weitere fünf Stiche in den seitlichen und vorderen Oberkörper versetzt haben. Die später Verstorbene soll dem Angeklagten zuvor mehrfach mitgeteilt haben, dass sie sich von ihm trennen werde und ihm am Tattag eine SMS geschrieben haben, dass sie am frühen Abend vorbeikommen werde, um anlässlich der Trennung persönliche Dinge aus der gemeinsamen Wohnung abzuholen. Außerdem soll der Angeklagte auf den Ehemann des Opfers eingestürmt sein und diesen mit drei Stichen an Schulter und Kopf verletzt haben, als dieser ihr zur Hilfe eilte.

Zur heutigen Verhandlung waren sechs Zeugen geladen. Unter diesen auch eine 23-jährige, gelernte Bäckereifachverkäuferin, die knapp zwei Jahre (von 2007 bis 2009) mit dem Angeklagten zusammen gelebt haben soll. Er habe sie in dieser Beziehung regelmäßig verprügelt, berichtete die Zeugin dem Gericht. Dabei sollen die Abstände zwischen den wahllos vorgenommen Prügelattacken im Laufe ihrer Partnerschaft immer kürzer geworden sein. „Wenn ich nicht machte was er wollte ist er ausgerastet“, erklärt sie. Es habe sich dabei meist um Nichtigkeiten gehandelt, wie beispielsweise um Unstimmigkeiten wegen des Fernsehprogramms.

Schätzungsweise 40-mal sei der Angeklagte insgesamt auf sie losgegangen. Auch die beiden Katzen der 23-Jährigen soll der Angeklagte gequält haben, wenn er seine Wut nicht an ihr auslassen konnte. So soll er eine Katze gegen die Tür geschleudert haben, als die junge Frau ins Schlafzimmer geflüchtet war. Andere Male habe er die Tiere am Schwanz gepackt und sie daran über den Boden gezogen. Kurze Zeit nach einem dieser „Ausraster“ sei er jedes Mal reumütig weinend zu ihr gekommen und habe beteuert, dass dies nie wieder vorkommen werde. Nach einem Nasenbeinbruch habe sie seine Attacken nicht länger vor ihrer Familie geheim halten können. Diese habe sie schließlich unter Druck gesetzt, den 29-Jährigen endlich zu verlassen. Im September 2009 habe sie ihm dann mitgeteilt, dass sie ihn verlassen werde, woraufhin er sie mit einem Messer bedroht und gesagt haben soll: „Wenn du mich verlässt bringe ich dich um!“ Sie habe ihn daraufhin eine Stunde lang beschwichtigt, bis er schließlich das Messer weggelegt haben soll. Nach seinem Verlassen der Wohnung, habe ihr Vater die Schlösser ausgetauscht. Von diesem Zeitpunkt an soll der Angeklagte ihr auf „Schritt und Tritt“ gefolgt und im Oktober 2009 sogar bei ihr eingebrochen sein. Auch eine einstweilige Verfügung des Gerichts habe ihn nicht davon abbringen können, ihr weiter nachzustellen, berichtet die einstige Lebensgefährtin des Beschuldigten. Im April 2010 sei dann „endlich Ruhe“ gewesen. Allerdings habe sie nachts solche Angst gehabt, dass sie zu ihren Eltern zurückgezogen sei. „Ich hatte regelrechten Verfolgungswahn“, gibt die ehemalige Freundin des Angeklagten zu.

Ebenfalls am heutigen Tag geladen war eine 28-jährige Hausfrau und Mutter sowie Freundin des Angeklagten. Es habe sehr oft Streit, meist basierend auf Eifersucht gegeben. In den meisten Fällen sei der Ehemann der Auslöser dafür gewesen.

Als letzter Zeuge in der heutigen Verhandlung wurde der Hauptsachbearbeiter des laufenden Verfahrens der Kriminaldirektion Trier angehört. Dieser sagte aus, ein Polizeikollege habe ihm mitgeteilt, vom Angeklagten erfahren zu haben, er habe das Messer aus der Küche genommen und damit auf die Frau eingestochen. Auf erneute Nachfrage habe der Angeklagte dies ebenfalls dem Verfahrensleiter bestätigt, als diese sich auf dem Weg zur Polizeiwache befanden. Außerdem soll der Beschuldigte in diesem Zusammenhang sinngemäß gefragt haben, ob man denn auch bestraft werden könne, wenn man jahrelang vorgeführt worden sei. Für den Angeklagten sei es im Nachhinein wichtig gewesen, dass Andere auch eine gewisse Schuld treffe, erklärte der polizeiliche Leiter des Verfahrens. Der mutmaßliche Täter habe sich weiterhin beschwert, dass die Ermittlung zu einseitig gewesen sei, denn nur er habe Handfesseln angelegt bekommen, obwohl schließlich weitere Personen am Tatort gewesen seien. Bisher hat der Angeklagte jede Aussage vor Gericht verweigert. (mid)

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